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Kinowerkstatt St. Ingbert: Programmübersicht vom 16. – 19. Juli

Werner Herzog hat mit seinem Film ein faszinierendes Dokument buddhistischer Traditionen und Weisheiten geschaffen. Die Kamera und mit ihr der Zuschauer blickt dem Dalai Lama erstmals bei einem der wichtigsten buddhistischen Rituale über die Schulter, der Kalachakra Initiation. Der Stil des Films lehnt sich an die Intensität der Ereignisse an: Seine Perspektive ist nie von außen, sondern immer mitten im Geschehen, nahe an den Menschen und ihrer Kultur. Ohne zu missionieren ist es Herzog gelungen, die Spiritualität und Würde der buddhistischen Gläubigen in Bodh Gaya (Indien), am Berg Kailash (Tibet) und in Graz (Österreich) in farbenprächtige Bilder zu fassen.
RAD DER ZEIT wurde unter der Mitwirkung von seiner Heiligkeit dem XIV. Dalai Lama und in Kooperation mit der Gesellschaft zur Förderung Buddhistischer Werte gedreht. Der Regisseur hat mit einer kleinen Digitalkamera teilweise selbst gefilmt, um das Drehverbot der chinesischen Behörden in Tibet zu umgehen.
In dieser vom Dalai Lama unterstützten Dokumentation, beschreibt Werner Herzog die Kalachakra Initiation, eines der wichtigsten buddhistischen Rituale. Weniger genaue Beschreibung einer Religion, ist der Film eher ein gelungener Versuch, die Stimmung bei dem in Indien stattfindenden Ritual einzufangen. Angesichts der Beliebtheit des Dalai Lamas und der Faszination, die von der friedlichen Religion ausgeht.
Werner Herzog selbst hatte, wie er selber zugibt, vor den Dreharbeiten nur rudimentäre Kenntnisse über den Buddhismus. So war er skeptisch, als die buddhistische Gemeinde Graz mit der Bitte an ihn herantrat, eine Dokumentation über die Kalachakra-Initiation zu drehen, die 2002 auch in Graz, und damit zum ersten Mal in Europa, durchgeführt wurde. In der Überzeugung, dass der Buddhismus im Herzen eine asiatische Religion ist und nur im asiatischen Kontext zu verstehen ist, ging Herzog über die ursprüngliche Intention hinaus und stellt die Initiation in Indien in den Mittelpunkt seines Films. In Bodh Gaya, dem Ort an dem der Königssohn Siddharta einst die Erleuchtung fand und zum Buddha wurde, fanden sich im Mai 2002 gut fünfhunderttausend Gläubige zusammen, um der mehrtägigen Zeremonie beizuwohnen. Herzog mischte sich mit seinem Kameramann unter die Pilger und fing sowohl poetische Bilder ein, in denen die Einfachheit des Buddhismus deutlich wird, als auch solche, in denen die Massen der Panik und dem Aufruhr nahe sind. In solchen Momenten, egal ob sie unabsichtlich oder intendiert in den Film eingebaut sind, wird deutlich, dass auch der Buddhismus, wie jede andere Religion, wenn sie zu einem Massenspektakel wird, zu einem riesigen Jahrmarkt, einem durchorganisierten Spektakel wird. Im harten Kontrast dazu steht der Dalai Lama selbst, der in einigen wenigen Interviewsequenzen seine typische lebensfrohe Art zeigt und einige Erklärungen bezüglich der Metaphorik des Rituals beantwortet und verschmitzt erklärt, der Mittelpunkt der Welt liege in jedem Menschen.
Es gelingt Herzog auch in ‚Das Rad der Zeit‘ in einigen Momenten, jene faszinierende Aura zu erzeugen, eine fast als transzendental zu bezeichnende Stimmung zu schaffen, die seine besten Arbeiten auszeichnet.

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Doris Dörrie’s „Die Friseuse“
Bloß nicht unterkriegen lassen: Ein Film wie dieser ist im deutschen Kinoland selten und sehr erfrischend: Doris Dörrie’s („Männer“, „Kirschblüten – Hanami“) neue Komödie „Die Friseuse“ lief auf der Berlinale und jetzt im Kino, in der Kinowerkstatt am Freitag, den 16. Juli, um 21:45 Uhr, am Samstag, den 17. Juli, um 21 Uhr sowie am Montag, den 19. Juli, um 20 Uhr zu sehen.
Kathi (Gabriela Maria Schmeide (u.a. HALBE TREPPE, DIE POLIZISTIN) ist für ihr Leben gern Friseuse. Schon als Kind hat sie ihre Nase an den Scheiben der Friseurgeschäfte plattgedrückt, denn dort roch es immer so gut.
Jedoch machte sie damals den Fehler, sich immer von der Friseuse frisieren zu lassen, die am hübschesten ausschaute und am besten gestylt war. Erst viel später kam Kathi zu der Erkenntnis, dass es doch viel schlauer wäre, besser zu der Friseuse zu gehen, die es handwerklich auf die Reihe bekommen und das kleine Kunstwerk geschaffen hatte.
Und als sie schließlich Ende der 80er -in der DDR- selbst den Beruf erlernt, war dieser inzwischen so gefragt, dass man besonders gut in der Schule sein musste, um eine Lehrstelle zu bekommen.
2010 und im Westen angekommen muß sich Kathi bei ihrer neuen Arbeitstelle, einem Salon im Einkaufscenter und dessen Filialleiterin melden. Doch die Dinge laufen anders als erwartet. Trotz ihrer Qualifikation zieht die Chefin (Maria Happel) ein langes Gesicht und erklärt ihr, dass sie Kathi nicht einstellen kann. Oder auf den Punkt gebracht: Die Powerfrau ist ihr nicht “ästhetisch” genug! Kathi ist so dick, dass die freundliche Umschreibung “mollig” eine glatte Lüge wäre…

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