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Kinderschutz SPK

Mit einem Entwurf, der Kinder vor Verwahrlosung schützen soll, ging Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen aus aktuellen Anlass in die bundespolitische Offensive. Dass dieses Thema beim Saarpfalz-Kreis schon länger behandelt wird und Lösungen erarbeitet wurden, zeugt von der konzeptionellen Arbeit der Jugendämter – ohne dass negative Schlagzeilen die Jugendhilfe belasten.

Klaus Guido Ruffing, Leiter des Kreisjugendamtes: *Kinder vor Verwahrlosung zu schützen ist im Saarpfalz-Kreis schon seit 1999 ein vorrangiges Thema, zu dem wir Lösungen erarbeitet haben. Vor sieben Jahren wurden insbesondere für psycho-soziale Diagnosen sowie für Berichte, Expertisen und Stellungnahmen für die Familiengerichte Grundsatzüberlegungen und Handlungsanleitungen erstellt.“

Kernpunkte waren damals schon Fragestellungen wie: Welche Haltung und Gefühle haben die Eltern gegenüber ihrem Kind? Wie ist die Familie in ihrem sozialen Umfeld integriert? Welche persönlichen Beziehungen pflegen die Erwachsenen zu Vereinen, Verbänden oder zur Nachbarschaft? Und ist eine Integrationsfähigkeit im sozialen Geflecht vorhanden? Natürlich stehen bei diesen Fragenstellungen auch Beteiligungsmodelle der betroffenen Familien mit im Vordergrund. So war in diesem Fragenkatalog dann auch zu lesen: Was haben die Familien mit den Hilfsdiensten Positives erlebt oder gibt es Verbesserungsvorschläge? Dieser Fragenkatalog mit Handlungsanweisungen für die Mitarbeiter des Jugendamtes hatte Modellcharakter. Viele dieser Punkte sind heute Standard im Jugendhilfe-Repertoire.

Hinter diesen Arbeitsvorlagen steht eine Definition des Kindeswohls. Es galt und gilt Begriffe zu finden, die für die Mitarbeiter der Jugendämter und der anderen Sozialdienste nachvollziehbar und bewertbar sind. Sehr subtil wurde von den Sozialen Dienstes des Saarpfalz-Kreises eine Definition nach quantitativen und qualitativen Bergriffen herausgearbeitet. Eckpunkte für die Mitarbeiter des Jugendamtes sind dabei die äußeren Lebensumstände, die Persönlichkeiten der Eltern, geistige und psychische Normalität, Schulischer Beistand und Bildungsstand, kindliche Grundbedürfnisse, emotionale Bezugspersonen und das altersgemäße Einbeziehen des Kindes in den Hilfeplan.

Bereits vor dem so genannten Fall *Pascal“ und in der Folge parallel zum Saarbrücker Memorandum wurde beim Landkreistag des Saarlandes ein Konzeptpapier erarbeitet mit Empfehlungen für fachliche Verfahrensstandards und Hinweisen bei der Krisenintervention. Ziele dieser Empfehlungen war es, den Fachkräften in Krisensituationen Handlungsrichtlinien zu geben. Denn bei diesen Krisen geht es um massiven Eingriffe in die Familie: Die Entscheidung, ob ein Kind in Gefahr ist, kann zu unterstützenden Hilfen oder zur Inobhutnahme führen.

Jakob Wagner, Sozialdezernent des Saarpfalz-Kreises: *Da sich die Jugendhilfe bewusst ist, dass falsche Beurteilungen verheerende Folgen für die Familien haben können und hier Menschen über Menschen entscheiden, ist Grundhaltung unserer Mitarbeiter, über Prognosen und fachliche Einschätzungen eine mögliche Fehlerquote weitestgehend zu minimieren. Wir sind uns im Klaren darüber, dass Eingriffe ins Elternrecht sehr belasten können; das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Gesundheit gilt es aber nachhaltig zu schützen.“

Bei allen Vorsichtsmaßnahmen der Mitarbeiter des Jugendamtes oder anderer Hilfsorganisationen ist es aber so, dass niemand in Menschen hineinschauen und zukünftiges Verhalten voraussagen kann. Dies bedeutet, dass selbst bei einem noch so gut organisierten Kinderschutz und bei häufigen Kontaktaufnahmen der Jugendamts-Mitarbeiter mit den betroffenen Familien es dennoch zu Gefahrensituationen kommen kann. Sozialdezernent Jakob Wagner. *Dessen muss sich jeder Beteiligte und auch die Öffentlichkeit stets bewusst sein!“

Ein Zusammenwirken der beteiligten Einrichtungen wie Kliniken, Ärzten und Jugendhilfe ist dabei ein wesentliches Element. In diesem Ablauf dürfen keine Leerläufe entstehen, denn in Krisensituationen ist Eile geboten * zum Schutz der Kinder.

So entstanden in den vergangenen sieben Jahren wichtige Handlungsanweisungen für die Mitarbeiter des Jugendamtes des Saarpfalz-Kreises. Durch die überschaubare Größe der Region, das gute Zusammenspiel der Akteure * wie zum Beispiel dem Jugendhilfe-Ausschuss, dem Stadtteil-Projekt *Lebendiges Erbach“, dem Kriminal-Präventions-Beirat St. Ingbert, dem Runden Tisch Bexbach oder dem Lokalen Bündnis für Familie in Kirkel * kann der Kreis auf viele positive Kommunikationswege aufbauen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes sind in allen diesen Gruppen verankert.

Klaus Guido Ruffing: *Ein weiterer positiver Aspekt in unserer Arbeit zum Schutz der Kinder ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kindertageseinrichtungen.“ Das Jugendamt des Saarpfalz-Kreises bietet als einziger Kreis im Saarland seit über zehn Jahren eine Fachberatung für kommunale Einrichtungen an. Hans-Josef Daubaris und Ute Müller bieten regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen an und sind auch Ansprechpartner für Einrichtungen in kirchlicher und freier Trägerschaft.

Wenn nun 10 Millionen Euro vom Bund für ein Früphwarn-System gegen die Verwahrlosung von Kindern eingesetzt wird, dann werden (laut dem Königsteiner Schlüssel) gerade einmal 130 000 Euro ins Saarland fließen. Das entspricht knapp drei Sozialarbeiter-Stellen für 1,1 Millionen Bürger.

Landrat Clemens Lindemann: *Der aktuellen Entwicklung von Projekten, die dem Kinderschutz dienen sollen, läuft ein Entwurf einer AG Finanzen des Innenministeriums konträr entgegen. Darin soll die Jugendhilfe budgetiert und damit finanziell geschwächt werden. Abgesehen von der Tatsache, dass solche Eingriffe absolut nicht den Vorgaben der kommunalen Selbstverwaltung entsprechen, würde hier der Schutz der Kinder nachhaltig geschwächt. Aber gerade unsere Kinder müssen uns immer eines der wertvollsten Güter sein. Deshalb darf an einem noch auszubauenden Kinderschutz nicht gespart werden!“

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017