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Donnerstag, 19. Oktober 2017 · sonnig  sonnig bei 16 ℃ · Von Kelten und Römern – Zeitreise in die regionale VergangenheitScheck für die DLRG Ortsgruppe St. Ingbert e.V.Zweiter ZDF-Saarland-Krimi „In Wahrheit: Tödliches Geheimnis“

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Tagesfahrt der Initiative Alte Schmelz

Mit der Initiative Alte Schmelz St. Ingbert unterwegs nach Longwy im benachbarten Lothringen

Mit einem 4-Sterne Reisebus der Firma Omnibus Klein Zweibrücken und Frau Dr. Susanne Nimmesgern, als Reiseleiterin fuhren wir pünktlich um 8:00 los nach Longwy. Longwy an der Grenze zu Belgien und Luxemburg war einst ein Zentrum der Stahlindustrie, heute ist es mit seiner imposanten Vauban-Festung Teil des Weltkulturerbes. Begonnen hatte die zweistündige „deutschsprachige Führung“, die leider in französisch durchgeführt wurde am Brunnen „Puits de Siège“, (Belagerungsbrunnen), der 1679 aus einem 60 m tiefen Brunnen ausgehoben wurde. Hier befindet sich heute das Touristikzentrum. Für die nicht der französischen Sprache kundigen Teilnehmer, waren die ausgiebigen Erläuterungen des Fremdenführers, die oft in der prallen Sonne stattfanden sehr anstrengend. Doch wie bei allen Fahrten, die von Susanne Nimmesgern angeboten werden, hatte sie die Sache schnell im Griff. Die Übersetzung der wichtigsten Punkte hatte sie mit einigen anderen aus der Gruppe übernommen.
Unter allen 160 Städten, die von Vauban mit Festungen ausgestattet wurden, nahm Longwy einen besonderen Platz ein. Sie war eine der neuen Städte, die von Vauban „ex nihilo“ (von Grund auf neu) errichtet wurden und die sein Bild einer idealen Stadt am besten widerspiegelten. Wir durchquerten das monumentale Tor mit dem Namen „Porte de France“, das mit einer Klappbrücke und einer festen Brücke ausgestattet ist. Dieses Tor, das einen wahren Triumphbogen darstellt, mit seiner Architektur aus zwei reichlich verzierten und gemeißelten Seitenplatten, den Krieg und die Größe von König Ludwig XIV. Um die kriegerischen Elemente wie Pfeile, Brustpanzer, Köcher, Helme, Schilde oder den Kopf der Medusa ziehen sich breite Bänder. Die Festung verfügte über alle für einen Kriegsplatz notwendigen Anlagen. Die Festungsmauer blieb zur Hälfte erhalten.
Die Kirche Saint-Dagobert, Baubeginn: 1683, Fertigstellung 1684, die auf Kosten des Königs Ludwig XIV. erbaut wurde und mit einem 43 m hohen Ausblickturm ausgestattet ist, konnte auch besichtigt werden. Zum Abschluss der geführten Besichtigungen gingen wir vorbei an den alten Kasernen zu den Kasematten in Kreuzform, der Bastion Notre Dame, die durch ihre Größe (75 m lang und 45 m breit) beeindruckten. Bekannt ist Longwy auch für seine glasierten Fayencen, in einem Museum innerhalb der Zitadelle.
Nach dem geführten Rundgang durch die befestigte Oberstadt wartete auf die Teilnehmer ein Zwei-Gänge-Menü in einem traditionellen Restaurant. Gestärkt ging es am Nachmittag mit dem Bus zum ehemaligen Hauptbüro der Longwy Stahlwerke, in dem heute das Haus für die Ausbildung untergebracht ist. Hier befindet sich die „Majorelle Glasmalerei“ von Möbelschreiner Louis Majorelle, ein unbezahlbarer Schatz. Die im Jahr 1928 erstellten, Art-Deco-Glasfenster stehen unter Denkmalschutz. Sie veranschaulichen das Thema Stahl „Iron Man at work“, die die schweißtreibende Arbeit am Hochofen und im Walzwerk, Eindrucks- und farbenfroh darstellen. Die auf vier Ebenen jeweils mit einer Gesamtansicht der Anlage, Stahlwerk und Walzwerk, Hochofen und Fabrikschlote, ungewohnte Einblicke in die Welt von Eisen und Stahl gewährten.
Zum Ausklang der Reise stattete die Gruppe dem nahe gelegenen Ort Crusnes einen Besuch ab. Hier ließ im Jahr 1939 die bekannte Industriellenfamilie de Wendel eine einzigartige Kirche erbauen, die komplett aus Eisen besteht. Die Kirche wurde als Prototyp erstellt, ein Kirchentyp, der schnell und einfach den Kirchenbau in Afrika ermöglichen sollte. Diese Pläne wurden aber durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges vereitelt und so ist dieses Bauwerk einzigartig geblieben. Die Kirche wurde aus einer geringen Zahl einfacher Elemente zusammengesetzt, die auch von ungelernten Arbeitern in Afrikanischen Missionen leicht hätten zusammengesetzt werden können. Errichtet wurde zunächst ein stählernes Gerippe, in das dann metallene Beplankungselemente wie in einem Stabilo-Baukasten eingefügt wurden. In den 80er Jahren war die Kirche in sehr schlechtem Zustand, komplett von Rost überzogen und vom Abriss bedroht. Durch den Einsatz der Bürger von Crusnes und eines Vereines (Association des amies de St. Barbe) wurde die Kirche gerettet und inzwischen mit der Renovierung begonnen. Leider konnten wir das Kircheninnere nicht besichtigen, da die Kirche jetzt in Privatbesitz ist.
Mit vielen interessanten Informationen kehrten wir pünktlich um 18:30 zum Parkplatz der Alten Schmelz in St. Ingbert zurück. Ich kann nur jedem empfehlen, die nächsten Fahrten der Initiative Alte Schmelz St. Ingbert, mit Frau Dr. Susanne Nimmesgern mitzumachen.
Text/Fotos: Wolfgang Philipp

St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017