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Ab Freitag wird Geflügel im Saarland aufgestallt

„Mit konsequenten Kontrollen und einem entschlossenen Handeln wird die saarländische Landesregierung alles tun, um die Ausbreitung des Vogelgrippe-Virus zu verhindern“, so Gesundheits- und Verbraucherschutzminister Josef Hecken. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Verbandes der Geflügelhalter im Saarland, Josef Rose, stelle er das weitere Vorgehen zum Schutz des saarländischen Geflügels vor.

Nach den Erkrankungsfällen in Mecklenburg-Vorpommern, bei denen das Vorhandensein des hoch pathogenen Virustyps H5N1 bestätigt worden ist, ist die Situation ernst. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass in den kommenden Tagen weitere Erkrankungsfälle bei Wildvögeln bestätigt werden.

Trotzdem besteht kein Anlass zur Hysterie: Die Vogelgrippe ist dem Grunde nach eine Form der Geflügelpest und damit eine Viehseuche. Bislang haben wir in Deutschland Gott sei Dank diese Seuche nur bei Wildvögeln, eine Übertragung auf Nutztierbestände ist noch nicht erfolgt. Deshalb muss unser ganzes Handeln jetzt darauf gerichtet sein, diese Nutz- und Haustierbestände durch konsequente Maßnahmen zu schützen, denn ein Übergreifen auf diese Bestände hätte verheerende wirtschaftliche Folgen für die Geflügelwirtschaft.

Auf der Sitzung des nationalen Krisenstabes unterstützte Minister Josef Hecken deshalb die Forderung, Gefügelmärkte ausnahmslos zu verbieten. „Bei der Bekämpfung der Tierseuche darf es keine Kompromisse geben. Wichtig ist, dass auch für das benachbarte Ausland gleiche Schutzmaßnahmen gelten. Da die größte Gefahr der Übertragung weiterhin von den Zugvögel ausgehe, müsse länderübergreifend gehandelt werden, so der Minister, der gemeinsam mit dem Verband der Geflügelhalter im Saarland, Josef Rose alle Geflügelhalter aufrief, ihre Tiere sofort in den Stall zu bringen. Betroffen sind von der Aufstallung über 300.000 Tiere in über 6.000 Groß- und Kleinbetrieben. Die Aufstallungspflicht beginnt am 17. Februar und gilt vorerst bis zum 30. April. Bundesweit sind 13 Mio. Tiere betroffen. Auch hier wird es keine Ausnahmen geben, Verstöße gegen die Aufstallpflicht werden streng geahndet. Jeder Geflügelhalter muss sich der Situation und seiner Verantwortung bewusst sein, denn durch Leicht sinn und Sorglosigkeit in Betrieben werden nicht nur die eigenen Bestände, sondern auch viele andere umliegende Betriebe gefährdet. Denn wenn es zu einem Eintrag des Virus in einen Nutztierbestand käme, dann wären strenge Restriktionen bis hin zu Zwangstötungen der Tiere in einem Umkreis von mehreren Kilometern unumgänglich. Deshalb ist größte Vorsicht besser als Leichtfertigkeit.

Minister Hecken betonte, dass für die Menschen von der Tierseuche unter normalen Umständen keine Gefahr ausgehe. „Wir werden alles daran setzen, dass mögliche Infektionsrisiken auf Dauer minimiert werden. Sollte jedoch ein Nutztierbetrieb von dem Virus befallen sein, muss der gesamte Bestand komplett getötet werden. Dem Minister zufolge bedeutet konsequente Vorsorge, alle möglichen Infektionsrisiken auf Dauer zu minimieren. So sei es sinnvoll, eine Deklarationspflicht für mitgeführte Lebensmittel bei der Einreise in die EU zu schaffen. Mittelfristig befürwortet der saarländische Gesundheitsminister ein komplettes Verbot für das Mitführen von Lebensmitteln. Die Bundesregierung wird diese Forderung auf dem Agrarministerrat der EU am kommenden Montag in Brüssel mit Nachdruck verfolgen.

Die Gefahr durch illegale Importe Geflügelpest einzuschleppen wird von Experten immer noch sehr hoch eingeschätzt. Deshalb wird auch das Gepäck der Flugreisenden aus den Infektionsgebieten weiterhin mit hoher Dichte kontrolliert. Allein seit Oktober hat der Zoll am Saarbrücker Flughafen bei Kontrollen von 40 Flügen aus der Türkei über 150 Kilogramm Geflügel und Geflügelprodukte beschlagnahmt.

Das Saarland hat eine bestmögliche Vorsorge und Vorbereitungen getroffen. Wildvögel und Zuchttiere werden bereits seit Oktober von staatlichen und ehrenamtlichen Vogelschützern überwacht; Auffälligkeiten werden sofort gemeldet. Im Rahmen des Monitoring-Programmes wurden im Saarland seit Oktober insgesamt 476 Hühner, Gänse, Enten, Komorane sowie Reiher und Schwäne untersucht. „Alle Proben waren negativ“, so Hecken, der aufgrund der aktuellen Ereignisse in den kommenden Wochen verstärkt Schwäne und andere Wildvögel betesten lassen will. Das Virus war auf Rügen bei Schwänen festgestellt worden, die dort überwintert hatten. „Da es für die Ansteckung der Schwäne keine Erklärung gibt, müssen diese besonders beobachtet werden“, so Hecken. In Deutschland brüten rund 13.000 Paare des Höckerschwans. Es ist die häufigste Schwanen-Art. Die Tiere werden bis zu 1,60 Meter groß und haben eine Flügelspannweite von rund 2,20 Metern.

Sollte es dennoch zum Ausbruch der Geflügelpest in einem saarländischen Geflügelbestand kommen, sei das Land vorbereitet. Eine genaue Handlungsanleitung und ein Maßnahmeplan zur Bekämpfung von Tierseuchen liege vor. Dadurch ist es möglich, innerhalb kurzer Zeit effektive Vorkehrungen und Sicherungsmaßnahmen zu treffen, um ein weiteres Ausbreiten des Virus zu vermeiden.

Für die Bevölkerung bestehe derzeit kein Grund zur Panik. Infektionen des Menschen mit Influenzaviren des Geflügels seien selten; lediglich bei sehr nahem Kontakt zu kranken Tieren kann es zu einer Infektion kommen. Der Erreger werde vor allem durch Kot und Sekrete übertragen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht bestätigt. Der Verzehr von ausreichend erhitztem bzw. gekochtem Geflügelfleisch oder -produkten ist unbedenklich. Minister Hecken appelliert an Reisende, in den betroffenen Regionen Tierkontakte zu vermeiden und keine Geflügelmärkte zu besuchen. Neben Deutschland ist die Vogelgrippe in Österreich, Slowenien, Italien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, der Ukraine, der Türkei und Russland aufgetreten.

Zur Vorsicht rät Minister Hecken beim Auffinden von toten oder kranken Wildvögeln. Die Menschen sollen unmittelbaren Kontakt mit diesen Tieren vermeiden und sie möglichst nicht berühren, sondern die Ordnungsbehörden informieren, damit eine fachkundige Entsorgung und u. U. auch eine Untersuchung eingeleitet werden kann. Um unnötige Risiken zu vermeiden appelliert der Minister auch an Hundehalter, ihre Tiere bei Spaziergängen angeleint zu halten, damit diese nicht in unnötigen Kontakt mit verendeten Wildtieren kommen.

Besorgte Bürger können sich über die saarländische Vogelgrippe-Hotline unter Tel. 0681-501 2030 und 0681-501 2040 (Wochentags von 8 bis 18 Uhr) informieren.

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