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Klassische Photographie ewig jung

Classic Photography in Saar- und Westpfalz – zahlreiche Ausstellungen und Vorträge ab April

Pinhole-Kamera auf Reisen: Lichtspuren auf der Autobahn
Foto: CP 2009 / Wolfgang Kunz und Fritz Saller

Am 23. und 24. Mai treffen sich im Forum in Homburg wieder zahlreiche Fotofreunde und –begeisterte, um höchst informative und unterhaltsame Stunden rund um das Thema Photographie zu verbringen. Die beiden Tage bieten Vorträge und Diskussionen rund um das Thema, wobei die klassische, die analoge Photographie im Vordergrund steht, neuste Trends im digitalen Bereich aber ebenso einfließen.

Vier Ausstellungen parallel im Forum
Das Tagungsprogramm der CP startet am 23. Mai um 10 Uhr mit der Eröffnung von vier Ausstellungen, die an beiden Tagen gleichzeitig in Homburg zu sehen sind. Zum einen zeigen die Mitglieder der Schwarz/Weiß-Arbeitsgemeinschaft Süd, die schon zweimal in Homburg zu Gast waren und immer wieder durch ihre erstklassigen Arbeiten überzeugen, einige ihrer neusten Werke. Die zweite Ausstellung, die – wie die anderen Ausstellungen auch – im Sitzungstrakt des Forums präsentiert werden, zeigt Arbeiten aus dem Pinhole-Projekt (Lochkamera) aus Bayern. Die ausgestellten Exponate sind allesamt mit einer Lochkamera aufgenommen. Durch die minuten- oder stundenlangen Belichtungszeiten bei solchen Kameras, die ohne Objektiv und nur mit kleinsten Blendenöffnungen das Licht einfangen, entstehen wundervolle Aufnahme, die der Zeit entrückt scheinen.

Ausstellung Nummer drei zeigt Arbeiten der Gesellschaft für Edeldruckverfahren. Diese Gesellschaft wurde 1995 in Köln mit dem Ziel gegründet, die Verbreitung und Nutzung der klassischen photographischen Verfahren zu fördern. Die verschiedenen Edeldruckverfahren unterscheiden sich erheblich. Gemeinsam ist ihnen allerdings die Tatsache, dass sie zwar eine höhere Bearbeitungszeit erfordern, dafür aber einen erheblichen Gewinn an gestalterischen Freiräumen und bildlicher Aussagekraft gewähren. Mitglieder der Gesellschaft zeigen einige ihrer eindrucksvollen Werke und erklären deren Entstehung.
Die vierte Ausstellung, die an diesem Tag kollektiv eröffnet wird, zeigt Bilder der Bunkeranlage Valentin in Bremen. Rüdiger Lubricht, der in der Galerie im Forum schon Bilder aus Tschernobyl präsentierte, zeigt diesmal in klassischen schwarz-weiß Aufnahmen Eindrücke aus der Bunkeranlage, die 1943 bei Bremen errichtet wurde. Auf mehr als vierhundert Metern Länge ragen die Mauern aus Stahl und Beton dreißig Meter hoch auf – geplant für die Ewigkeit und heute wirklich nicht mehr sprengbar. Hier sollten einst U-Boote gebaut werden. Unter größtem Zeitdruck und ohne Rücksicht auf Menschenleben wurde an dieser Anlage gearbeitet. 4 000 Menschen, größtenteils Häftlinge aus Zwangsarbeiter- und Konzentrationslagern, starben auf der Baustelle. Rüdiger Lubricht: „Übrig geblieben ist ein Relikt, das bei der Betrachtung die widersprüchlichsten Gefühle auslöst. Die Monumentalität der erstarrten Allmachtsphantasien bricht sich an der Rohheit der nicht mehr vollendeten Mauern, und die schiere Größe der verbunkerten Werft kann den Schecken des Krieges nicht verdrängen.“ Mit dieser Ausstellung wird das Projekt „Vestiges“ von Martin Blume und Douglas Isaac Busch, die Burg- und Bunkeranlagen in der Pfalz und im Südwesten der Vereinigten Staaten photographierten, konsequent bei der CP weiter geführt.

