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Medizinisch-Psychologische Untersuchung – Was steckt dahinter

Saarbrücken. So abenteuerlich die Behauptungen rund um die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) auch sein mögen: Sie folgt klaren Regeln und ist alles andere als willkürliche Schikane. „Allerdings passt sie sich dem Einzelfall an und ist deshalb selten gleich“, sagt Axel Uhle, Gebietsleiter bei TÜV SÜD Pluspunkt in Saarbrücken.

Konkreter Grund – individuelle Untersuchung
Die Untersuchung bezieht sich immer auf einen konkreten Anlass. Die Behörde formuliert eine bestimmte Frage, die mit dem konkreten Vergehen im Verkehr zu tun hat. Zum Beispiel: „Ist zu erwarten, dass Herr XY erneut ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss fahren wird?“ An dieser Frage richtet sich die Untersuchung aus. Ein Kandidat, der mit 1,6 Promille Alkohol im Blut einen Unfall verursachte, wird also anders befragt und untersucht als jemand, der durch zu schnelles Fahren mehr als 18 Flensburg-Punkte auf dem Konto gesammelt hat.

Ein Strafdelikt geht immer voraus
„Wer zur MPU geht, musste den Führerschein aus Gründen abgeben, die mit einem Kavaliersdelikt nichts mehr zu tun haben“, merkt Axel Uhle an. Es geht immer um erhebliches Fehlverhalten, also zum Beispiel um eine sehr hohe Promillezahl oder häufiges zu schnelles Fahren. Schönfärben, Rausreden oder die Mitleidstour nützen deswegen wenig.
Die Untersuchung basiert auf wissenschaftlichen Methoden und konzentriert sich auf Einstellungen und Verhaltensweisen, die das Fahren betreffen. Das persönliche Gespräch mit dem Psychologen bildet den Schwerpunkt der Untersuchung. Den Psychologen interessiert vor allem, ob sein Gegenüber sein Fehlverhalten einsieht, sich mit den Ursachen auseinander gesetzt hat und aktiv die richtigen Konsequenzen zieht – also sein Verhalten ändert. Weitere Tests prüfen die Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit sowie die Reaktionsgeschwindigkeit. Sie werden vom größten Teil der Untersuchten völlig problemlos absolviert.

Gutachten ist kein „Buch mit sieben Siegeln“
Niemand ist der Willkür ausgeliefert: Das Gutachten ist allgemeinverständlich abgefasst, in seinen Argumenten nachvollziehbar und wissenschaftlich nachprüfbar. Das wird von der Führerscheinbehörde auch dementsprechend geprüft.

Dolmetscher bei Sprachbarrieren
Wer die deutsche Sprache nicht gut genug beherrscht, sollte einen beeidigten und öffentlich bestellten Dolmetscher hinzu ziehen. Zugelassene Dolmetscher stellt die Begutachtungsstelle. Eigene Familienmitglieder oder Freunde dürfen nicht dabei sein.

Positives oder negatives Gutachten und Nachschulungskurse
Wenn das Gutachten positiv ausfällt und von der Behörde akzeptiert wurde, wird die Fahrerlaubnis von der Führerscheinstelle neu erteilt. Fällt es negativ aus, kann eine weitere MPU absolviert werden. Hinweis von Uhle von TÜV SÜD Pluspunkt: „Dazu sollte sich der Kandidat aber unbedingt intensiv mit den Gründen seines Scheiterns auseinander setzen. “Wenn die Psychologen eine Nachschulung empfehlen (in etwa 15 Prozent der Fälle), kann über einen solchen „Kurs zur Wiederherstellung der Fahreignung“ nach rund vier Wochen der Führerschein wieder in Empfang genommen werden.

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