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Zeitreise mit Hans-Werner Krick durch das alte St. Ingbert

Als die St. Ingberter noch Pfälzer waren und zum Königreich Bayern gehörten, da brummte in der Stadt das pralle Leben und der Konjunkturmotor schnurrte, dass es eine wahre Freude war. Nirgendwo Anzeichen einer ernsthaften Krise. Allerorten wurde gebaut, wurden neue Geschäfte, Bureaus, Werkstätten und Fabriken errichtet. Arbeitspersonal wurde immer gesucht und insbesondere in den großen Werken wurde gutes Geld verdient. Tag und Nacht surrten die Transmissionen, lärmten die Großmaschinen im Walzwerk. Die Schornsteine rauchten und machten St. Ingbert zum „schwarzen Eck der Pfalz“. Zum Schichtwechsel strebten hunderte von Arbeitern zum Bahnhof, nicht ohne sich zuvor in den nahe gelegenen Wirtschaften vor der Heimfahrt noch rasch den Staub und den Ruß aus der Kehle zu spülen. Dreierreihen vor der Theke, heute Wunschtraum eines Wirtes, gehörten zum täglichen Erscheinungsbild und nicht selten hatte am Zahltag in der einen oder anderen Familie „die Katz einen Ringel Lyoner um den Hals“ hängen.
Mit dem industriellen Aufschwung mauserte sich St. Ingbert zu einer weithin bekannten Adresse. Es entstanden nicht nur eine Vielzahl von Arbeitsplätzen, sondern auch eine Reihe neuer Wohnviertel, die die Stadt immer größer werden ließen. Parallel dazu entwickelte sich eine städtische Infrastruktur, wie man sie bislang in St. Ingbert nicht gekannt hatte. Ein Post- und Telegrafenamt wurde gebaut, ein Bezirksamt kam in die Stadt, neue Schulen, sogar ein Gymnasium. Die Bahnverbindungen wurden optimiert, ein neues Bahnhofsgebäude kam dazu. Ärzte ließen sich nieder, Apotheken und Krankenhäuser wurden eröffnet. Eine Vielzahl von Fach- und Lebensmittelgeschäften befriedigten die Konsumbedürfnisse der stetig weiter wachsenden Stadtbevölkerung. Eine Fahrt in die Nachbarstädte Saarbrücken oder Neunkirchen erübrigte sich. Zu Hause in St. Ingbert bekam man alles, was man brauchte. Was die Stadt nicht bieten konnte, das brachten die Bauern aus der Umgebung mit ihren Fuhrwerken, die zweimal in der Woche die Kaiserstraße in einen grünen Markt verwandelten, der alles bot, was die Hausfrauen brauchten, um „ihrer Bagage“ ein ordentliches Essen auf den Tisch zu stellen; vorausgesetzt die „Herrschaften“ kamen noch einigermaßen rechtzeitig und ansprechbar aus einer der vielen Wirtschaften nach Hause. Denn auch an Bier mangelte es nicht vor Ort. Neben einigen kleineren Hausbrauereien hatten die Becker-Brüder auf dem Hobels eine Großbrauerei gebaut, die das Bier sogar en detail und in Flaschen verkaufte. Vieles von alledem existiert heute nicht mehr, ist Vergangenheit, bestenfalls noch als
Erinnerung vorhanden.

Treffpunkt am 11. Mai ist um 16:30 Uhr am Becker-Turm im Innovationspark, wo die Führung mit einem Überblick aus luftiger Höhe beginnt.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017