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Prinzessinnenbad“ in der Kinowerkstatt

Sie sind beste Freundinnen und haben vor allem eines im Kopf: Jungs. Am liebsten türkische, wie die 15-jährige Klara immer wieder betont. Junge Türken kennen zu lernen ist gar kein Problem, denn gemeinsam mit Mina und Tanutscha wächst sie in Berlin-Kreuzberg auf. Rund um das Kottbusser Tor ziehen die gleichaltrigen Mädchen ihre Kreise – hängen im Görlitzer Park ab, schlendern auf der Oranienstraße herum und verbringen im Sommer einen Großteil ihrer Freizeit im Prinzenbad, dem großem Kreuzberger Freibad. Treffpunkt Liegewiese – mal gucken, was geht.

Regisseurin Bettina Blümner begleitet in ihrem Dokumentarfilm „Prinzessinnenbad“ die drei Girls bei ihren Revierabenteuern. Sie beobachtet sie – scheinbar unbemerkt – auf Partys, rauchend, trinkend, knutschend, ohne indiskret zu werden. Und sie bringt die drei zum Reden: Alle kommen aus mehr oder weniger kaputten Familien und wachsen bei der Mutter auf. Klara ist am krassesten drauf, hatte schon über 20 Freunde, nimmt sicherheitshalber wieder die Pille und ist noch nie regelmäßig zur Schule gegangen. „Jetzt geht sie in die Schwänzer-Schule“, erklärt ihre Freundin Tanutscha und meint damit ein Projekt für Schulverweigerer. Mit ihrer Mutter hat Klara eine einzige Abmachung: „Kein Heroin und nicht schwanger werden“, sagt die Mutter. „Das klappt doch ganz gut.“ Sonst habe Klara aber alle Freiheiten – die sie auch ausgiebig nutzt.

Ziemlich schnell wird klar, dass die Mädchen den Halt, den sie in ihren Familien nicht mehr haben, bei ihren Freundinnen finden.
Vermutlich wird es einigen Zuschauern zu heftig, vielleicht gar gestellt erscheinen, wie die drei sich geben, wie sie über Sex reden, fluchen, Jungs anmachen, rauchen, dass es nur so dampft. Doch der Film zeigt sehr authentisch den Alltag von Kreuzberger Jugendlichen – zwischen Lebenslust und Perspektivlosigkeit, zwischen Ausgelassensein und Kummer. Lisis Female-Rap, Afrob, She-Raw und einige andere Berliner Artists begleiten die Freundinnen durch Kreuzberg. Diese Musik mit ihren treibenden Beats, die aber durchaus auch mal sehr melancholisch sein kann, trifft das Lebensgefühl der Mädchen, verleiht dem Film eine zusätzliche Ebene.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017