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Dauerausstellung des Historischen Museums Saar zur Saargeschichte seit 1870

Wer um 1900 in der Saarregion geboren wurde und immer in seinem Heimatort wohnen blieb, hatte bis zu seinem 60. Lebensjahr fünf verschiedene Pässe: als Preuße oder Bayer, „Saareinwohner“ im Saargebiet (1921-1935), Reichsdeutscher (ab 1935), Saarländer (ab 1948) und Bürger der Bundesrepublik (seit 1957). Was das für die Menschen bedeutete, das zeigt die neue erweiterte Dauerausstellung des Historischen Museums Saar. Mit vielen bisher noch nie gezeigten Objekten, Fotos, Plakaten, Film- und Tondokumenten zeichnet sie die spannende und wechselvolle Geschichte der deutsch-französischen Grenzregion seit dem Krieg 1870/71 nach.

Erstmals wird nun auch die Geschichte der Region im Kaiserreich dargestellt vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der Rundgang beginnt mit der Schlacht von Spichern im August 1870, die in den folgenden Jahrzehnten durch Heldenverehrung, Denkmalkult, Schlachtfeldtourismus und nicht zuletzt durch die Historiengemälde Carl Röchlings (1855-1920) zum nationalen Mythos hochstilisiert wurde.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist aber auch die große Zeit des Bergbaus, der „Stahlbarone“ Stumm und Röchling, des Aufstiegs der Weltfirmen Adt und Villeroy & Boch. Seltene Filmaufnahmen zeigen Saarbrücker Straßenszenen aus dem Jahre 1903. Eine größere Ausstellungseinheit ist dem Thema „Kindheit, Spiel und Spielzeug um die Jahrhundertwende“ gewidmet. Kommen die jüngsten Museumsbesucher bereits hier auf ihre Kosten, dann erst recht, wenn sie im Stall des saarländischen Bergarbeiterbauern feststellen, dass die berühmte „Bergmanskuh“ in Wirklichkeit eine Geiß ist.

Die zentralen Abteilungen zu den beiden Weltkriegen sind völlig neu gestaltet worden. Die Exponate aus der Zeit des ersten Weltkrieges werden gerahmt durch eine Aussstellungsarchitektur, die an Unterstände und Schützengräben erinnert. In der Abteilung zum Nationalsozialismus werden hinterleuchtete Fotos in düsterem Raumlicht präsentiert. Besonders bewegend sind Aufnahmen, die jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem Saarland in Alltagssituationen zeigen, bevor sie deportiert und in den Konzentations- und Vernichtungslagern ermordet wurden.
Erstmals können nun auch die beiden saarländischen Sonderwege im 20. Jahrhundert vergleichend betrachtet werden: Zum einen die Zeit des Saargebiets unter der Verwaltung des Völkerbundes (1920-1935), als moderne Architektur, die freche Mode der „Goldenen 20er Jahre“ und liberales Denken auf überkommene Traditionen und Nationalismus trafen. Und zum anderen die Jahre zwischen 1947 und 1955 als Ministerpräsident Johannes Hoffmann (Joho) einen von Deutschland getrennten, eng an Frankreich angelehnten Saarstaat regierte, der mit eigener Flagge, Hymne, Fußballnational- und Olympiamannschaft seine Selbständigkeit demonstrierte.
Nach den schwierigen, entbehrungsreichen Jahren der unmittelbaren Nachkriegszeit waren im Alltag andere Dinge wichtig. Ein neuer Herd von Jega, das Schnellwaschmittel Valan und elektrische Haushaltsgeräte sollten der Hausfrau das Leben erleichtern. Möbel aus Metallrohr, mit Resopal beschichtete Blumenbänke und buntes Geschirr aus Kunststoff galten als besonders schick und modern. Während Kinder Brote mit Landsieg-Margarine und Fenner Harz verzehrten, um sich für die allseits beliebten Seifenkistenrennen zu stärken, wurde die Vespa zum Inbegriff von Mobilität und zum Symbol einer neuen Jugendkultur.
Nach der Ablehnung eines europäisches Saarstatuts in einem emotionalen Referendum 1955 kehrte das Saarland wieder zu Deutschland zurück, 1957 politisch als 10. Bundesland und mit der Einführung der D-Mark am 6. Juli 1959 auch wirtschaftlich. Der Ausstellungsrundgang führt am Ende in eine Art Schaudepot, in dem das Museum ausgewählte Sachzeugnisse aus der jüngsten Geschichte des Landes seit 1960 präsentiert.
Alle Ausstellungstexte werden in deutscher und französischer Sprache angeboten.
Einheimische und auswärtige Besucherinnen und Besucher können sich auf eine unterhaltsame und spannende Zeitreise durch die bewegteste Epoche der Saargeschichte freuen und verstehen, wie das kleine Land vom Zankapfel zu einem Bindeglied zwischen den ehemals verfeindeten Nationen Deutschland und Frankreich wurde.

Öffnungszeiten: 10 h (Sa. 12 h) bis 18 h (Do. 20 h), montags geschlossen.
Eintritt: 5 € /3 € (gültig für die ständige Abteilung zur Saargeschichte ab 1870 und die Unterirdische Burganlage mit Kasematten)

Öffentliche Führungen an Sonn- und Feiertagen:
15 h Führung durch die Unterirdische Burganlage mit Kasematten
16 h Führung durch die neue Dauerausstellung zur Saargeschichte seit 1870 (ab 23.11.2008)
16.15 h Ritterführung für Kinder

Führungen für Gruppen
in deutscher, französischer und englischer Sprache nach Vereinbarung
Historisches Museum Saar
Schlossplatz 15
D-66119 Saarbrücken
Tel.: 0681 / 506 4501 oder 506-4506
Fax: 0681 / 506 4590
E-mail: hms@hismus.de
Internet:www.historisches-museum-saar.de

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St. Ingberter Anzeiger ·
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