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Klassische Photographie ewig jung

Pinhole-Kamera auf Reisen: Lichtspuren auf der Autobahn und Flusslandschaft
Fotos: CP 2009 / Fritz Saller

Die „Classic Photography 2009“ findet auf Einladung des Saarpfalz-Kreises am 23. und 24. Mai wieder in Homburg statt. Unter dem Motto „Schnittstellen“ werden Vorträge und Foren angeboten; parallel dazu werden sechs Ausstellungen zu sehen sein, alle zentriert auf die klassischen Elemente der Fotografie.

Am 23. und 24. Mai treffen sich im Forum in Homburg wieder zahlreiche Fotofreunde und Fotografiebegeisterte, um höchst informative und unterhaltsame Stunden rund um das Thema Photographie zu verbringen. Die beiden Tage bieten Vorträge und Diskussionen, wobei die klassische, analoge Photographie im Vordergrund steht, neueste Trends im digitalen Bereich aber ebenso einfließen werden. Alles bei freiem Eintritt.

Vier Ausstellungen parallel im Forum
Das Tagungsprogramm der CP startet am 23. Mai um 10 Uhr mit der Eröffnung von vier Ausstellungen, die an beiden Tagen gleichzeitig in Homburg zu sehen sind. Zum einen zeigen die Mitglieder der Schwarz/Weiß-Arbeitsgemeinschaft Süd, die schon zweimal in Homburg zu Gast waren und immer wieder durch ihre erstklassigen Arbeiten überzeugen, ihre neusten Werke. Die zweite Ausstellung, die – wie die anderen Ausstellungen auch – im Sitzungstrakt des Forums präsentiert werden, zeigt Arbeiten aus dem Pinhole-Projekt (Lochkamera) aus Bayern. Die ausgestellten Exponate sind allesamt mit einer Lochkamera aufgenommen. Durch die minuten- oder stundenlangen Belichtungszeiten bei solchen Kameras, die ohne Objektiv und nur mit kleinsten Blendenöffnungen das Licht einfangen, entstehen wundervolle Aufnahme, die der Zeit entrückt scheinen.

Ausstellung Nummer drei zeigt Arbeiten der Gesellschaft für Edeldruckverfahren. Diese Gesellschaft wurde 1995 in Köln mit dem Ziel gegründet, die Verbreitung und Nutzung der klassischen photographischen Verfahren zu fördern. Die verschiedenen Edeldruckverfahren unterscheiden sich erheblich. Gemeinsam ist ihnen allerdings die Tatsache, dass sie zwar eine höhere Bearbeitungszeit erfordern, dafür aber einen erheblichen Gewinn an gestalterischen Freiräumen und bildlicher Aussagekraft gewähren. Mitglieder der Gesellschaft zeigen einige ihrer eindrucksvollen Werke und erklären deren Entstehung.

Die vierte Ausstellung, die an diesem Tag kollektiv eröffnet wird, zeigt Bilder der Bunkeranlage Valentin in Bremen. Rüdiger Lubricht, der in der Galerie im Forum schon Bilder aus Tschernobyl präsentierte, zeigt diesmal in klassischen schwarz-weiß Aufnahmen Eindrücke aus der Bunkeranlage, die 1943 bei Bremen errichtet wurde. Auf mehr als vierhundert Metern Länge ragen die Mauern aus Stahl und Beton dreißig Meter hoch auf – geplant für die Ewigkeit und heute wirklich nicht mehr sprengbar. Hier sollten einst U-Boote gebaut werden. Unter größtem Zeitdruck und ohne Rücksicht auf Menschenleben wurde an dieser Anlage gearbeitet. 4 000 Menschen, größtenteils Häftlinge aus Zwangsarbeiter- und Konzentrationslagern, starben auf der Baustelle. Rüdiger Lubricht: „Übrig geblieben ist ein Relikt, das bei der Betrachtung die widersprüchlichsten Gefühle auslöst. Die Monumentalität der erstarrten Allmachtsphantasien bricht sich an der Rohheit der nicht mehr vollendeten Mauern, und die schiere Größe der verbunkerten Werft kann den Schecken des Krieges nicht verdrängen.“ Mit dieser Ausstellung wird das Projekt „Vestiges“ von Martin Blume und Douglas Isaac Busch, die Burg- und Bunkeranlagen in der Pfalz und im Südwesten der Vereinigten Staaten photographierten, konsequent bei der CP weiter geführt.

