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„Gemaltes Bergmannsleben“

14. Juni um 16 Uhr im ehemaligen Pumpenhaus (Großer Saal), Dudweilerstraße 90

Dr. Reinhard Latza , Unternehmer aus St. Ingbert, und Oberbürgermeister Georg Jung unterzeichnen am 14. Juni einen Schenkungsvertrag über die Bildersammlung „Bergmannsleben“ des St. Ingberter Künstlers Werner Becker.

Dr. Latza erwarb im Jahr 1993 insgesamt 22 Bilder einer Themensammlung des im gleichen Jahr verstorbenen Künstlers Werner Becker . Nach etlichen Ausstellungen wurden die Arbeiten in einer Dachkammer des ehemaligen Zechenhauses des Besucherbergwerkes bis zur Restaurierung des Gebäudes zwischengelagert. Nachdem auf Initiative des dortigen Betreibervereins und der Witwe des Künstlers das städtische Kulturamt um Hilfe bei der sachgerechten Lagerung der wertvollen Arbeiten gebeten wurde, fand zunächst im Jahr 2005 eine Ausstellung in der städtischen Rathausgalerie statt, um die Bilder in das Gedächtnis der St. Ingberter Öffentlichkeit zurück zu rufen. Kurze Zeit danach entschied sich der Eigentümer der Sammlung, Dr. Latza, die Bildersammlung der Stadt St. Ingbert zu überlassen mit der Auflage, dass dafür ein geeigneter, öffentlich zugänglicher Ort zur Präsentation der Bilder bereit gestellt wird. Hierfür wurde das ehemalige Pumpenhaus in der Dudweilerstraße 90 als passender Ort gefunden. Die Malereien und Zeichnungen Werner Beckers, die ein wichtiges Stück Zeitgeschichte der Stadt St. Ingbert dokumentieren, finden an diesem industriegeschichtlich bedeutsamen Ort einen angemessenen Platz.

Werner Becker arbeitete vor seiner künstlerischen Laufbahn von 1948 bis 1961 als Bergmann in den Gruben St.Ingbert und Jägersfreude, von 1961 bis 1988 war er beim St.Ingberter Eisenwerk beschäftigt. Mit eiserner Energie hatte der Künstler ab 1976 damit begonnen, seiner künstlerischen Begabung ein solides Fundament zu geben. Zu den eindrucksvollsten Bildern von Werner Becker gehört ein Zyklus mit zwanzig Motiven aus dem Bergmannsleben. Aus eigenem Erleben sind diese Grubenbilder entstanden, die in vorwiegend grauen und schwarzen Farbtönen die schwere Arbeit des Bergmannes „vor Ort“ widerspiegeln und ebenso an tödliche Unfälle erinnern wie auch an Felix, das letzte Grubenpferd. Von freudigen Ereignissen berichtet Werner Becker in hellen, leuchtenden Farben, beispielsweise von den Bergmannsfesten, die er in der St.Ingberter „Laabdell“ erlebt und mitgefeiert hat.

Der Künstler verarbeitet seine Erlebnisse, die angenehmen wie die schreckerfüllten des typischen Bergmannslebens, ebenso mittels gegenständlicher als auch abstrakter Malerei, wobei vielfach Szenen aus dem alltäglichen Erfahrungsbereich vermittelt werden. Diese an sich gegensätzlichen Richtungen scheinen in den Arbeiten des 1933 in St. Ingbert geborenen Werner Becker ihre Grenzen aufzulösen. Jede bewusste Formgestaltung lehnte er ab und kreierte spontan aus Flecken und Farbtupfen heraus die Motive mit surrealem Charakter.

Mit seinen Bildern erinnert Werner Becker an die Geschichte des Bergbaus und der Bergarbeit, die das Stadtbild, die Lebens- und Arbeitswelten von St. Ingbert entscheidend geprägt haben. Die Bilder machen gleichzeitig den Bedeutungswandel der Stadt vom ehemaligen Walddorf zur Industriestadt deutlich. Sich dieser Identitätsstiftung zu erinnern, bedeutet auch, sich einer neuen Standortbestimmung zu stellen. Gerade diese Entwicklung macht den „neuen alten“ Standort des ehemaligen Pumpenhauses im modernen Gewerbe- und Technologiepark in besonderer Weise prädestiniert als Ausstellungsort, fließen doch dort architektonisch und nutzungsbedingt mehrere Facetten der St. Ingberter Industriegeschichte zusammen.

Mit der Präsentation und der öffentlichen Unterzeichnung des Schenkungsvertrages möchte sich die Stadt bei allen Beteiligten an der Übergabe der Bilder bedanken.

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