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„Borat“ in der Kinowerkstatt

Ein Reporter des kasachischen Fernsehens – natürlich Sacha Baron Cohen – reist durch die USA, um Land und Leute kennen zu lernen. Durch sein eigentümliches, politisch ausgesprochen unkorrektes Verhalten verstört und provoziert er die Amerikaner. Hier stellvertretend die verschiedenen Stimmen für das geniale Werk:

Laut Ulrich Kriest vom Filmdienst hält sich Borat „weitgehend ans Fernsehformat – und überschreitet genau deshalb fast unablässig sämtliche Schmerzgrenzen konventioneller Comedy“. Der Film entlarvte „rassistische, intolerante, antisemitische oder frauenfeindliche Vorurteile, indem er die Grenzen der Kommunikation und Contenance auslotet“ und zeichnet eine „dokumentarische Momentaufnahme der amerikanischen Psyche zwischen Bigotterie, christlichem Fundamentalismus, Dummheit, Sendungsbewusstsein und einer puritanischen Körperfeindlichkeit“. Konsequent arbeite dieses „irre Roadmovie“ an der „Schwelle zwischen Fiktion und Dokumentation“, was zu einer „neuen Form der Doku-Comedy“ führe.
Hanns-Georg Rodek von der Welt fällt rhetorisch auf die Knie: „Danke, Borat, danke Sacha Baron Cohen, der dich schuf. Dank für die Befreiung vom Joch der political correctness, kurz pc“. Die „Genialität“ der Methode Borat funktioniere so: „Wer immer mit ihm über seine Opfer lacht, findet sich postwendend mit den eigenen verdrängten Vorurteilen konfrontiert – ein über Subtilität verfügendes Publikum vorausgesetzt, das in der dritten Person zu lachen versteht.“

Arno Frank von der taz porträtiert Sacha Baron Cohen und schreibt: „Selten dürfte jemand so unfassbar witzig gewesen sein, dem sein Anliegen so bitterernst ist. Nur die Kasachen haben das nicht verstanden“.

Kai Mihm (epd Film) hat eine „urkomische Doku-Comedy“ gesehen: „Was Borat so clever und bei allem Witz manchmal so erschreckend macht, ist die Leichtigkeit, mit der manche seiner Gesprächspartner ihren Ressentiments freien Lauf lassen, sobald sie glauben, in ihm einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. Im selben Atemzug übersteigert Cohen Borats eigene, mitunter höchst widersprüchlichen Vorurteile so sehr, bis man sie nur noch als Groteske wahrnehmen und mit befreiendem Gelächter reagieren kann.“ Mihm rät dringend, sich die untertitelte Originalfassung anzuschauen: „Denn wenn man Borat nicht in seinem radebrechenden Englisch hören kann, das einen Großteil seines Humors ausmacht, sollte man es am besten gleich ganz lassen.“
So läuft der denn auch in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

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St. Ingberter Anzeiger ·
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