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Dienstag, 17. Oktober 2017 · sonnig  sonnig bei 14 ℃ · Kirmes in St. Ingbert – FamilientagSonderveranstaltung der KinowerkstattWarmwasserbereitung mit Strom ist teuer!

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Kinowerkstatt-Programm vom 18.-21. September

Blickpunkt Iran: Iranisches Kino zur Lage der Nation.
Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49.

Das iranische Kino hat nach der islamischen Revolution einen enormen Aufschwung genommen. 60 bis 70 neue Filme entstehen jährlich im Land der Mullahs. Iranische Regisseure stellen erfolgreich ihre Werke auf zahlreichen internationalen Festivals vor. Unsere kleine Reihe bietet einen Überblick über die Geschichte des iranischen Kinos als Spiegel der Gesellschaft des Landes und eröffnet die Möglichkeit zu Begegnungen und Gesprächen zwischen Iranern und Deutschen.
Besonders ans Herz legen möchten wir Ihnen die Dokumentation MADE IN IRAN , die zur Eröffnung läuft und einen vorzüglichen Einblick in das iranische Filmschaffen und dessen politische und gesellschaftliche Bedeutung gibt. Anhand der vielfältigen Beispiele und Fakten werden Zusammenhänge deutlich, die selbst für Experten des Iranischen Kinos Neues bieten.
Aktuell erfährt man in den Nachrichten zwar viel über Iranflüchtlinge allgemein – persönlich erlebbar wird das Schicksal der Flüchtlinge in dem atemberaub-enden Spielfilm EIN AUGENBLICK FREIHEIT. Um Allen die Möglichkeit zu geben, diesen tollen Film zu sehen, zeigen wir ihn an zwei Terminen.

Film mit anschließendem Imbiss:
Made in Iran
Dokumentarfilm, Frankreich 2006,
Regie: Nader T. Homayoun
Der Dokumentarfilm behandelt die zeitgenössische Geschichte des Iran anhand des einheimischen Filmschaffens. Neben zahlreichen Ausschnitten aus sehr unterschiedlichen Werken des iranischen Kinos zeigt er Gespräche mit bedeutenden iranischen Regisseuren sowie Archivmaterial aus Spiel- und Fernsehfilmen über die wichtigsten historischen Ereignisse des Landes. Eine Kinogeschichte die trotz Zensur und Restriktionen ein Spiegel der iranischen Gesellschaft ist.
Eine Filmgeschichte geprägt durch die Zeit des Schah, die Iranische Revolution von 1979, den Krieg mit dem Irak, die aber auch immer den Alltag und die sozialen Probleme der Menschen zum Thema hat. Neben zahlreichen Ausschnitten aus sehr unterschiedlichen und zum Teil sehr überraschenden – im Westen noch nie gezeigten Werken des iranischen Kinos – vom Musical-Film über Krimis hin zu James Bond-Parodien, zeigt sie Gespräche mit bedeutenden iranischen Regisseuren wie Mahsen Makhmalbaf, Dariush Mehrjui, Nosratollah Karimi, Jafar Panahi oder Amir Naderi sowie Archivmaterial aus Spiel- und Fernsehfilmen über die wichtigsten historischen Ereignisse des Landes.
Zu Wort kommen aber auch iranische Filmhistoriker und Filmkritiker sowie Politiker, die der Kulturpolitik des Iran ihren Stempel aufgedrückt haben. „Made in Iran“ ist eine Entdeckungsreise und Innenansicht einer Kinolandschaft.

Wir laden nach dem Film zu einem kleinen Imbiss ein. Serviert werden Produkte aus der Biosphärenregion Bliesgau vom Ziegenhof am Römerturm in Erfweiler-Ehlingen.
Eintrittspreise: 2,50/ 3.-/ 4.- Euro
Imbiss gegen Spende

