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Besichtigung der Dillinger Hütte

Am Freitag 17. Oktober 2014 ging die Fahrt der Initiative Alte Schmelz St. Ingbert e.V. gegen 8:30 Uhr etwas verspätet los.

Unser Busfahrer Erich Langenbahn der Firma Lay Touristik wartete natürlich gerne auf die Organisatorin Frau Dr. Susanne Nimmesgern, die mit ihrem Wagen bei Heusweiler im Stau steckte. Ohne sie wäre die Fahrt nicht möglich und auch nicht so interessant geworden. Wir erreichten trotzdem rechtzeitig die Dillinger Hütte und wurden am Tor 1 von Herrn Körtgen, der durch den Rundgang führte empfangen. Er bestieg den Bus und schaute sich erst mal die Fahrgäste an, ob sie auch den Sicherheitsbestimmungen gemäß gekleidet waren.
Leider konnten drei Personen nicht an der Führung teilnehmen, da sie auf einen Stock bzw. Gehstützen angewiesen waren. Zuerst mussten sich die Besucher gelbe Helme und rotgraue Mäntel anziehen. Dann wurde allen ein Film über das gesamte Areal und die Produktionsstätten der Dillinger Hütte gezeigt. Danach bestiegen wir nochmals den Bus und fuhren zum Hochofen 5, der 1985 erbaut wurde. Dort erlebten wir einen Roheisenabstich. Das glühende Roheisen floss nachdem vorher die obenschwimmende Schlacke abgeleitet wurde direkt in einen Torpedowagen, der es zum Stahlwerk beförderte. Herr Körtgen zeigte uns die Zuschlagstoffe(Sinter, Erz, Koks und Kies) an einer Art Setzkasten und erklärte uns ihre Aufgaben bei der Eisenerzeugung. Inzwischen war der Abstich beendet, das Abstichloch wurde durch die Stopfmaschine wieder geschlossen.
Die Dillinger Hütte ist das größte Grobblechwalzwerk Europas und eines der leistungsstärksten der Welt. Wir besichtigten nunmehr dieses Walzwerk. Das im Hochofen erzeugte Roheisen wird im Stahlwerk zu Stahl der entsprechenden Güte weiterbehandelt und zu Brammen (Blöcke aus Stahl) gegossen. Hier werden Brammen und Blöcke zu Grobblechen mit teils ungewöhnlichen Abmessungen verarbeitet. Längen bis zu 36 Meter, Breiten von über 5 Meter und Dicken von 450 Millimeter sind keine Seltenheit. Diese Blöcke werden im Walzwerk zu Blechen der vom Kunden bestellten Dimension gewalzt. Dazu werden die Brammen in großen Öfen erhitzt, bis sie wieder rot glühend sind und die zur Verarbeitung erforderliche Temperatur (Ca. 1200°) aufweisen. Die Öfen werden mit Gichtgas, das bei der Eisenerzeugung im Hochofen anfällt beheizt. Die rot glühenden Brammen werden dann mit Wasser vom Zunder, einer Oxidschicht auf der Oberfläche befreit und gelangen automatisch zum ersten und weiter zum zweiten Walzgerüst. Das Walzen erfolgt vollautomatisch. Menschen sieht man im Walzwerk nur in den Leitständen, von denen aus der Walzprozess überwacht wird.
Heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts finden Dillinger Bleche in zahlreichen Projekten weltweit Verwendung. Ob in gigantischen Stahlbrücken oder Wolkenkratzern, in Offshoreprojekten oder in Kontinente durchquerenden Öl- und Gasleitungen. Unsere Stähle erfüllen die unterschiedlichsten Anforderungen auch unter schwierigsten Bedingungen. Die Dillinger Hütte ist heute eine moderne Unternehmensgruppe, die mit über 5000 Mitarbeitern in Dillingen zu den größten Arbeitgebern des Saarlandes gehört. Nachdem ein Gruppenfoto gemacht wurde, gingen wir zum Alten Schloss, des Barons de Lenoncourt, der die Hütte im Jahre 1685 gründete. Leider war das Tor verschlossen und wir konnten nur durch die Gitterstäbe des großen Eisentores einen Blick auf das Schloss mit seinem Park werfen. Die Dillinger Hütte wird oft „Grüne Hütte“ genannt – aus augenfälligen Gründen. Insgesamt 500 Hektar sorgfältig gepflegte Wald- und Wiesenfläche gehören zum Werksgelände. Zum Abschluss der sehr interessanten Hüttenbesichtigung fuhren wir nach Überherrn zum historischen Gutshof Linslerhof, wo wir ein zwei Gänge Menü serviert bekamen.
Text/Fotos: Wolfgang Philipp

St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017