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Ministerpräsident Peter Müller verleiht Saarländischen Verdienstorden an herausragende Künstlerpersönlichkeit Maxim Vengerov: Musikalischer Botschafter des Landes

In seiner Ansprache würdigt der saarländische Ministerpräsident die virtuosen Fähigkeiten des Ausgezeichneten in seinem Fach sowie insbesondere sein großes Engagement für die Hochschule für Musik Saar und damit für die saarländische Musikszene. Seit Oktober 2000 ist Maxim Vengerov Professor für Violine an der Hochschule für Musik in Saarbrücken. Hier engagiert er sich für die Interessen der Jugend und leitet Meisterkurse mit jungen Musikern. Neben seiner Lehrtätigkeit gibt er auch Konzerte im Saarland, bei denen er auf die eigene Gage verzichtet und die Erlöse der Hochschule für Musik zugute kommen. Damit, so Ministerpräsident Peter Müller, schenkt er der Musikhochschule und dem saarländischen Publikum musikalische Darbietungen auf Weltniveau und ist gleichzeitig großzügiger Gönner. Auch als künftiger Honorarprofessor der Hochschule will Vengerov seine Konzertauftritte im Saarland fortsetzen. Damit ist Maxim Vengerovs Ansehen in der Welt der Musik untrennbar mit dem Saarland
und der Hochschule für Musik Saar verbunden. Dieses großartige persönliche Engagement für das Saarland und seine Menschen verdient uneingeschränkt die Auszeichnung mit dem Saarländischen Verdienstorden, so Ministerpräsident Müller abschließend.

Maxim Vengerov, geboren 1974, zählt zu den faszinierendsten Geigern der Welt. Seit er mit viereinhalb Jahren als Wunderkind mit dem Violinspiel begann, hat er sich zu einem selbstsicheren Virtuosen entwickelt. Sein erstes Konzert gab er im Alter von fünf Jahren in seiner Heimatstadt Novosibirsk (Sibirien), dann studierte er bei Galina Tourchaninova und Professor Zakhar Bron und erhielt als Zehnjähriger im polnischen Junior-Wieniawski-Wettbewerb den Ersten Preis.

1990, mit fünfzehn Jahren, wurden ihm beim internationalen Carl Flesch-Violinwettbewerb höchste Ehrungen zuteil, die seinen Ruf als Violinvirtuose bestätigten. 1994 war er „Junger Künstler des Jahres“ und „Ritmo-Künstler des Jahres“ der Zeitschrift Grammophone. Im Jahre 1996 folgten zwei Grammy-Nominierungen für das „Klassikalbum des Jahres“ und als „Bester Instrumentalsolist mit Orchester“ für seine Einspielung der Violinkonzerte Nr. 1 von Schostakowitsch und Prokofieff. Dieses Album wurde bei Grammophone „Schallplatte des Jahres“. Maxim Vengerov erhielt 1997 für seine Aufnahme der Violinkonzerte Nr. 2 von Schostakowitsch und Prokofieff den Edison-Preis in der Kategorie „Beste Konzerteinspielung“.

Eine weitere wichtige Etappe in seinem Leben begann 1997, als er im Alter von dreiundzwanzig Jahren von der UNICEF zum Botschafter der Musik ernannt wurde. Er spielt für Kinder in Uganda, die entführt und als Soldaten missbraucht werden, für benachteiligte Kinder in Harlem, drogenabhängige Kinder in Thailand und Kinder auf beiden Seiten der ethnischen Spaltung im Kosovo, und das gibt ihm Gelegenheit, bei jungen Leuten in aller Welt Zuspruch zu finden und viele Menschen für eine finanzielle Unterstützung der UNICEF-Programme zu begeistern. Er sagt: „Mir ist klar geworden, welche Wunder man bei Kindern mit der Musik vollbringen kann; sie ist eine universelle Sprache, die jeder versteht. Sie verbindet die Herzen“. Für seine persönliche Integrität und bemerkenswerte musikalische Vision ist kennzeichnend, dass er den Drang verspürt, auf diese Weise – und nicht nur vom Konzertpodium aus – seine Botschaft zu vermitteln.

Maxim Vengerov tritt regelmäßig mit allen großen Orchestern und den bekanntesten Dirigenten auf. Ein Höhepunkt der Saison 1999/2000 war eine Tournee mit dem English Chamber Orchestra, auf der er als Solist zu hören war und zum ersten Mal dirigiert hat. Er sagte vor kurzem: „Das Dirigieren bietet mir einen größeren Überblick über die Musik und es hat mein Violinspiel beeinflusst.“ Zur Zeit studiert er Dirigieren in der Klasse von Vag Papain, der selbst Schüler des legendären Professor Musin war.

Weitere Höhepunkte der Saison waren eine Duo-Recital-Tournee mit Trevor Pinnock auf der Barockvioline sowie eine eindrucksvolle Solo-Recital-Tournee, auf der Maxim Vengerov eine Bach-Sonate, Schtschedrins Echo-Sonate und vier Sonaten von Ysaye gespielt und im selben Konzert seine Stradivari und die Barockvioline benutzt hat. Die Konzerte wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen und erhielten begeisterte Kritiken in ganz Europa – nach Meinung des Independent (GB) hat dieser Konzertabend den Beweis erbracht, dass Maxim Vengerov „sein eigener Maßstab“ ist. Ein weiteres wichtiges Datum der Saison war ein Sonderkonzert mit Rostropowitsch in Tokio zum 65. Geburtstag von Seiji Ozawa.

