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Workshop der Künstlergruppe Steinberg

Die Künstlergruppe Steinberg feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen und ist eine der interessantesten und aktivsten Künstlergruppen des Saarlandes. Interessant ist diese Künstlergruppe nicht nur wegen der etwa 40 begabten Künstler, die sich dort engagieren. Äußerst ungewöhnlich ist auch das Konzept der Gruppe, die sich nicht nur zum gemeinsamen Ausstellen zusammen gefunden hat, sondern die tatsächlich künstlerisch gemeinsam arbeitet und die produzierten Exponate thematisch und formal regelmäßig aufeinander bezieht. Dies ist eher ungewöhnlich unter Künstlern, da diese zumeist individualistisch und vor allem in der Entstehung ihrer Werke isoliertes Arbeiten pflegen.

An mindestens sechs Wochenenden in einem Jahr werden von der Künstlergruppe Steinberg arrivierte Künstler und Kunstdozenten aus der Bundesrepublik und aus Frankreich eingeladen, die ein ganzes Wochenende von morgens bis in die Nacht zu bestimmten Themen mit den Mitgliedern der Künstlergruppe arbeiten.

In diesem Jahr haben die „Steinbergs“ beschlossen, ihren künftigen Arbeitsort nach St. Ingbert zu verlegen und so findet am Samstag, 28.Februar und am Sonntag, 1. März erstmals ein solches Arbeitswochenende in St. Ingbert statt. Die Protestantische Martin-Luther-Gemeinde in der Josefstaler Straße hat dafür ihr Gemeindehaus zur Verfügung gestellt. Als Dozent wurde der Kasseler Kunstprofessor Dieter Haist eingeladen, der einen Workshop zum Thema „Spurensuche in der Kunst“ anbieten wird.

Vom 3. Mai bis zum 19. Juni wird dann eine Ausstellung in der Rathausgalerie unter anderem Exponate aus dem aktuellen Seminar zeigen.

Im Folgenden finden Sie den Text zur Vorbereitung des aktuellen Themas des Workshops:
(Ab)Gefallen – Vom Stroh zu Gold gesponnen
– Spurensuche in der Kunst –

Abfall ist für diejenigen, die ihn wegwerfen, bedeutungs- oder funktionslos und verbleibt im Status einer potenziellen Bedeutung, bis man ihm eine neue Funktion und Bedeutung beigibt. In dem Moment, da Abfall zum Objekt genauerer Betrachtung wird, gewinnt er wieder an Wert.

Abfall ist aus dem Bewusstsein und aus dem gesellschaftlichen Ambiente ausgeschlossen. Er wird verschoben, vergraben oder verbrannt. Aus Sicht der Künstler stellt sich die Frage, ob ein weggeworfener Gegenstand Müll ist oder ob ein Material zum Abfall zählt, oft überhaupt nicht. Künstler sind oft Spurensucher, die Lumpensammler, die Schatzsucher. Müll ist Material und kann, wie jedes andere Material auch, Auslöser für künstlerisches Handeln und für künstlerische Fragestellungen sein.

Das Transformieren von Müll in Kunst also scheint den Künstlern leicht zu fallen. Das Ausgegrenzte wird gezähmt, sortiert und bearbeitet und findet in der Kunst Schutz vor weiterer Müllwerdung, und damit wird das Stroh zu Gold gesponnen. Abfall bedarf der Phantasie und der Kriminalistik.
Die Integration von ent-wertetem Material in die Kunst ist also eine Rückführung in den Kreislauf von Zeit und Materie. Ist es möglich, den Abfall so ins Bild zu setzen, dass der Abfall ein Sinnbild wird? Kunst ist immer auch Bedeutungs-Verschiebung von Zeichen als Irritation, als Reflexion, als Provokation oder als Meditation.
Das Seminar befasst sich mit dem Suchen und Stöbern und letztendlich mit der Inszenierung des Abfalls in der Kunst.

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