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Dringende Bitte, trotz der Geflügelpestfälle bei Wildvögeln in Deutschland Gelassenheit zu bewahren.

Im Augenblick gilt Folgendes:

1. Bei den Geflügelpestfällen in Deutschland haben wir es im Augenblick „nur“ mit einer Tierseuche zu tun, die z. Zt. auch lediglich auf Wildvögel beschränkt ist. Im Zuge der Bekämpfung des hoch pathogenen Erregers der Geflügelpest kann auf die Erfahrungen zurückgegriffen werden, die die Veterinärbehörden in den letzten Jahrzehnten im regelmäßigen Umgang mit der häufiger aufgetretenen Schweinepest gesammelt haben.

2. Alle Anstrengungen müssen nun darauf konzentriert werden, ein Übergreifen der Tierseuche von den Wildvögelbeständen auf Nutztierbestände (Hühner, Puten, Enten, Gänse u. ä.) zu verhindern.

Wenn ein solches Übergreifen erfolgen würde, so wären damit immense wirtschaftliche Schäden bei den betroffenen Viehhaltern verbunden, da infizierte Bestände getötet werden müssten.

Im Saarland haben wir vergleichsweise nur kleine Bestände und relativ wenig Tiere (ca. 300.000), bundesweit gibt es ca. 150 Mio. Stück Nutzgeflügel.

3. Es ist damit zu rechnen, dass die Vogelgrippe bei Wildvögeln in den kommenden Wochen nicht auf die jetzt betroffenen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern beschränkt bleibt, sondern auch in anderen Teilen Deutschlands auftreten wird. Deshalb sind auch bei uns Schutzmaßnahmen erforderlich.

Deshalb gibt es auch bei uns im Saarland keine Alternative zur Aufstallung des Nutzgeflügels, um einen Übertrag der Tierseuche in Haustierbestände zu verhindern. Weil dies so wichtig ist, werden bei Verstößen gegen das Aufstallgebot hohe Bußgelder verhängt, denn es muss vermieden werden, dass einzelne durch Leichtfertigkeit die Tierbestände insgesamt gefährden. Das ist deshalb so wichtig, weil bei einem Auftreten eines Krankheitsfalles in einem Nutztierbestand nicht nur der betroffene Bestand gefährdet ist, sondern auch umliegende Bestände u. U. getötet werden müssten.

4. Für den Fall des Auftretens eines Geflügelpestfalles in Gestalt der Vogelgrippe im Saarland ist Vorsorge getroffen. Es gibt hierzu den bereits bei der Bewältigung mehrerer Seuchen in der Vergangenheit (Maul- und Klauenseuche, Schweinepest, BSE) erprobten und bewährten Maßnahmenplan zur Bekämpfung von Tierseuchen, der auch detaillierte Regelungen zum Vorgehen bei Geflügelpest in Gestalt der Vogelgrippe enthält. Die Koordination würde der ebenfalls bereits erprobte Lenkungsstab Viehseuchen im Ministerium übernehmen. Dieser Lenkungsstab hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach die notwendigen Entscheidungen bei Tierseuchen getroffen und hat immer reibungslos funktioniert. In diesem Lenkungsstab sind alle betroffenen Stellen der Kreise, der Veterinäre, der Polizei, der entsprechenden Verbände und der Landesregierung vertreten.

In der vergangenen Woche ist der Lenkungsstab unmittelbar nach Bekannt werden der Infektionsfälle in Mecklenburg-Vorpommern bereits zusammengetreten. Er kann jederzeit kurzfristig auf meine Weisung hin zusammentreten.

5. Die notwendigen Vorbereitungen für die Rekrutierung und den Einsatz von Helfern im Falle eines Auftretens der Geflügelpest bei uns im Land sind gestaffelt nach unterschiedlichen Szenarien (Befall bei Wildvögeln, Befall in Nutztierbestand) getroffen.

Es würden ein engerer Schutzbereich (Sperrbezirk) mit einem Radius von mindestens 3 km und ein weiterer Schutzbereich (Beobachtungsgebiet) von mindestens 10 km um einen Krankheitsherd ausgewiesen. Es ist exakt vorgeschrieben, wie lange und welche konkreten Schutzvorkehrungen in den beiden Bereichen gelten müssten.

Im engeren Schutzbereich würde bezogen auf Geflügel ein absoluter Stand-still von 30 Tagen und im weiteren Schutzbereich von 21 Tagen gelten.

Daneben müssten umfängliche Hygienemaßnahmen angeordnet und großflächig virologische Untersuchungen bei Nutztieren durchgeführt werden. Auch hierfür ist Vorsorge getroffen.

Um eine Gefährdung von Helfern auszuschließen und Ausstattungsschwierigkeiten zu verhindern bevorratet mein Ministerium zentral Schutzbekleidung entsprechend der Vorgaben der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, die an Ort und Stelle im Bedarfsfall eingesetzt werden können, wenn es Engpässe in den Kreisen gibt.

