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Kinowerkstatt – Programm vom 30. August – 3. September

Als Geheimtip galt „Sketches of Frank Gehry“ bei den Filmfestspielen von Cannes, als er vor einem Jahr dort lief und ist es immer noch. Jetzt ist „Sketches of Frank Gehry“ (USA 2005. Regie, Buch, Kamera: Sydney Pollack, 83 Min.) in der Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49, zu sehen, am Donnerstag, den 30. August, um 20 Uhr, am Samstag, den 1. September, um 21 Uhr, sowie am Sonntag und Montag, jeweils um 20 Uhr.

Der in Kanada geborene US-Architekt Frank Gehry gilt als einer der führenden Vertreter des sogenannten „Dekonstruktivismus“ und als einer der unkonventionellsten Architekten der Gegenwart. Regisseur und Freund Sydney Pollack begleitete ihn mit einer Kamera und filmte den Künstler bei der Arbeit. Persönlichkeiten wie der US-Schauspieler Dennis Hopper, der Musiker Bob Geldof und der ehemalige Disney-Chef Michael Eisner tragen durch ihre Äußerungen außerdem zu einem besseren Verständnis von Gehrys Werken bei.
Einkaufszentren, Wohnsiedlungen, Parks, Museen, Banken und Restaurants. Die Geometrie ist in Unordnung, das Material so vielfältig wie jede Wand schief: Titanium, Glas, Beton, Stahl, Holz, Stein, bisweilen alles zusammen. So bauen Dreijährige Häuser – mit einem Unterschied: Bei Gehry stimmt die Statik und die Funktionalität auch. Zu seiner wohl berühmtesten Schöpfung gehört das Guggenheim Museum im spanischen Bilbao, dieses kubistische Schneckenhaus am Fluß Nervion, das sich wie eine abstrakte Skulptur über die Dächer der Stadt erhebt, die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und der Neue Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen. Wo endet die Kunst, wo beginnt die Architektur? Gehry verwischt selbstbewußt die Grenzen und sucht die Perfektion im Unfertigen.

Die beiden Herren Gehry und Pollack plaudern sich durch einen faszinierenden Werdegang. An dessen Ende steht ein Mann, der Häuser nur noch entwirft, indem er Papier zusammenknüllt. Wie das zu bauen ist, bleibt Sache der Assistenten.
Die Vision beginnt im Mülleimer. Er findet ein zerknülltes Blatt Papier, hält es gegen das Licht, zerknetet es in seinen Händen, bis aus einem zerknüllten Blatt ein zerknüllteres Blatt wird, überprüft den Grad der Deformierung, ist noch unzufrieden, zieht hier eine Spitze heraus, dort einen Knick gerade, überprüft seine Arbeit ein zweites Mal – und strahlt. Aus dieser surrealen Skulptur könnte eines Tages ein Haus werden. Kein Hirngespinst, sondern pure Haptik. Die Baudetails für den Baumeister liefert später der Computer – Hightech und Holzspielzeug liegen nur selten so nah beieinander.

Wenn Gehry meint, seine Baukunst könne nicht mit der Malerei verglichen werden, widerspricht ihm sein Freund mit einem Zusammenschnitt der schönsten Häuser, die von Sonnenlicht bespielt werden.

Der Film hebt nicht an zum Diskurs, er ist nur eine skizzenhafte Hommage. Ein bisschen an die Person, ein bisschen an das Werk. Der Vorwurf der Effekthascherei wird kurz eingeblendet und mit einem tollen Totschlag-Argument entwertet. Gehry kritisieren? Das ist, als würde man „Apocalypse now“ der Übertreibung bezichtigen.

Eintritt: 4.- Euro/2.50 Euro f. Schüler und Studenten
Telefon: 06894 36821

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017