Nachrichten

Dienstag, 12. Dezember 2017 · leicht bewölkt  leicht bewölkt bei 2 ℃ · Bilderbuchstunde in der StadtbüchereiKinder schmückten den Christbaum im Bürgerhaus211.939,52€ Bundesförderung für die Lebenshilfe Saar

Facebook Twitter Google+ Instagram RSS Feed

Kinowerkstatt – Programm vom 3. – 6. Juni 2011

9 Leben
Die Kinowerkstatt St. Ingbert zeigt am Freitag, den 3. Juni, um 21:45 Uhr, am Samstag, den 4. Juni, um 19 Uhr, sowie am Sonntag, den 5. Juni, um 20 Uhr den Film „9 Leben“ (Deutschland 2010) von Maria Speth mit und über Sunny, Toni, Krümel, JJ, Stöpsel, Soja, Za (FSK: ab 12 – Länge: 109 min.)
In der Bundesrepublik leben mindestens 9.000 Jugendliche vorübergehend oder dauerhaft auf der Straße. Es gibt Schätzungen, die von einer deutlich höheren Anzahl ausgehen. Die Jugendlichen kommen aus allen sozialen Schichten. Die durchschnittliche Dauer des Straßenlebens beträgt fünf Jahre, erreicht aber auch fünfzehn Jahre und mehr. Fast 2.000 dieser „Straßenkinder“ halten sich in Berlin auf. Nur ein Drittel von ihnen ist auch hier geboren. Der Rest kommt aus Kasachstan, dem Kosovo, Chemnitz, Thüringen oder einem anderen Teil der Welt.
Der Film porträtiert das Schicksal von einigen Jugendlichen: Sunny, Toni, Krümel, JJ, Stöpsel, Soja und Za. Menschen, von denen jeder einzelne mittlerweile auch schon neun Leben gelebt haben könnte. Die schon sehr früh – oft schon im Alter von 11, 12 oder 13 Jahren – entschieden haben, von zu Hause wegzugehen und für eine bestimmte Zeit oder dauerhaft auf der Straße zu leben.
Um den Fokus auf ihre Persönlichkeiten zu legen, erzählen sie vor neutralem Hintergrund im Studio von ihren Leben. Einige haben ihre Musikinstrumente mitgebracht und spielen spontan, andere zeigen Fotos oder andere künstlerische Arbeiten. So entstehen filmische Porträts wie in einer Ausstellung, einem Kunstraum. Die Vorurteile und Klischeevorstellungen über „Penner“ und „Punks“ lösen sich auf. Die Jugendlichen werden in ihrer bewundernswerten Einmaligkeit erkennbar. Und sie werden zu Stars – zu Recht.

————————————————————-

Verlängert: „Almanya – willkommen in Deutschland“
Erfolgreich und unterhaltsam läuft derzeit im Kino eine Komödie, die sich humorvoll mit dem Thema Integration beschäftigt: „Almanya – willkommen in Deutschland“ (Deutschland 2010) von Yasemin Samdereli (Drehbuch: Yasemin und Nesrin Samdereli) mit Vedat Erincin, Fahri Yardim, Lilay Huser, Demet Gül, Rafael Koussouris, Aylin Tezel, Denis Moschitto, Petra Schmidt-Schaller (Prädikat: besonders wertvoll – FSK: ab 6 – Länge: 97 min.) Der Film, der vom 1-Million-und-ersten Gastarbeiter Hüseyin und seiner Familie handelt, die sich im fremden Deutschland zurecht finden müssen, läuft auch an diesem Wochenende in der Kinowerkstatt St. Ingbert, am Freitag, den 3. Juni, um 19:00 am Samstag, den 4. Juni, um 21 Uhr, sowie am Montag, den 6. Juni, um 18 Uhr.
„Almanya – willkommen in Deutschland“ erzählt mit viel Humor und Einfühlungsvermögen die Geschichte von Hüseyin Yilmaz und seiner Familie, die Mitte der 60er Jahre ihre Heimat Türkei verlassen, um als Gastarbeiter das deutsche Wirtschaftswunder zu unterstützen. Der sehr persönliche Film der Samdereli-Schwestern beruht zum Teil auf eigenen Erlebnissen, die den Zuschauer auf unterhaltsame Weise teilhaben lassen an einer Welt zwischen Orient und Okzident, an einer großen kultur- und generationenübergreifenden Familiengeschichte. Freigegeben ab 6 Jahren.