Maxim Vengerov hat die Saison 2000/01 mit dem San Francisco Symphony und Michael Tilson Thomas eröffnet. Danach folgte eine ausgedehnte Tournee mit Konzerten und Recitals durch Australien, Korea, Japan und Macao gemeinsam mit Vag Papain. Das Programm für die Saison beinhaltete außerdem Recital-Tourneen durch Europa und die USA, Konzerte mit Claudio Abbado und den Berliner Philharmonikern bei den Salzburger Osterfestspielen sowie eine Europa-Tournee mit seinem Ensemble Virtuosi, für das der Jazzgeiger Didier Lockwood ein Konzert geschrieben hat. Die Uraufführung fand am 29. Juni 2001 in der Royal Festival Hall in London statt.

Im Juni 2001 erschien bei EMI Classics das erste gemeinsame Album von Maxim Vengerov und seinem Ensemble Virtuosi, einer 1993 in Israel gegründeten Formation aus elf zumeist russischen Streichervirtuosen. Die Einspielung ist ein Konzert-Mitschnitt aus dem Wiener Musikverein vom April 2001 und ist beliebten Encore-Stücken gewidmet, so u. a. Massenets Méditation, Paganinis Perpetuum Mobile, Schuberts Ave Maria, Dvoráks Humoreske und Rachmaninows Vocalise. Diese CD fand sofort Eingang in die deutschen Klassik-Charts.

Im Oktober 2002 legte Maxim Vengerov sein erstes Solo-Album bei EMI Classics vor, das den weltweit gefeierten russischen Virtuosen und Musiker ersten Ranges in einer weiteren Facette seiner Kunst zeigt: Maxim Vengerov widmet sich erstmals dem großen Johann Sebastian Bach bzw. Bach-inspirierten Stücken, so u. a. einer Bearbeitung der berühmten Toccata & Fuge d-moll für Orgel, die nach Meinung renommierter Musikwissenschaftler von Bach ursprünglich als Sonate für Violine solo komponiert war.

Von Bachs Sonaten und Partituren für Violine solo sind vier Solosonaten des belgischen Geigenvirtuosen der Jahrhundertwende Eugène Ysaye inspiriert, und Rodion Schtschderin schrieb seine aberwitzig schwere Echo-Sonate 1985 zu Bachs 300. Geburtstag – alles Werke, die zum anspruchsvollsten der virtuosen Violinliteratur überhaupt gehören. Eine ausgedehnte Solorecital-Tournee führte Maxim Vengerov nach Vorstellung seines neuen Albums in europäische Musikzentren wie u. a. Paris, London, Berlin, Köln und Brüssel, später dann durch Nordamerika, u. a. nach New York, Chicago, Washington, Vancouver und San Francisco. In Saarbrücken war dieses legendäre Programm am 19. Oktober 2002 zu erleben.

Maxim Vengerovs bisher zweites Album mit konzertantem Repertoire ist dem Violinkonzert von Benjamin Britten sowie dem Violakonzert von William Walton gewidmet und entstand wie schon seine Debüt-CD bei EMI Classics in Zusammenarbeit mit seinem Landsmann, dem großen Cellisten und Dirigenten Mstislaw Rostropowitsch, mit dem ihn eine langjährige und enge Künstlerfreundschaft verbindet. Im März 2002 nahm Maxim Vengerov zum ersten Mal eine Bratsche in die Hand und folgte somit dem Vorbild legendärer Geiger, die beide Instrumente beherrschten. Die Begegnung mit dem neuen Instrument, eine der neun großen Stradivari-Bratschen, wurde, wie Maxim Vengerov selbst sagte, „zur Liebesaffäre“.

Anfang September 2003 erschien Maxim Vengerovs aktuelle CD, diesmal mit ausgesprochen populärem Repertoire: der Symphonie espagnole von Lalo, dem Violinkonzert Nr. 3 von Saint-Saens und der Konzert-Rhapsodie Tzigane von Ravel, die er bereits mit sieben und acht Jahren spielte und mit denen ihn eine tiefe persönliche Beziehung verbindet.

In einer großen Gala-Veranstaltung am 26. Oktober 2003 im Dortmunder Konzerthaus wurde Maxim Vengerov mit einem ECHO Klassik 2003 als „Instrumentalist des Jahres“ in der Kategorie „Violine“ geehrt, und zwar für sein Solo-Recital mit Werken von Bach, Schtschedrin und Ysaye. Bei den Grammy-Awards 2004 in Los Angeles ist Maxim Vengerov als bester Instrumentalsolist in einer Orchesterproduktion ausgezeichnet worden. Er erhielt den Grammy für die Einspielung des Violinkonzertes von Benjamin Britten und des Violinkonzertes von William Walton mit dem London Symphony Orchestra unter Mstislaw Rostropowitsch.

Die Ordensverleihung erfolgt im Rahmen des Konzertes anlässlich des 250-jährigen Jubiläums von W.A. Mozart. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr in der Congresshalle. In der Pause überreicht Ministerpräsident Peter Müller dem Ordensträger die Auszeichnung.

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