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FWG: Baumwollspinnerei: OB und Parteien werfen Geld zum Fenster hinaus

Vier Millionen Euro will man seitens der Stadt für den Umzug des Weisgerber-Museums in den Standort Alte Baumwollspinnerei am St. Ingberter Südring investieren. Laut Oberbürgermeister Jung sollen drei Viertel der Summe von EU, Bund und Land getragen werden. Die Stadt muss für den Umzug mindestens eine Million Euro aus eigenen Mitteln locker machen.

Oberbürgermeister Georg Jung gab nun gegenüber der Saarbrücker Zeitung bekannt, sicher zu sein, mit dem Umzug des Weisgerber-Museums in die Baumwollspinnerei einen ‚Publikumsmagneten‘ zu schaffen.
Dies ist eine Einschätzung, die der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im St. Ingberter Stadtrat, Christian Haag, so nicht teilt. ‚Wenn die Baumwollspinnerei ein Publikumsmagnet wird, so liegt dies mit Sicherheit nicht an der Ansiedlung des Weisgerber-Museums in diesen Räumen.‘ Denn die Besucherzahlen im Museum sind dermaßen gering, dass eine Belebung alleine durch den Umzug nicht zu stemmen ist. ‚Ich habe vielmehr den Eindruck, dass hier ein etwas unkonventioneller Weg gesucht wurde, um Steuergelder als Anschubfinanzierung in das Privathaus Baumwollspinnerei zu pumpen.‘, vermutet Christian Haag einen anderen Hintergrund.

Und genau diese Vorgehensweise ist es, die bei den Freien Wählern für Unmut sorgt. ‚Der Oberbürgermeister macht hier eine Milchmädchenrechnung auf, indem er den Bürgern weismachen will, der Umzug koste den Steuerzahler nur eine Million.‘, so Fraktionschef Haag. ‚Auch die vom Land als Zuschuss versprochenen drei Millionen Euro stammen aus Steuergeldern, die der Bürger letzten Endes zahlen muss.‘

Der Umzug des Museums alleine lässt kaum auf Veränderungen bei den Besucherzahlen der Weisgerber-Sammlung hoffen. Insofern ist es für Christian Haag und die Freien Wähler nicht nachvollziehbar, wie dieser Umzug zu einer von den Befürwortern ins Feld geführten Vitalisierung der Innenstadt führen soll. Das Spinnereigebäude liegt objektiv gesehen nicht einmal in einem innenstadtrelevanten Bereich. ‚Würde man auch nur einen Bruchteil des Geldes direkt in der Innenstadt investieren, könnte man wesentlich effektiver Erfolge erzielen.‘, schätzt Haag die Lage ein. Hierbei denkt er beispielsweise an die Verbesserung der katastrophalen Verkehrsführungen sowohl für Autofahrer als für Fußgänger, aber auch an den Verzicht auf Parkgebühren in der Innenstadt.

Um den Museumsstandort Baumwollspinnerei attraktiv zu machen und überhaupt Investitionen in das Weisgerber-Museum zu rechtfertigen, müsse zunächst ein grundsätzliches Konzept her, welches die Struktur des Museums neu ordnet und damit attraktiver gestaltet. ‚Ein Museum wird durch sein Konzept interessant nicht durch sein Gemäuer.‘, stellt Christian Haag seine Position klar. ‚Die Politiker, die hier über Kunst und Kultur reden, haben von der Materie offensichtlich überhaupt keine Ahnung.‘ Nach Haags Meinung müssen im Gegensatz zum bisherigen Konzept auch regelmäßig Ausstellungen namhafter Künstler vom Grade eines Klee oder Kandinski in die Mittelstadt geholt werden, um einen Magneten aus dem neuen Standort zu machen. Allerdings würden solche Ausstellungen weitere Kosten verursachen, deren Finanzierbarkeit nicht gegeben ist.
Auch stellt man sich bei der FWG die Frage, wie die Unterhaltungskosten für das Weisgerber-Museum zukünftig aufgebracht werden sollen. Schließlich bedeutet ein Erwerb von Teileigentum am denkmalgeschützten Gebäude auch, zukünftig in Infrastruktur- und Substanzerhaltungsmaßnahmen Geld stecken zu müssen. Ein Kostenrisiko, das nur schwer überschaubar ist und in Zeiten knapper Kassen nicht eingegangen werden darf.

Eine weitere Frage, die aus Sicht der Freien Wähler in der bisherigen Diskussion vollkommen außer Acht blieb, ist die Meinung des Bürgers. ‚Ich habe bisher kaum jemanden angetroffen, der die Idee, an dieser Stelle ein Museum zu errichten, wirklich gut fand.‘, berichtet Haag seine Beobachtungen. ‚Spätestens wenn der Preis für das Ganze bekannt wurde, waren auch die wenigen Befürworter nicht mehr begeistert.‘

Die Freien Wähler sehen sich deshalb einer Millionenverschwendung gegenüber, von der sie sich aufs äußerste distanzieren. ‚Mit diesem Geld könnte man die Stadt wirklich voranbringen.‘, bedauert Fraktionschef Haag die aktuelle Entwicklung. ‚Stattdessen werfen Oberbürgermeister und Parteien des Bürgers Geld zum Fenster der Baumwollspinnerei hinaus und gefährden somit weiter die finanzielle Zukunft unserer Stadt.‘

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