Pinhole-Kamera auf Reisen: Flusslandschaft
Foto: CP 2009 / Wolfgang Kunz und Fritz Saller

Vorträge von Experten
Doch nicht nur die Ausstellungen stehen im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages. Um die Bilder der Edeldrucker besser verstehen zu können und ihre technischen Spezifikationen zu erfahren, werden Torsten Grüne und Andreas Emmel von der Gesellschaft für Photographische Edeldruckverfahren einen Vortrag halten. Die drei folgenden Vorträge befassen sich auch mit photographischen Techniken: So wird Jürgen Heiland neue Materialien für die Dunkelkammer vorstellen; Erich Baier referiert aus seinen neusten Buch, in dem analoge und digitale Techniken im Mittelpunkt stehen; und schließlich wird Wolfgang Moersch aus seinem unendlich scheinenden Erfahrungsschatz plaudern und altbekannte wie neue Entwickler und Photopapiere kritisch beleuchten.

Mit dem letzten Vortrag des ersten Veranstaltungstages leitet Franz Toth zu einem Museumsbesuch über. Franz Toth, den Besuchern der CP 2006 als Photograph bekannt, zeigt sich diesmal als Photohistoriker. Seiner Recherche-Arbeit ist es zu verdanken, dass die Brüder Hilsdorf in der Photogeschichte einen festen Platz bekamen. Der Photograf Theodor Hilsdorf brachte die Münchner Gesellschaft um 1900 ins Bild, wobei sich die V.I.P.s, die Honoratioren wie die bunten Vögel die Klinke in die Hand gaben: Vom Prinzregenten Luitpold über den Musiker Max Reger und den Mediziner Ferdinand Sauerbruch bis hin zu dem Dichter Stefan George und vielen anderen mehr. Das Atelier Friedrich Müller / Theodor Hilsdorf in der Amalienstraße gehörte bis in die 20er Jahre zu den renommiertesten Porträtstudios der Stadt, und Hilsdorf trug den Ruf gar über Bayern hinaus. Geboren in Bingen, gehörte er zu einer Photographen- und Künstlerfamilie. Bereits der Vater Johann Baptist Hilsdorf (1835–1918) baute ein Atelier aus; von seinen sechs Söhnen folgten Theodor (1868–1944), Jacob (1872–1916) und Hans (1882–1954) dem Photographenberuf. Franz Toth hat eine Reihe Originalaufnahmen gefunden und zu einer eindrucksvollen Ausstellung zusammengetragen, die ab dem 15. Mai im Stadtmuseum in Zweibrücken im Rahmen der CP gezeigt wird. Im Anschluss an seinen Vortrag ist deshalb ein Besuch der Ausstellung in Zweibrücken eingeplant, womit auch der erste Tag der Classic ausklingen wird.

Ursprüngliches Photographieren
Am Sonntag geht es schon um 10 Uhr weiter im Programm. Fritz Saller wird den Teilnehmern das Pinhole-Projekt vorstellen. Die Arbeit mit der Lochkamera hat mittlerweile weltweit Freunde gefunden. Bei diesem Projekt aus dem Bayerischen geht es auch darum, Menschen für diese Art der Photographie zu begeistern. Deshalb steht neben der Theorie auch die Praxis im Vordergrund: Interessierte können sich eine Lochkamera ausleihen und ein Bild belichten, das dann im Pinhole-Projekt Aufnahme finden kann.

Einen hoch spannenden Vortrag wird zum Abschluss der CP 2009 Mirko Boeddecker halten. Er beleuchtet das Thema „Gibt es noch einen analogen Markt?“ Und so geht er auf die Zukunft der industriellen Produktion von Photomaterialien ein, zeigt auf, was es Neues gibt und wo Altes wieder aufgelegt wird. Die CP 2009 endet dann gegen Mittag.

Ergänzend zu den Vorträgen, Diskussionen und Ausstellungen sind an beiden Tagen Infostände der Firmen Heiland, Moersch und Foto Impex aufgebaut, die gerade für die klassische analoge Photographie viel Interessantes bieten.

Wolfgang Kunz in Homburg
Neben den Ausstellungen, die über die zwei Veranstaltungstage laufen, sind noch weitere Ausstellungen im Rahmen der CP in den nächsten Wochen und Monaten in der Region zu sehen. Bereits am 2. April läuft die Ausstellung „Wolfgang Kunz – Fotografien 1960 bis 1965“ in der Galerie im Forum in Homburg an.

