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43 Kinder musste das Jugendamt im vergangenen Jahr schützen

Im Jahr 2013 haben die Jugendämter in Deutschland 42.100 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. In 43 (davon 19 unter 14 Jahre) Fällen musste das Jugendamt im Saarpfalz-Kreis die Notbremse ziehen und ein Kind aus einer Familie nehmen.

„Kinder von ihren Eltern zu trennen, ist immer das äußerste Mittel – die Ultima Ratio“, sagt Klaus Guido Ruffing, Leiter des Jugendamts. Leicht fällt ihm dieser Schritt nie. Es ist immer ein Balanceakt. Dabei hat das Wohl des Kindes oberste Priorität.

118 Hinweise bekam das Jugendamt des Kreises im vergangenen Jahr auf mögliche Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen. Es sind Nachbarn, Bekannte, Kinderärzte, Schulen und Kindertagesstätten, die aufmerksam waren und das Jugendamt auf den Plan riefen. Viele Kinder und Jugendliche melden sich aber auch selbst.

Das Jugendamt kümmert sich um jeden einzelnen Fall. 19 Fälle stuften die Mitarbeiter im vergangenen Jahr als so alarmierend und schwerwiegend ein, dass sie die Kinder und Jugendlichen aus Familien herausholen mussten – vorübergehend jedenfalls. Und das, um sie zu schützen.

In solchen Fällen leiden Kinder und Jugendliche unter akuten Gefahren. Sie erleben schwere Konflikte in der Familie, Misshandlungen, sexuelle Gewalt. Dann ist die Inobhutnahme der letzte Ausweg – der „Rettungsring“, den das Jugendamt werfen muss. Eine solche Entscheidung fällt nicht am Schreibtisch: „Wir gehen raus und machen Hausbesuche. Schließlich müssen wir uns ein genaues Bild verschaffen“, betont Ruffing.

Wenn es darum geht, ein Kind aus einer Familie herauszuholen, um es zu schützen, dann geschieht dies in Einzelfällen notfalls auch gegen den erklärten Willen der Sorgeberechtigten. „Dabei schalten wir allerdings immer das Familiengericht mit ein. Das hat dann das letzte Wort und entscheidet, was für das Wohl des Kindes richtig und notwendig ist“, so der Jugendamtsleiter.

Für Kinder und Jugendliche, für die eine Rückkehr in ihre Familie nicht in Betracht kommt, sucht das Jugendamt im Saarpfalz-Kreis dann eine geeignete Unterbringung – zum Beispiel eine Pflegefamilie. „Hier wartet das auf sie, was sie bislang vermisst haben: Aufmerksamkeit und Zuwendung, Zuneigung und Liebe. Es ist so etwas wie eine ‚zweite Startchance fürs Leben’ – mit deutlich besseren Vorzeichen“, so der stellvertretende Amtsleiter Karl-Heinz Becker.

Den Eltern ein Kind entziehen zu müssen, bedeutet aber auch, es aus seinem sozialen Umfeld herauszuholen. Deshalb setzt das Jugendamt im Saarpfalz-Kreis auf Prävention. Es bietet eine Fülle von Hilfen für belastete Familien an, um es erst gar nicht soweit kommen zu lassen. Krisenmanagement – bevor es knallt und die Situation eskaliert, heißt die Lösung. Denn: „Jedes Kind, das in der eigenen Familie nicht mehr gut aufgehoben ist, ist ein Kind zu viel. Und immer steckt eine menschliche Tragödie dahinter“, so Amtsleiter Klaus Guido Ruffing abschließend. Um die zu verhindern, spannt das Jugendamt einen riesigen Schutzschirm für Kinder und Jugendliche in der eigenen Familie auf. Und wenn es sein muss, dann auch einen zweiten in der Pflegefamilie oder in einem Heim.

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