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Walk the line und Lola

Wir schreiben das Jahr 1968. Im Folsom Staatsgefängnis ist alles bereit für den grossen Auftritt. Die Gefangenen (welche gleichzeitig das Publikum sind) klatschen im Rhythmus, stampfen mit den Füssen und die Band auf der Bühne fängt an zu spielen. Man wartet. Man wartet auf den grossen Star, der hier im Gefängnis ein Konzert geben soll, das in dieser Form noch niemand gewagt hat. Man wartet auf „The Original Man in Black“. Auf Johnny Cash (Joaquin Phoenix). Doch der steht hinter der Bühne und lässt sein Leben Revue passieren….
„Walk the Line“ ist James Mangolds eigenwilliges Künstlerporträt des Sängers Johnny Cash – sein Aufstieg, Absturz, Entzug und Comeback. Und die Geschichte seiner Liebe zu June Carter.

LOLA von Fassbinder

Die Kinowerkstatt erinnert an diesem Wochenende an Rainer Werner Fassbinder und zeigt am Sonntag, den 11. Juni, um 20 Uhr, den Film „Lola“ aus dem Jahre 1981, Drehbuch: Peter Märthesheimer, Pea Fröhlich und Rainer Werner Fassbinder – Kamera: Xaver Schwarzenberger – Schnitt: Rainer Werner Fassbinder alias Franz Walsch und Juliane Lorenz – Musik: Peer Raben (Gilbert Bécaud, Freddy Quinn) – Darsteller: Barbara Sukowa, Armin Mueller-Stahl, Mario Adorf, Matthias Fuchs, Helga Feddersen, Karin Baal, Ivan Desny, Karl-Heinz von Hassel, Sonja Neudorfer, Elisabeth Volkmann, Hark Bohm, Rosel Zech, Isolde Barth, Christine Kaufmann, Udo Kier u.a. – 1981. Schon zu Lebzeiten ein Mythos wegen seiner schier unerschöpflichen Schaffenskraft, Exzessivität und Kreativität, hat sein früher Tod die Legendenbildung noch verstärkt. Am 10. Juni 1982 wurde der Filmemacher in seiner Münchner Wohnung tot aufgefunden. Er starb im Alter von 37 Jahren vermutlich durch die gleichzeitige Einnahme von Kokain und Schlaftabletten. Seine Urne wurde auf dem kleinen Künstlerfriedhof in München-Bogenhausen beigesetzt. „Lola“ ist eine eindrucksvolle Satire über die Heuchelei in der Wirtschaftswunder-Gesellschaft der BRD: In einer deutschen Kleinstadt korrumpiert der neureiche Baulöwe Schuckert die Honoratioren. Der neue Baudezernent von Bohm weiß davon zunächst nichts; er führt sein Amt korrekt – und verliebt sich ausgerechnet in Schuckerts Geliebte Lola …Georg Seeßlen schrieb: „Fassbinders LOLA ist der vielleicht heimtückischste seiner „BRD“-Filme. Als dritter Teil einer Geschichte der deutschen Nachkriegsgesellschaft setzt er die Suche nach dem Vater, nach der Frau, nach dem Ursprung fort. Aber es ist nun eine Komödie, das heißt, neben der Zärtlichkeit und der Gewalt ist auch die Verachtung und die Vergebung möglich. Fassbinder erklärt die Versuchsanordnung: „Es gibt da einen Bauunternehmer, der will verdienen – das ist sein gutes Recht. Es gibt da ein Mädchen, das möchte nicht nur bezahlt werden, sondern auch zu den Kapitalisten gehören. Und es gibt dazu einen Baudezernenten, der von seiner moralischen Haltung her das simple kapitalistische Prinzip ablehnt, dem aber klar wird, daß der Aufbau dieses Landes ohne dieses Prinzip nicht möglich ist.“
Mit Lola setzt Rainer Werner Fassbinder seine mit der „Ehe der Maria Braun“ begonnene Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit und der Ära Adenauer fort. Eine Dreiecksgeschichte um die Hure Lola, die vom korrupten Bauunternehmer bezahlt und vom weltfremden Baudezernenten geliebt wird. Am Ende siegen falsche Moral und Korruption: Der Moralist heiratet die Hure. Das Aufwärtslebensgefühl jener Jahre ist recht treffend eingefangen, zur melodramatischen Abhandlung kommen ironisch-komische Momente, die genug Unterhaltsamkeit enthalten, um so die falsche Moral der fünfziger Jahre zu entlarven und Denkanstöße über Fehlentwicklungen in der Geschichte der Bundesrepublik zu liefern.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017