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BDB-Studentenförderpreis

Prämiert wurden Studienarbeiten, die für die Entwicklung des Bauens unserer Zeit beispielhafte Gebäude, Ingenieurbauwerke und Konstruktionen zum Thema hatten. Für die Preise wird vom BDB ein Gesamtbetrag von 5.200 EUR zur Verfügung gestellt.

Frank Lindner und Elias Fuchs erhielten den Förderpreis für Ihre Arbeit „Ein Haus heute“.

Urteil der Jury:
Die Preisträger erlauben sich, das Thema Nachhaltigkeit durch einen provokant wirkenden Titel einzuleiten. Sie beleuchten ein Feld, in welchem in der Regel die Lösung im Hightech, sei es in der Materialwahl der Gebäude oder auch in der Ausstattung der technischen Anlagen, gesehen wird.

Ihre Antwort lässt erkennen, dass sie sehr tief in die Thematik eingedrungen sind, um einen anderen Weg zu gehen. Klar erkennbar präsentieren sie einen Entwurf, der konstruktiv bis ins Detail durchdacht ist. Der Baukörper des Wohnhauses besteht aus Stampflehm, einem traditionellen Baustoff, der sich durch den äußerst geringen Primärenergieinhalt und seine Recyclierbarkeit sowie seine positive Wirkung auf den Feuchtehaushalt der Innenräume (positives Raumklima) auszeichnet. Elegant wird das Thema der Speichermassen durch die Innendämmung, ebenfalls in einer zeitgemäßen Lehmtechnik, gelöst.

Den Preisträgern ist es gelungen, eine durchdachte, ansprechende Architektur zu entwickeln, die mit ihrem speziellen low-tec-Prinzip die Diskussion bereichert, ob sich zukünftiges Bauen nur in Richtung des „klassischen“ Passivhauses bewegen kann.
Für seine Arbeit „Dynamic City“ erhielt Jens Lehmann den Förderpreis.

Urteil der Jury:
Was diesen Entwurf so besonders macht sind gleich mehrere Aspekte. Es wird versucht, sehr analytische Ansätze mit denen des parametrischen Entwerfens zu verbinden. Dabei wird die Stadt bzw. ein städtebauliches Quartier als Vision definiert, die nicht nur optimierte städtebauliche Qualitäten aufweist, sondern mit verschiedenen Parametern Einfluss nimmt auf Stadtstrukturen, Gebäudeblöcke, Funktionsbereiche und Gebäudeformen. Sehr intensiv und mit hoher Detailtiefe für städtebauliche Qualitäten zeigt der Entwurf, wie sich mit parametrischem Planen unterschiedliche städtebauliche Varianten und Möglichkeiten verschiedener Nutzungsabhängigkeiten und Funktionsstrukturen verändern und optimieren lassen.
Die Berechnungen waren Basis für die Planung von optimierten Gebäudeabständen, Straßenbreiten und Funktionszuordnungen.
Eine gleich hohe Bedeutung hat bei diesem Entwurf die Untersuchung von Nachhaltigkeitsaspekten. Auch hier wurden unterschiedliche Parameter eingesetzt, untersucht und optimiert. Das betrifft zum Beispiel die Verschattung von Gebäuden, Plätzen und Straßen, die Berücksichtigung von energieeffizienten Maßnahmen und reicht bis zu dem Einsatz regenerativer Energien mit dem Ziel, ein Stadtquartier energieautark betreiben zu können.
Die Jury überzeugt bei dieser Arbeit der Umgang mit modernen Planungsmethoden einerseits und die Intensivität andererseits, mit der die Entwurfsverfasser komplexe städtebauliche Ansprüche mit denen der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz definiert und optimiert und zeichnet diese Arbeit mit einem Preis aus.

Ebenfalls erhielt den Förderpreis Jens Johannisson für seine Arbeit „Von der Kraft des Wassers…“.

Urteil der Jury:
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Sichtbarmachung der Wasserkraft. Dem Verfasser gelingt dabei eine beispielhafte Symbiose von Ingenieurbauwerk und landschaftlicher Inszenierung für das vom Davoser See gespeiste Kraftwerk in der Chlus im Prättigau.

Die ursprünglich unter der Erde verborgenen, vier Druckrohre werden freigelegt und in einem präzise proportionierten, tiefer gelegten Feld präsentiert. Die Stützwände aus Beton lassen zunächst an ein trockengelegtes Wasserbecken denken. Stattdessen entpuppt sich dieses sich als eine Art Ausgrabungsort, in dem neben den Druckrohren auch die Turbinenstempel und die dazugehörigen Wasserbecken freigelegt sind. Für Besucher wie Mitarbeiter stellt die Ebene des Ausgrabungsfeldes interessanterweise gleichzeitig eine gemeinsame Erschließungszone dar. Die Büros der Mitarbeiter befinden sich seitlich hinter einer der Betonwände, die an dieser Stelle durch eine raumhohe Verglasung unterbrochen ist. Die Besucher können sich außen zwischen den Druckrohren und Wasserbecken frei bewegen.

Das geometrisch präzise Freilegen erinnert an Strategien der Land-Art, die hier ergänzt werden durch die mit lokalen Holzschindeln verkleidete Maschinenhalle. Behutsam in die Landschaft eingefügt und quer über dem Ausgrabungsfeld liegend beherbergt die Halle Generatoren und Transformatoren. Sie ist im Gegensatz zu üblicherweise für Besucher inszenierten Maschinenhallen nur Mitarbeitern zugänglich und kann nur über die an den Turbinenstempeln nach oben führenden Treppen betreten werden. Durch ihre abstrahierte, aber in Kubatur und Material vertraute Bauweise, lässt sich aus der Entfernung nicht ahnen, welches Schauspiel unter Ihr zu entdecken ist. So gelingt ein Paradox. Nicht die Umwandlung der Wasserkraft in Energie sondern die Wasserkraft selbst wird beim Annähern dramatisch sichtbar gemacht.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017