Wolfgang Kunz wird 1942 in Augsburg als drittes Kind des Malers Karl Kunz und der Historikerin Ilse Kunz geboren. Die Familie zieht 1953 nach Weilburg an der Lahn. 1959, nach der Schule, geht er nach Frankfurt am Main und wohnt bei seinem Vater, der dort seit 1957 ein Atelier gemietet hat. Sein Berufsziel ist Gebrauchsgraphiker und er sucht sich eine Stelle als Schriftsetzerlehrling. In dieser Zeit besucht er die Abendschule der Städelschule, zeichnet Akte und Stillleben und beginnt mit seiner neu erworbenen Kamera zu photographieren. Dieses für ihn völlig neue Medium begeistert ihn sofort, gibt es ihm doch die Möglichkeit, sich in seiner künstlerischen Entwicklung vom übermächtigen Vater zu befreien. ohne sich seinem Einfluss entziehen zu müssen. Es folgen vier gemeinsame fruchtbare Jahre, in denen der Sohn sich Anregung und gestalterische Korrektur beim Vater holt und dieser seine Photographien in seine Ölgemälde eincollagiert und als Vorlage für seine großen Tafelbilder nutzt.

Wolfgang Kunz führt seine dreijährige Schriftsetzerlehre zu Ende, geht aber in seiner Freizeit ganz in der Photographie auf. Das Mansardenzimmer, das er in der Merianstraße bewohnt, wird zu einer Dunkelkammer mit Schlafgelegenheit. Er trampt nach Paris, in die Bretagne und nach Irland, um dort mit seiner einfachen Voigtländer die Bilder zu fotografieren, die er im Kopf hat. Seine Vorbilder findet er außer in den Werken seines Vaters in dem Bildband >>subjektive2<< von Otto Steinert, einem Freund von Karl Kunz, der gelegentlich in seinem Atelier vorbeischaut. Wolfgang Kunz hat in diesen Jahren erste Ausstellungen in Frankfurt und Wiesbaden bei Christa Möhring. Der Kunstkritiker Hanno Reuter wird auf ihn aufmerksam, veröffentlicht seine Bilder und schreibt über ihn in der Frankfurter Rundschau.Als die Lehre zu Ende ist, geht Wolfgang Kunz zu Otto Steinert an die Folkwangschule in Essen. Da aber Steinert inzwischen den Schwerpunkt in seiner Lehre auf Gebrauchs- und Illustrationsphotographie legt, wechselt er nach einem Jahr nach Darmstadt zu Kilian Breier, dem ersten Assistenten von Otto Steinert und vorher 1947/1948 Schüler von Karl Kunz in Saarbrücken. Aber auch die Werkkunstschule in Darmstadt wird ihm zu eng und die Zielsetzung von Kilian Breiers Unterricht zu sehr der Grundlehre verpflichtet. Wieder wechselt er die Schule und suchte diesmal keinen >>Lehrer<<, sondern einen Ort, wo man ihn in Ruhe arbeiten lässt, den er an der HDK Lerchenfeld in Hamburg findet. Hier widmet er sich immer mehr einem für ihn neuen Thema: Dem Menschen. Darin unterstützt wird er durch den „stern“-Photographen Thomas Höpker, den er 1965 in Hamburg kennen lernt und in dessen Labor er arbeitet. Wolfgang Kunz beschließt, sich ganz der Reportagephotographie zuzuwenden und geht 1966 mit seiner neu erworbenen Leica zuerst nach Holland und dann für ein Jahr nach London.Auf Grund seiner Bilder aus „swinging London“ nimmt ihn 1967 Rolf Gillhausen in seine Photographen-Crew des „stern“ auf. Es folgen zahlreiche Reisen und Reportagen, vom Dorf in Niedersachsen bis zum Krieg in Vietnam. Aber auch hier wird es ihm bald zu eng und 1970 verlässt er den „stern“ und arbeitet seitdem als freischaffender Photograph, der klassischen Reportage verpflichtet. 1983 gründet er zusammen mit 14 Kollegen in Hamburg nach dem Vorbild von „magnum“ die Agentur „Bilderberg“. Seit 1995 lebt Wolfgang Kunz in Berlin.Alle Arbeiten in dieser Ausstellung stammen aus den Jahren 1960 bis 1965 und werden hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Vernissage ist am Donnerstag, 2. April 2009, um 19 Uhr in der Galerie im Forum der Kreisverwaltung in Homburg.Photographie zur Zeit des Jugendstils Die zweite große Ausstellung im Rahmen der CP ist die bereits erwähnte Ausstellung „Photographie zur Zeit des Jugendstils – die Gebrüder Hilsdorf“, die ab dem 15. Mai 2009 im Stadtmuseum in Zweibrücken gezeigt wird. Die „Welt“ schrieb über die Ausstellung, die zuvor in anderer Zusammenstellung