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Ausstellung Jüdische Friedhöfe im Saarland: „Gelöst ist die Schnur – gebrochen das Band“.

Im Kuppelsaal des Rathauses der Stadt St. Ingbert wird die Ausstellung Jüdische Friedhöfe im Saarland vom 12. Juni bis 10. Juli gezeigt. Die Ausstellungseröffnung ist am Mittwoch, 10. Juni, um 18 Uhr .

Die 16 noch erhaltenen jüdischen Friedhöfe im Saarland, darunter der älteste in Sötern/Bosen, der seit 1650 bestand, und auch der Friedhof in St. Ingbert, der erst 1888 eingerichtet wurde, gehören zu den wenigen Zeugnissen jüdischer Kultur, die im Saarland noch erlebbar sind. Leider zeigen die immer noch verübten Zerstörungen und Schändungen von Friedhöfen und Grabsteinen, dass es vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein erhebliches Defizit an Wissen über die jüdische Religion und über jüdisches Gemeindeleben gibt.

Jüdisches Leben in St. Ingbert begann im Jahre 1811 mit dem Zuzug von Mendel Beer sen. Dieser ersteigerte am 13. Mai 1811 ein Wohnhaus in der Blieskasteler Straße. Eine eigene Synagoge errichtete die Synagogengemeinde 1875 an der Ecke Josefstaler Straße/In den Staugärten. Da sie im September 1936 an die Stadt St. Ingbert verkauft wurde, entging sie als eine der wenigen in Deutschland der Zerstörung am 9. November 1938. Heute ist das Synagogengebäude im Besitz der Protestantischen Kirchegemeinde, die in ihr ein religionspädagogisches Zentrum unterhält.

Bis Oktober 1885 wurden die Verstorbenen auf dem jüdischen Friedhof in Blieskastel beigesetzt. Die jüdische Kultusgemeinde versuchte mehrfach die Einrichtung eines eigenen Friedhofs in St. Ingbert. Ein altes Stadtratsprotokoll vom 27. Mai 1886 gibt Aufschluss über die Errichtung eines jüdischen Friedhofs in St. Ingbert. Darin heißt es: „Zur Herstellung eines Friedhofs für die Israeliten in St. Ingbert soll der Acker der Witwe von Peter Stief, rechts der Kapelle, um den Preis von 300 Mark erworben werden. Der Friedhof wird 10 Meter breit und 20 Meter tief angelegt. Mit der Herstellung soll sofort begonnen werden.“ Der jüdische Friedhof blieb städtisches Eigentum und unterlag deshalb einem gewissen Schutz. Dies änderte sich während des Zweiten Weltkrieges. In einem Schreiben vom 24. September 1942 teilte Bürgermeister Dr. Norbert Schier dem Bauamt mit, dass „fast sämtliche Grabmäler am Boden liegen.“ Die Grabsteine wurden im benachbarten Steinbruch eingelagert. Die Grabstellen wurden eingeebnet und dienten als Kartoffelacker. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beschloss der Stadtrat im August 1947 die Instandsetzung und die Wiedererrichtung der alten Grabsteine, wofür er auch Geldmittel bereitstellte.

Die Ausstellung „Jüdische Friedhöfe im Saarland“, konzipiert, erarbeitet und erstellt vom Landesdenkmalamt und dem Verein „Freundeskreis zur Rettung jüdischen Kulturgutes im Saarland“, führt mit zahlreichen Tafeln in die jüdischen Toten- und Bestattungsrituale sowie in die Grabsteinornamentik und -symbolik ein und stellt sodann die einzelnen Friedhöfe im Saarland vor. Bürgermeister Rainer Hoffmann eröffnet am Mittwoch, 10. Juni um 18 Uhr im Kuppelsaal die Ausstellung. Prof. Herbert Jochum von der Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes wird eine Einführung geben.

Zu sehen ist die Ausstellung im Kuppelsaal des Rathauses der Stadt St. Ingbert vom 12. Juni bis 10. Juli 2009, montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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St. Ingberter Anzeiger ·
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