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Montag, 21. August 2017 · wolkig  wolkig bei 17 ℃ · Pflegemedaille 2017 – Jetzt bewerbenPhilosophie im Kino: The Girl KingDorffest mit Kirmes

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Kinowerkstatt – Programm v. 12. – 15. Okt.

Die Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49, zeigt zum 100. Geburtstag des französischen Filmregisseurs am Wochenende drei seiner Filme: Am Freitag, den 12. Oktober, um 19 Uhr läuft sein wohl bekanntester Film „Die Ferien des M. Hulot“, der 1952 von Publikum und Kritik mit Begeisterung aufgenommen wurde. Die Abenteuer des Urlaubers Hulot in einer kleinen Badestadt am Atlantik, wo er den alltäglichen Mißgeschicken und Mißverständnissen seiner Umwelt ausgesetzt wird, ist eine zärtlich-erfreuliche Typen-Komödie, die sich gegen jede filmische Einordnung nicht nur im französischen Kino sperrt.

Um 21.45 Uhr läuft „Mon Oncle“ (1958, Frankreich/Italien, 109 Min, mit Yvonne Arnaud, Alain Bécourt, Lucien Fréqis, Betty Schneider, Jean-Pierre Zola, Adrienne Servantie und Jacques Tati. 1958 gedreht, vertritt er ein Jahr später Frankreich beim Festival de Cannes. Mit augenzwinkernder Ironie erzählt die Satire, wie man dem kalten Komfort des materialistischen Lebens mit zärtlichem Humor und schmunzelnder Lebensweisheit begegnen kann. Monsieur Hulot, der lebensklug-weltfremde Held, nimmt sich in der Stadt seines kleinen Neffen an, dessen Eltern Hulots perfekte Antithese sind: reiche, modernistische Snobs, Roboter des technisierten Zeitalters.

Am Samstag, den 13. Oktober, um 21 Uhr läuft „Tati’s Schützenfest“ (Jour de fête, 1949, Frankreich, 79 Min.) mit Guy Decomble, Maine Vallé, Santa Relli, Paul Frankeur, die Einwohner von Saint-Sévère und Jacques Tati. Ein staksiger Dorfbriefträger wird durch Filmberichte dazu verführt, amerikanische Zustände in seinen Zustellungsbereich zu bringen. Das kleine Dorf, das sich in seiner typisch französischen Gemütlichkeit auf eine Kirmes mit Schützenfest vorbereitet, sieht dem guten Mann belustigt zu. Eine unendlich liebevoll gezeichnete Dorfchronik voller witziger Beobachtungen, mit der Tati ein ebenso zärtliches wie poetisches Meisterwerk geschaffen hat. Am Sonntag, den 14. Oktober um 20 uhr ist noch einmal „Tati’s Schützenfest“ zu sehen und am Montag läuft noch einmal „Mon Oncle“.

Was macht Jacques Tati zu einem der berühmtesten französischen Filmemacher, obwohl er nur fünf Langfilme gedreht hat? Seine stumme und slapstickhafte Art zur Zeit des Tonfilms? Die Verwendung des Tons an sich, der Geräusche des Alltags? Sein Perfektionismus, seine zentrale Rolle in allen seinen Filmen als Regisseur, Drehbuchschreiber und Hauptdarsteller? Wahrscheinlich ein bißchen von allem; Am bekanntesten ist wohl die Gestalt des Monsieur Hulot, lang und dünn mit Pfeife und Hut. Am 9. Oktober 1907 wird Tati als Jacques Tatischeff, Enkelkind eines russischen Militär-Attachés, in Le Pecq, einem Dorf nahe Paris geboren. Er beginnt seine künstlerische Karriere in einer Music-Hall und gründet seine Truppe, die Impressions Sportives, im Jahre 1935. Zu dieser Zeit dreht er auch seine ersten Kurzfilme, in der besonders die Figur des Dorfbriefträgers auffällt, die er später in Jour de fête (Tatis Schützenfest) 1948 zur Vollendung bringt.

Jacques Tati markiert eine Wende in der Geschichte, die der späten Modernisierung des bäuerlichen Frankreichs und der goldenen dreißiger Jahre. Er beobachtet kindlich die sich verändernde Gesellschaft und fragt sich, wie die Menschen sich daran anpassen werden. Zur Zeit der Globalisierung ist der Blick Tatis nach wie vor aktuell.

Eintritt: pro Film 4. – Euro, 2.50 Euro

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017