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Dritter Tag der St. Ingberter Pfanne 2014

Auch der dritte Wettbewerbsabend mit Alexandra Gauger, Timo Wopp und Das Lumpenpack wurde in bewährter Art von Philipp Scharri moderiert

Alexandra Gauger: „Spiel mir das Lied vom Glück“
Sie studiert Musik an der Universität zu Köln in den Fächern Gesang, Klavier, Rhythmik und Saxofon. Anschließend absolviert sie ein Aufbaustudium am Konservatorium in Amsterdam und nennt seitdem ein Solistendiplom ihr eigen. Als Mezzosopranistin wird sie in der Folge immer wieder engagiert und geht u. a. als Kathy Kellys Duettpartnerin auf Deutschlandtour. Sie bringt ein Klassikprogramm heraus und ist Sängerin bei unterschiedlichen Liederabenden und Klassikkonzerten in Deutschland, Frankreich und Italien. 2006 entdeckt sie ihre komische Seite und bringt mit „Fräulein Cäsars Musikstunde“ ihr erstes Opern-Comedy-Programm auf die Bühne. 2013 überrascht Sie in ihrem neuen Programm „Spiel mir das Lied vom Glück“ vor allem mit sich selbst und politischen Hintergründen. Das neue Programm von Alexandra Gauger zeigt wieder einmal die verblüffende Vielfalt dieser Künstlerin! War die ausgebildete Mezzosopranistin und Musikerin in ihren letzten Programmen als Musiklehrerin, Frl. Cäsar unterwegs, überrascht sie das Publikum diesmal mit sich selbst und politischen Hintergründen! Ein toller hochkomischer und musikparodistischer Abend, mit Geschichten, die das Leben schreibt, die der Gauger in lockerem Erzählstil aus dem Pünktchenkleid purzeln. Sie erfahren eine Menge über die ungeplanten Abzweige im Leben und dass ein- oder zweimal um die Ecke biegen. Auf jeden Fall interessanter sein kann, als auf einer Einbahnstraße vor sich hin zu dümpeln. Was passiert eigentlich, wenn der ersehnte Prinz ein Migrant ist und sein weißes Pferd ein fliegender Teppich?
Timo Wopp: „Passion“
Wenn er wollte, könnte Timo Wopp als Moderator und Comedian einfach sympathisch sein. Er könnte auf jedes Podium treten und sich direkt in die Herzen seiner Zuschauer spielen. Denn optisch bringt er erst einmal alles mit, was Schwiegermütter angeblich so mögen. Er hat eine sonnige Ausstrahlung und ein freundliches Wesen. Etwas beinahe Vertrauenswürdiges umgibt ihn, wenn er auf der Bühne steht. Aber das dauert nur so lange, bis er den Mund aufmacht. Mit jedem Satz zerbricht er ein Stück des ersten Eindrucks. Angeblich gibt es ja keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Doch Wopp schafft sich einfach eine. Dann zerbricht er sein anfängliches Sunnyboy-Image mit jedem Satz in immer kleinere Scherben, um sich anschließend auf den Trümmern neu wieder aufzubauen: als zuweilen scharfzüngigen, zuweilen arroganten Beobachter. In seinen Nummern stellt er sich, wenn es die Pointe erfordert, über sein Publikum, um von oben die eine oder andere Gemeinheit hinunter zu schleudern. Wer hier im Publikum sitzt, fühlt sich herausgefordert und bekommt das Bedürfnis, ihm das richtige Leben einmal zu zeigen oder ihm zumindest zuzurufen: „Du wirst schon noch sehen, Bürschchen!“. Doch dann schießt er, gänzlich unerwartet, gegen sich selbst. Dank dieser Mischung aus Frechheit und Selbstironie lacht sein Publikum bereitwillig mit, selbst dann, wenn es einen Spiegel vorgehalten bekommt. Man lässt sich von ihm an Grenzen mitnehmen, weil er diese über neue Wege erreicht. Timo Wopp nennt das Kind beim Namen, wie hässlich es auch sein mag. Für einen guten Gag sucht er schon mal Grenzen auf. Dass seine Zuschauer ihm dorthin gerne folgen, liegt vor allem daran, dass sie gedanklich nicht über plattgetrampelte, altbekannte Comedy-Pfade geschleppt werden. Wopps Witz liegt darin, dass man überrascht ist über so viel Ehrlichkeit. Oder Unverschämtheit – wie man will. Sein Witz liegt außerdem in der intelligenten Schärfe und in Blickwinkeln, die das Publikum herausfordern.
Das Lumpenpack: „Steil-geh-Tour
Das Lumpenpack, Max Kennel und Indiana Jonas, geht steil. Supersteil. Eine Gitarre, Quatsch und die Erfahrung von hunderten Poetry Slam Auftritten ergeben gemeinsam das erste Bühnenprogramm der Beiden. In spitzbübischen Charme und ausreichend Selbstironie gekleidet singen sie Lieder, performen Geschichten und Gedichte und changieren dabei stets zwischen brachialem Humor und hintersinniger Nachdenklichkeit. Ein Wechselbad der Gefühle, ein Potpourri der guten Laune, ein Feuerwerk der Nächstenliebe. Und Konfetti. So kontrastierend Indiana Jonas’ Short Stories und Kennels Reimkaskaden auch wirken mögen, setzen sie an zu einem ihrer Lieder, merkt man, dass sie eigentlich kaum besser zusammenpassen könnten.
Internetsüchtige Teenager, der Wunsch eines Tages richtig reich zu sein oder Flirtsupport (alternativ: Balzunterstützung) durch den einzig wahren Superhelden: Wingman. Auf “Steil-geh-Tour” erschließen der Highspeedpoet und der Eskalationshumorist alternative Strategien dem Leben gekonnt den Vogel zu zeigen. Kennel gewann dabei zweimal die bayrischen Meisterschaften im Poetry Slam (2012 & 2013), Jonas entschied die rheinlandpfälzischen Landesmeisterschaften im Poetry Slam 2013 für sich. Und jetzt: Partyhüte aufgesetzt: Es ist Steil-geh-Tag. Denn jeder Tag ist Steil-geh-Tag.

St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017