——————————————————————–

Sidney Lumet-Reihe: „Tödliche Entscheidung“

Die Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49, zeigt am Montag, den 6. Juni, um 20 Uhr „Tödliche Entscheidung“ (USA 2007 – Originaltitel: Before the Devil Knows You’re Dead) von Sidney Lumet mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Rosemary Harris, Michael Shannon, Amy Ryan (FSK: ab 16 – Länge: 117 min.)
Wie bereits gewohnt wird Oliver Klein die Vorstellung mit einer kurzen Rezitation aus Lumets Buch „Making Movies“ einleiten.
83 -Jahre alt war Sidney Lumet bereits, als er „Tödliche Entscheidung“ gedreht hat, doch jene besten Eigenschaften, die ihn zu einem der großen Meister des US-amerikanischen Erzählkinos werden ließen, haben ihn keinesfalls im Stich gelassen. Wie eh und je vermögen seine sorgsamen Charakterzeichnungen, dieses unendlich feine Gespür für Zwischentöne und Lumets begnadete Schauspielerführung von der ersten Minute an zu fesseln. Es sind jene Attribute, die bereits Klassiker von „Die zwölf Geschworenen“ über „Ein Haufen toller Hunde“ bis zu „Network“ und „Hundstage“ auf eindrucksvolle Weise ausgezeichnet haben. Doch Sidney Lumet ist nicht nur seiner handwerklichen Meisterschaft treu geblieben, gerade auch seine Lust an der Reflexion über Idealismus und Moral sowie sein Interesse an Figuren, die dem Anpassungsdruck der Gesellschaft nicht mehr standzuhalten vermögen, finden in „Tödliche Entscheidung“ neuen Ausdruck – vielleicht sogar stärker denn je
Der Thriller folgt den Gesetzen der griechischen Tragödie: Es ist ein Verliererepos mit radikalem Ausmass. Alles fängt damit an, dass Andy Hanson (Philip Seymour Hoffmann) und sein jüngerer Bruder Hank (Ethan Hawke) planen, das elterliche Juweliergeschäft mit einem totsicheren Plan zu überfallen, weil beide Geld brauchen.
Leider vermasselt der Jüngere mit viel Dummheit diesen Coup, der Raubüberfall geht schief, die Mutter der beiden wird schwer verletzt.
Damit tritt auch der Vater, ein überlebensgrosser Patriarch (Albert Finney) in Erscheinung und mit ihm wird das Auseinanderbrecher dieser Familie eingeleitet…
Sidney Lumet ist mit „Tödliche Entscheidung“, diesem unanständig gewöhnlichen deutschen Verleihtitel (Im Original „Before the Devil knows you’re dead“), ein grandioser Endzeitthriller gelungen. Nur ist hier die Menschheit nicht durch Atombomben oder Naturkatastrophen bedroht, sondern viel schlimmer: durch sich selbst. Tödliche Entscheidung wirkt damit wie das düstere Vermächtnis Sidney Lumets, eines der letzten großen Kinomoralisten unserer Zeit. Es war sein letzter Film, er starb am 2. April 2011 mit 86 Jahren in New York City.

„May you be in heaven half an hour, before the devil knows you’re dead.“ (Alter irischer Trinkspruch)

Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben

Zu diesem Artikel können keine Kommentare mehr abgegeben werden.

St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017