Desinfektionsmittel für die Ausstattung von evtl. notwendigen Kraftfahrzeugdurchfahrbecken werden ebenfalls vom Ministerium bevorratet.

6. Mit all diesen in den vergangenen Monaten detailliert vorbereiteten Maßnahmen hoffen wir, im Bedarfsfalle alles tun zu können, um im Viehseuchenfalle gerüstet zu sein.

7. Auch für den im Augenblick noch nicht aktuellen Fall des Entstehens einer Grippepandemie bei Menschen haben wir seit vielen Monaten Vorsorge getroffen.

Dabei ist im Saarland in Ergänzung des nationalen Pandemieplans eine entsprechende detaillierte Pandemieplanung unter Beteiligung der Krankenhäuser, des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der Apotheker, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Ärztekammer sowie von Virologen erarbeitet worden. Eine ständige Arbeitsgruppe unter Leitung meines Ministeriums aktualisiert diese Planungen ständig im Lichte neuer Entwicklungen.

Diese Pandemieplanung ist eine reine Vorsichtsmaßnahme!

Sie beginnt bei dem ohnehin regelmäßig im Land durchgeführten Grippemonitoring, das verfeinert wurde und endet bei der Bevorratung antiviraler Medikamente für den Notfall. Die Koordination aller Maßnahmen wird ein zentraler Krisenstab der Landesregierung unter Beteilung von Ärzten, Apothekern, Virologen, Krankenhäuser sowie der Katastrophenschutzeinrichtungen und Katastrophenschutzorganisationen übernehmen.

Im Einzelnen ist geregelt, wie die Versorgung von erkrankten Menschen auch dann sichergestellt ist, wenn viele Erkrankungsfälle zeitgleich auftreten. Die Erstversorgung in der Fläche Rund um die Uhr ist ebenso organisiert wie die Freimachung von Kapazitäten in Krankenhäusern zur Behandlung von schwerer Erkrankten oder Risikopatienten. Es ist festgelegt, dass ausschließlich Ärzte über die Verteilung antiviraler Medikamente entscheiden und wie diese dann ausgegeben werden, damit es nicht zu medizinisch nicht indizierten Abgaben kommt. Diese Maßnahmen entsprechen alle den Zielsetzungen und Empfehlungen des nationalen Pandemieplans.

8. Im Augenblick sind beim Land für 10 % der Bevölkerung antivirale Medikamente bevorratet und wären sofort verfüg- und einsetzbar.

Daneben gibt es bei Krankenhäusern und bei einzelnen Stellen in den Landkreisen noch kleinere Mengen dezentral bevorrateter antiviraler Medikamente. Das Ministerium ist exakt über diese dezentralen Vorräte unterrichtet, so dass im Bedarfsfall auch zentral auf diese zurückgegriffen werden könnte. Mit den verfügbaren Medikamenten liegen wir bezogen auf den derzeitigen Versorgungsgrad im Schnitt der Länder.

Selbstverständlich wird das Saarland auch bezogen auf die Bevorratungsmengen eventuellen Empfehlungen folgen, die in der morgigen Sitzung vom Robert-Koch-Institut oder anderen abgegeben werden und die Notfallvorräte entsprechend solcher Empfehlungen aufstocken.

9. Diese Bevorratung dient ebenfalls nur der Krisenvorsorge, sie kann und darf kein falsches Signal an die Menschen sein, nunmehr konkrete Angst vor einer Pandemie haben zu müssen.

Manche öffentliche Äußerung der letzten Tage, in der über die Notwendigkeit der Absage von Großereignissen philosophiert wurde, hat keinen Nutzen gebracht, sondern die Menschen nur ohne Not verunsichert und verängstigt. Im Augenblick sind dies alles Diskussionen, für die es kein reales Bedrohungsszenario gibt.

10. Ich bitte die Menschen deshalb dringend, von Selbstmedikationen mit antiviralen Medikamenten (z. B. Tamiflu, Relenza, Oseltamivir) abzusehen.

Es hilft überhaupt nichts, wenn diese Medikamente ohne konkrete Krankheitshintergründe präventiv eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind schädlicher als der nicht gegebene Nutzen. Und es besteht die Gefahr, dass sich bei unnötiger Einnahme eine Resistenz entwickelt, die letztlich dazu führt, dass die Medikamente nicht mehr wirken, wenn sie tatsächlich einmal gebraucht würden.

FAZIT:

Weder ich noch sonst irgendjemand wird und will im Saarland eine mögliche Gefahr verharmlosen oder klein Reden.

Aber es gilt nach wie vor: Die Situation ist ernst, aber es gibt überhaupt keinen Grund zur Panik oder für Überreaktionen jedweder Art.

Wir haben es nach wie vor mit einer im Augenblick in Deutschland auf Wildvögel beschränkten Viehseuche zu tun. Die Gefährdungslage für die Menschen hat sich in den letzten Tagen nicht verändert.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017