in München zu sehen war:„Man musste schon einigermaßen berühmt sein, damit die Münchner Stadtväter den eigenen Namen in einem Straßennamen verewigten. Nicht minder prominent musste man sein, um von Theodor Hilsdorf (1868 bis 1944) fotografiert zu werden. So verwundert es nicht, dass exakt 115 Straßen in München nach Persönlichkeiten benannt sind, die dem königlich-bayerischen Hoffotografen Modell standen.Wie umfangreich Hilsdorfs berühmte Klientel war, lässt sich nur noch erahnen, denn bei einem Bombenangriff Anfang 1945 wurden sein Atelier und Archiv mit 100 000 Negativen in der Schwabinger Amalienstraße zerstört. Nach mehrjährigen Recherchen (vor allem durch Franz Toth) konnte das Münchner Stadtmuseum dennoch rund 600 Originalabzüge zusammentragen…Schon ihr Titel "Münchner Kreise" verdeutlicht, dass Hilsdorfs Kunst sich der guten Gesellschaft widmete: Prominenten aus Adel, Kultur, Politik und Wissenschaft. So ist im ersten Stock des Hauses am Jakobsplatz das Who's who einer untergehenden Epoche kurz vor der Revolution zu sehen. In erster Linie sind es Porträts männlicher Stützen der Gesellschaft, großbürgerliche Charakterköpfe und Geistesgrößen; nur ein paar Damen aus dem Geschlecht der Wittelsbacher und Künstlerinnen wie Margarethe von Brauchitsch fanden den Weg vor die Kamera des erfolgreichen Fotografen.Sein Geld verdiente Hilsdorf sicherlich mit seiner Prominenten-Fotografie. Umso erstaunlicher sind ein paar Serien, die ihn als Dokumentaristen ausweisen. So hielt er den mühsamen Bau der Zahnradbahn auf den Wendelstein fest, gab mit Impressionen aus der Tabakmanufaktur Dall'Armi Einblick in ein mittelständisches Unternehmen der Gründerzeit und versuchte sich an Landschaftsstudien.Seine Blütezeit erlebte das Schwabinger Fotoatelier um 1900, also in der Prinzregentenzeit. Theodor Hilsdorf war 1890 aus Bingen am Rhein nach München gekommen, hatte die Tochter des bekannten Fotografen Müller geheiratet und die "Photographische Kunstanstalt" unter dem Namen "Müller-Hilsdorf" übernommen. Schon bald war seine Lichtbildwerkstatt erste Adresse der führenden Kreise; freilich akquirierte Hilsdorf auch gründlich, indem er begann, Berühmtheiten gezielt anzuschreiben, Bildproben beizulegen und um einen Porträttermin zu bitten. Schon bald florierte das elegante Studio mit Salonatmosphäre, und es gehörte zum guten Ton, dem Meister Modell zu sitzen.“Soweit die „Welt“ über die Hilsdorfer. Vernissage dieser Ausstellung im Zweibrücker Stadtmuseum ist am Freitag, 15. Mai 2009, um 18 Uhr.Epilog in der HBK Als Epilog zur CP ist die Ausstellung mit Arbeiten des Malers Karl Kunz zu zählen, die Ende August in der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken gezeigt wird. Diese Ausstellung steht im direkten Kontext zur Ausstellung seines Sohnes Wolfgang Kunz in Homburg. Ein gemeinsamer Katalog zeigt, wie sehr die Malerei des Vaters Karl Kunz die Photographie des Sohnes Wolfgang Kunz – und umgekehrt – beeinflusst hat. Karl Kunz war Dozent an der Werkkunstschule in Saarbrücken und ein enger Freund von Otto Steinert, dessen subjektiver Fotografie die CP 2006 gewidmet war. Wolfgang Kunz studierte kurze Zeit bei Steinert, womit der Kreis zur Classic Photography geschlossen ist. In der Ausstellung mit großformatigen Wandgemälden und Zeichnungen in der HBK in Saarbrücken sind unter anderem zwei Entwürfe zu sehen, die Karl Kunz für die Universitätskliniken in Homburg geschaffen hatte, die aber leider nie umgesetzt wurden und nun erst durch diese Ausstellung den Weg zurück ins Saarland finden.Ein Besuch der CP 2009 in Homburg lohnt also auf jeden Fall.Kooperation mit den Pirmasenser Fototagen Zudem kooperiert die Classic Photography in diesem Jahr mit den von 29. Mai bis 21. Juni 2009 stattfindenden Pirmasenser Fototagen, die mit zahlreichen Ausstellungen, Workshops und Events rund um die Photographie sicherlich wieder viele Photofreunde in West- und Saarpfalz locken wird.

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