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Altersfreigabe im Jugendschutz: Welche Stufen sind zeitgemäß?

„Freigegeben ab“ – man kennt die Freigabekennzeichnung auf Videospielen und Film-DVDs oder auch vor Filmen im Fernsehabendprogramm, aber entsprechen die Altersabstufungen 6, 12 und 16 Jahre tatsächlich noch der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 2. Saarbrücker Medien Symposium, zu dem das saarländische Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur und die Landesmedienanstalt Saarland eingeladen hatten.

Rund 100 Fachteilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich in der Saarbrücker Congresshalle zu dieser Tagesveranstaltung.

Die Problematik beleuchteten Experten aus Politik und Medien sowie der Aufsichtsbehörden und -organe des Jugendschutzes in Deutschland. Durch die Fachdiskussion führt der anerkannte Medienexperte und Journalist Tilman P. Gangloff.

Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer betonte in ihrem Grußwort angesichts der aktuellen Diskussion um eine Novellierung des Jugendschutzgesetzes sowie des Jugendschutzstaatsvertrages: „So wichtig Repressions- und Interventionsmaßnahmen auch im Bereich des Jugendschutzes sind, sie müssen durch verstärkte Präventionsangebote im Bereich der Medienkompetenzvermittlung ergänzt werden.“

Dr. Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland, verwies auf die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder, da ihnen bei der Durchsetzung von Jugendschutzvorgaben wie der Alterskennzeichnung die wichtigste Rolle zukommt. Er forderte in diesem Zusammenhang: „Ein wirkungsvolles Jugendschutzsystem muss sich in der Lebenswirklichkeit bewähren und bedarf der Akzeptanz – nicht zuletzt bei den Eltern, aber auch bei den Minderjährigen. Verfahren und Entscheidungen müssen transparent und nachvollziehbar sein; vor diesem Hintergrund sind die bisherigen Bemühungen im Bereich der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit weiter zu verstärken.

Auch die Experten hoben die besondere Rolle aller Familienmitglieder, insbesondere der Eltern hervor. Wesentlich für einen effektiven Jugendschutz ist das gemeinsame Nutzen von Medien durch Eltern und Kinder. „Nur wenn Eltern wissen, welche Medieninhalte von ihren Kindern konsumiert werden, können sie auch entscheiden, ob ein Spiel oder ein Film tatsächlich der Entwicklung ihres eigenen Kindes angemessen ist“, so Familien-Staatssekretärin Gaby Schäfer.

Während unter das Jugendschutzgesetz des Bundes Medieninhalte auf Trägermedien fallen, ist der Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien im Jugendmedienschutzstaatsvertrag der Länder geregelt und fällt in die Zuständigkeit der KJM. Als KJM-Mitglied und Medienpädagoge erläuterte Prof. Dr. Ben Bachmair, Fachbereich Erziehungswissenschaft / Humanwissenschaften der Universität Kassel, zur Funktionsweise des Jugendmedienschutzes:„ Die Verbindung des Jugendmedienschutzes mit dem Entwicklungsalter der Kinder ist weiterhin vollangemessen. Zu berücksichtigen ist, dass die Entwicklung der Kinder in der individualisierten sozialkulturellen Umgebung zu bislang unbekannten Entwicklungsverzögerungen und Entwicklungsbeschleunigungen bei der Verarbeitung von Medien führt. Die breite Definition der Altersstufen ist hilfreich, um auf die Entwicklungsverzögerungen angemessen zu reagieren.“

In der Saarbrücker Erklärung, die zum Schluss der Veranstaltung durch den Direktor der LMS, Dr. Gerd Bauer vorgestellt wurde, fordern das saarländische Familienministerium und die LMS, dass ergänzend zu den bisherigen Altersstufen die Altersstufen von 10 und 14 Jahre eingeführt werden sollen. Außerdem sollen Filme, die auf Minderjährige unter 12 Jahren eine entwicklungsbeeinträchtigende Wirkung haben, zukünftig grundsätzlich erst ab 21 Uhr statt bisher 20 Uhr im Fernsehen gezeigt werden dürfen.

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St. Ingberter Anzeiger ·
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