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Spielstrassenwettbewerb

St. Ingbert, Juni 2006. Drei Straßen im Saarland dürfen sich künftig mit dem Prädikat „Ausgezeichnete Spielstraße“ schmücken. Sie sind aus dem ersten landesweit ausgeschriebenen Wettbewerb „Unsere Spielstraße“ als Sieger hervorgegangen. In Anwesenheit der Innenmi-nisterin Annegret Kramp-Karrenbauer wurden heute Vertretern der Spielstraßen Auf Weilerland (Eppelborn), Sonnenhügel (Beckingen) sowie der Erfurter und Stettiner Straße (Dillingen) im Rathaus St. Ingbert die entsprechenden Urkunden verliehen.
„Die Wettbewerbsbeiträge belegen, dass Spielstraßen die Lebensqua-lität und die Sicherheit in unseren Kommunen deutlich steigern“, fasste Schirmherrin Kramp-Karrenbauer die Ergebnisse des Wettbe-werbs zusammen. „Vorbildlich ist, wie lebendig Nachbarschaft in diesen Straßen gestaltet wird – angefangen vom Straßenfest über die gemeinsame Pflege des Spielplatzes bis zur gegenseitigen Kinder-betreuung. Dies ist nur möglich durch gelungen umgesetzte Konzepte sowie das besondere Engagement von Menschen, die sich vorbildlich in ihr Wohnumfeld einbringen.“


1. Initiator Bernhard Groß, Baustoffwerk Sehn St. Ingbert (Jury), Schirmherrin Innenministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, OB Jung, Prof. Peter Böttcher von der HTW des Saarlandes (Jury) (verdeckt) und Horst Jacob vom ADAC (Jury)

Privatinitiativen und Kommunen aus dem ganzen Saarland hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt, der seit Anfang des Jahres läuft. Initiiert wurde der Wettbewerb vom Baustoffwerk Sehn in St. Ingbert, dessen Geschäftsführer Bernhard Groß mit der Aktion die öffentliche Diskussion über Spielstraßen neu beleben wollte. Angesichts knapper Kassen haben in den letzten Jahren immer weniger Kommunen in neue Spielstraßen investiert. Mitverantwortlich für die höheren Kosten von Spielstraßen sind die strengen Bauvorschriften: So darf es beispielsweise in einer Spielstraße keine baulichen Trennungen zwischen Fahrbahn, Gehweg oder Radweg geben, was in der Regel durch eine einheitliche – teurere – Pflasterung erreicht wird. Überse-hen wird dabei aber schnell der Kostenvorteil, der sich bei späteren Reparatur-Arbeiten, z.B. am Versorgungsnetz, ergibt. Denn kleinere Schäden können bei Verbundsteinen wesentlich kleinflächiger ausge-bessert werden.


Preisübergabe

Spielstraßen sind ferner davon gekennzeichnet, dass alle Ver-kehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Dass birgt eine Menge Vorteile, erfordert aber ein hohes Maß an Rücksichtnahme und den konsequen-ten Hinweis der Eltern, dass dieses Prinzip der Gleichberechtigung nur in der Spielstraße gilt. Die Praxis zeigt, dass es hier noch eine Menge zu lernen gibt: Längst nicht alle motorisierten Verkehrsteilnehmer halten sich an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit, was mancher Straße leider viel von ihrem Charme nimmt.


Aufnahme mit Vertretern alle teilnehmenden Gruppe

Seit Januar wurden Spielstraßen gesucht, deren Konzept nachah-menswert ist für andere Straßen – sowohl aus verkehrstechnischer als auch aus sozialer Perspektive. Formal waren der Phantasie bei den Bewerbungen keine Grenzen gesetzt, entsprechend vielfältig waren die Einsendungen: selbstgemalte Kinderbilder, Fotos vom letzten Maibaumrichten oder Karnevalsumzug, begeisterte Briefe von neuzu-gezogenen Anwohnern, Zeitungsartikel über den in Eigenregie ausge-bauten Spielplatz, Anwohnerbefragungen und vieles mehr.
Die Jury, der neben Initiator Bernhard Groß Prof. Peter Böttcher von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und Horst Jacob vom ADAC angehören, hatte es bei der Bewertung nicht leicht. Jakob: „Wir haben nicht die größten und aufwändigsten Leistungen prämiert, sondern diejenigen, bei denen bauliche Konzeption, gelebte Nachbarschaft und eine ansprechende Optik Hand in Hand gehen. In den meisten Fällen beflügelt eine gelungene Konzeption das Entstehen sozialer Netzwerke.“ Um sich ein Urteil bilden zu können, hatte die Jury eigens jede Spielstraße besichtigt und sich ein Bild vor Ort gemacht.
Schließlich hatten drei Einsendungen die Nase vorn: Die Spielstraße „Auf Weilerland“ in Eppelborn, der „Sonnenhügel“ in Beckingen und die aneinander grenzenden Erfurter und Stettiner Straße in Dillingen.
„Auf Weilerland“ überzeugte vor allem durch ihre verkehrstechnisch gelungene Umsetzung. Diese Straße ist ringförmig angelegt, mehrere Querstraßen zweigen von ihr ab und enden in Sackgassen. „Dieses Konzept gewährleistet eine hohe Sicherheit für alle Verkehrsteilneh-mer. Gerade Kinder profitieren davon, haben sie doch viel Raum zum Spielen, ohne ständig auf Durchgangsverkehr achten zu müssen“, so Planungsexperte Prof. Böttcher.
Beim Sonnenhügel handelt es sich um keine explizit ausgewiesene Spielstraße, sondern um eine Sackgasse in verkehrsberuhigter Lage. Hier wird das nachbarschaftliche Miteinander groß geschrieben: „In Eigenregie haben die Anwohner einen Bolzplatz angelegt, unterstützen sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung und sind gemeinsam sport-lich aktiv – zum Beispiel auf einer ‚Tour de Belgique’ mit dem Fahr-rad“, hob Prof. Böttcher hervor.
Die Erfurter und Stettiner Straße in Dillingen wurden erst Ende 2005 zu Spielstraßen ausgebaut. Die Jury lobte vor allem das Verkehrskon-zept der Doppel-Spielstraße: Pflastersteine an den Seiten und farbige Einsätze in der Mitte verkleinern die Fahrbahn optisch und führen so zu mehr Sicherheit. Auf der Straße und auf dem neu angelegten angrenzenden Spielplatz können sich die Kinder unbeschwert austo-ben.
Am Ende zeichnete die Jury alle Teilnehmer aus: Jede Gruppe erhielt vom Baustoffwerk Sehn einen Gutschein für Getränke und Würstchen und darf sich nun noch mehr als ohnehin auf das nächste Straßenfest freuen. Auch der ADAC steuerte eine finanzielle Unterstützung bei. Dazu gab es für alle Teilnehmer ein Überraschungspaket mit unge-wöhnlichen Straßenspielen für Groß und Klein.
Initiator Bernhard Groß zeigte sich zufrieden: „Unser Wettbewerb hat bewiesen, wie günstig sich Spielstraßen auf mehr Verkehrssicherheit und eine positive Nachbarschaft auswirken. Bei der Verkehrsplanung sollten sie wieder stärker berücksichtigt werden. Unter dem Fokus einer langfristigen Finanzplanung relativieren sich auch die Mehrkos-ten bei der Erschließung.“

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