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Ausstellung Ludwig Meidner – Weltentaumel

Eröffnung: Sonntag, 26. November, 11 Uhr




Mit Ludwig Meidner (1884 – 1966) widmet das Museum Sankt Ingbert einem großen Künstler des Expressionismus eine Ausstellung.
Mit 85 Werken des graphischen Oeuvres richtet das Museum Sankt Ingbert anhand verschiedener Themenschwerpunkte den Blick auf Ludwig Meidners expressionistische Werkphase, die von 1912 bis in die frühen zwanziger Jahre andauerte und Meidners kreativste Schaffenszeit darstellt. Als Maler, Graphiker und Schriftsteller gehörte Ludwig Meidner in den frühen Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit zum Mittelpunkt der expressionistischen Szene Berlins. Die vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen Werke zur Großstadtthematik begründeten seinen Ruf als herausragender Vertreter des urbanen Expressionismus. Der Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Schlesien fühlte bereits in jungen Jahren die Berufung als Maler und Zeichner in sich. Erstmals der Öffentlichkeit präsentierte sich Meidner in der Berliner Galerie „Der Sturm“ von Herwarth Walden, wo er 1912 ausstellte. Die expressionistischen Arbeiten zwischen 1912 und 1916 gelten als seine wichtigsten. In ihnen verarbeitet Meidner Anregungen von Futurismus und Kubismus. Meidner machte sich nicht nur einen Namen als Maler, er trat auch als Literat hervor, unter anderem mit der autobiografischen Prosasammlung „Im Nacken das Sternenmeer“ Der Künstler, der sich nach dem Ersten Weltkrieg verstärkt seiner jüdischen Identität zugewandt hatte, emigrierte 1939 unter den Druck nationalsozialistischer Diffamierung als Jude und „entarteter Künstler“. Nach bitteren Jahren in England kehrte Meidner nach Deutschland zurück, wo er 1966 in Darmstadt starb. Ludwig Meidner lebte von 1905 bis 1935 mit Unterbrechungen in Berlin, wo er zur Großstadtbohème gehörte. In den einschlägigen avantgardistischen Literatenzirkeln pflegte er zahlreiche Freundschaften. Meidners frühe vorexpressionistischen Vorstadtlandschaften im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts stehen am Beginn des Themas der Großstadt. Diese wird von Meidner als metaphorischer Ort des stetigen Umbruchs und der Gefährdung des Menschen wahrgenommen. Meidners bedrohliche Großstadtszenerien leiten über zu den „Apokalyptischen Landschaften“, die mit visionärem Pathos das Grauen des Ersten Weltkrieges vorwegnehmen. Das großstädtische Lebensgefühl verdichtet sich in den Jahren um 1913 aber auch in den entstandenen Caféhaus- und Straßenszenen. Meidners enge Beziehungen zur literarischen Bohème findet ihren Ausdruck in zahlreichen Porträts seiner Freunde und Weggefährten. Die Ausstellung versammelt Bildnisse der expressionistischen Dichterfreunde Ernst Wilhelm Lotz, Max Herrmann-Neiße, Theodor Däubler, Arthur Holitscher, Johannes R. Becher, Franz Werfel und viele andere. Auch das Selbstbildnis, in dem sich Meidner immer wieder befragt und dem er sich intensiv widmete, ist in der Ausstellung mit eindrücklichen Bildbeispielen belegt. Die enorme Präsenz seiner Physiognomie, die innere Aufgewühltheit und Unruhe, die sich in dem Furor des virtuosen Strichs des Zeichners widerspiegelt sowie der eigenwillige Umgang mit Perspektive und Verkürzung lassen diese Werkgruppe besonders bedeutsam werden. Der Erste Weltkrieg markiert auch in Leben und Werk von Ludwig Meidner eine Zäsur. Künstlerischen Niederschlag findet dieser in einer Reihe von beeindruckenden Kriegsszenen, die 1914 das Mappenwerk „Der Krieg“ zur Folge haben.
Mitte der 20er-Jahre erfährt Meidners Werk einen grundlegenden Wandel vom Expressionismus zu einem neuen Naturalismus. Daran schließt Meidner eine verstärkte Hinwendung zu religiösen Motiven an. Das Judentum wird Meidner zur spirituellen Heimat, was Ausdruck in religiös motivierten Porträts und großartigen Prophetendarstellungen findet. Zur Ausstellung wird ein reich bebilderter Katalog mit mehreren wissenschaftlichen Beiträgen zum expressionistischen Werk Ludwig Meidners angeboten.

Museum Sankt Ingbert
Am Markt 7
66386 St. Ingbert

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St. Ingberter Anzeiger ·
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