Vorträge von Experten
Doch nicht nur die Ausstellungen stehen im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages. Um die Bilder der Edeldrucker besser verstehen zu können und ihre technischen Spezifikationen zu erfahren, werden Torsten Grüne und Andreas Emmel von der Gesellschaft für Photographische Edeldruckverfahren einen Vortrag halten. Die drei folgenden Vorträge befassen sich auch mit photographischen Techniken: So wird Jürgen Heiland neue Materialien für die Dunkelkammer vorstellen; Erich Baier referiert aus seinen neusten Buch, in dem analoge und digitale Techniken im Mittelpunkt stehen; und schließlich wird Wolfgang Moersch aus seinem unendlich scheinenden Erfahrungsschatz plaudern und altbekannte wie neue Entwickler und Photopapiere kritisch beleuchten.

Mit dem letzten Vortrag des ersten Veranstaltungstages leitet Franz Toth zu einem Museumsbesuch über. Franz Toth, den Besuchern der CP 2006 als Photograph bekannt, zeigt sich diesmal als Photohistoriker. Seiner Recherche-Arbeit ist es zu verdanken, dass die Brüder Hilsdorf in der Photogeschichte einen festen Platz bekamen. Franz Toth hat eine Reihe Originalaufnahmen gefunden und zu einer eindrucksvollen Ausstellung zusammengetragen, die seit dem 15. Mai im Stadtmuseum in Zweibrücken im Rahmen der CP gezeigt wird. Im Anschluss an seinen Vortrag ist deshalb ein Besuch der Ausstellung in Zweibrücken eingeplant, womit auch der erste Tag der Classic ausklingen wird.

Ursprüngliches Photographieren
Am Sonntag geht es schon um 10 Uhr weiter im Programm. Fritz Saller wird den Teilnehmern das Pinhole-Projekt vorstellen. Die Arbeit mit der Lochkamera hat mittlerweile weltweit Freunde gefunden. Bei diesem Projekt aus dem Bayerischen geht es auch darum, Menschen für diese Art der Photographie zu begeistern. Deshalb steht neben der Theorie auch die Praxis im Vordergrund: Interessierte können sich eine Lochkamera ausleihen und ein Bild belichten, das dann im Pinhole-Projekt Aufnahme finden kann.

Einen hoch spannenden Vortrag wird zum Abschluss der CP 2009 Mirko Boeddecker halten. Er beleuchtet das Thema „Gibt es noch einen analogen Markt?“ Und so geht er auf die Zukunft der industriellen Produktion von Photomaterialien ein, zeigt auf, was es Neues gibt und wo Altes wieder aufgelegt wird. Die CP 2009 endet dann gegen Mittag.

Ergänzend zu den Vorträgen, Diskussionen und Ausstellungen sind an beiden Tagen Infostände der Firmen Heiland, Moersch und Foto Impex aufgebaut, die gerade für die klassische analoge Photographie viel Interessantes bieten.

Wolfgang Kunz in Homburg
Neben den Ausstellungen, die über die zwei Veranstaltungstage laufen, sind noch weitere Ausstellungen im Rahmen der CP in der Region zu sehen. Seit 2. April läuft die Ausstellung „Wolfgang Kunz – Fotografien 1960 bis 1965“ in der Galerie im Forum in Homburg an.

Die zweite große Ausstellung im Rahmen der CP ist die bereits erwähnte Ausstellung „Photographie zur Zeit des Jugendstils – die Gebrüder Hilsdorf“, die seit 15. Mai 2009 im Stadtmuseum in Zweibrücken gezeigt wird. Als Epilog zur CP ist die Ausstellung mit Arbeiten des Malers Karl Kunz zu zählen, die Ende August in der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken gezeigt wird.

Kooperation mit den Pirmasenser Fototagen
Zudem kooperiert die Classic Photography in diesem Jahr mit den von 29. Mai bis 21. Juni 2009 stattfindenden Pirmasenser Fototagen, die mit zahlreichen Ausstellungen, Workshops und Events rund um die Photographie sicherlich wieder viele Photofreunde in West- und Saarpfalz locken wird.

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