Ein Augenblick Freiheit
A/F 2008. Regie: Arash T. Riahi.
Mit Navid Akhavan, Pourya Mahyari. 110 Min.
„Ein Augenblick Freiheit“ ist nicht nur ein aufwühlendes Drama, das aus den Realitäten von Flüchtlingen schöpft, sondern auch exzellentes dramaturgisches Erzählkino, in dem viel gelacht und geweint werden kann. Das gelingt vor allem durch die großartigen Darsteller, die sich mit Leichtigkeit in die Herzen der Zuschauer spielen. Riahi hält gekonnt die Balance zwischen einer universellen Leichtigkeit des Seins und dem politisch schwer verdaulichem Thema des Flüchtlingsdaseins. Er gibt den Schicksalen Gesichter, die man so schnell nicht vergessen wird. „Wenn ich zeige, was Leute auf sich nehmen, um zu uns zu kommen, dann muss jedem klar sein: Die machen das nicht zum Spaß! Sie müssen das Recht haben, ihren Träumen nachzugehen.“ Flucht als Thema eines atemberaubenden Spielfilms: Der Regisseur Arash T. Riahi (34) lebt und arbeitet in Wien, und er weiß genau, wovon er erzählt. Riahi ist schon mit neun Jahren aus dem Iran nach Österreich gekommen. Sein Vater war bereits unter dem Schah im Gefängnis, weil er kritische Artikel verfasst und Bücher besessen hatte, und das spätere rigide Regime war der Familie unerträglich. Die Flucht nach Österreich hat Riahi immer noch in traumatischer Erinnerung. Seine beiden jüngeren Geschwister mussten zurückbleiben und konnten erst später auf komplizierten Wegen nachkommen – ein typisches Schicksal. In „Für einen Augenblick Freiheit“, seinem Spielfilmdebüt, zeichnet Riahi die Geschichte einer Gruppe von Menschen nach, die in den Westen wollen, auf der Flucht vor politischer Verfolgung und unerträglichen Lebensbedingungen. Vorlage ist zum Teil die Geschichte seiner eigenen Geschwister, die als kleine Kinder von Freunden aus dem Iran in die Türkei geschmuggelt wurden, in einem lebensbedrohlichen Gewaltakt über die verschneiten Berge des Iraks und der nördlichen Türkei. Auch die anderen Figuren beruhen auf wahren Geschichten, die Riahi im Zuge seiner Recherchereisen erzählt bekam.

Reich des Bösen – Fünf Leben im Iran
Deutschland/Iran 2007; Regie: Mohammad Farokhmanesh; Farbe, 90 Minuten Der Wahl-Hamburger Mohammad Farokhmanesh erzählt in seiner Dokumentation von einem gespaltenen Leben, einem Leben zwischen Müssen und Wollen. Er hat die iranische Hauptstadt Teheran besucht und porträtiert fünf von vielen Lebensrealitäten, er geht auf die Schwierigkeiten genauso ein wie auf die angepassten Biographien einer modernen islamischen Gesellschaft zwischen Vorurteilen, Identitätsfindung und Frustrationen. In seiner Dokumentation „Reich des Bösen – Fünf Leben im Iran“ versucht er, diese Vorurteile zu zerstreuen und ein differenziertes Bild von der Lage in dem Land zu geben, das seit der Revolution von 1979 von muslimischen Klerikern regiert wird. Setayesh ist leidenschaftliche Sportlerin, bei ihren Fechtwettbewerben muss sie einen schweren Mantel tragen, um den Moralvorschriften des Regimes Rechnung zu tragen. Herr Meidani, ein Prediger, der auch eine Sprachschule betreibt, verteidigt die hohe Stellung der Frau im Islam. Mahtab, die Sängerin sein möchte und eine CD eingespielt hat, kann das konkret nicht nachvollziehen. Mit dem frommen Abbas und dem Mädchen Golsa vervollständigt sich diese Bestandsaufnahme aus einem Land, in dem die Religion ernst genommen wird, aber der Freiheit der Frauen deprimierend enge Grenzen gesetzt werden.

Letters to the President
Regie: Petr Lom. Kanada, Iran 2009, 74 Min.
Die Iraner haben seit Ahmadinedschads Amtsantritt 2005 zehn Millionen Bitt-Briefe an den obersten Diener des Volks geschickt. „Letters to the President“ zeigt, wie Irans Präsident die Massen manipuliert. Die Iraner haben seit dessen Amtsantritt 2005 laut offiziellen Angaben zehn Millionen Briefe an den obersten Diener des Volks geschickt. Jeder will einen kennen, dem der Präsident geantwortet hat. Manchen in Not Geratenen habe er mit Darlehen geholfen, sagen die Leute. Das muss er auch, denn unter seiner Regierung blüht die Korruption, während die Wirtschaft am Boden liegt und die Inflation wuchert. Die Leute sehen für ihre Kinder keine Zukunft, das Fleisch ist viel zu teuer.

Der Film zeigt das Zentrum, das der Präsident hat einrichten lassen, um all die Briefe zu bearbeiten. Als Sachbearbeiter fungieren treue Töchter und Söhne der Revolution, die stolz sind, sich hier aufopfern zu dürfen. Es ist viel Arbeit, und sie belastet. Denn an diesem Ort offenbart das iranische Volk seine Sorgen, von denen es im Überfluss zu haben scheint. „Letters to the President“ macht deutlich, dass das Hauptziel dieser Einrichtung, zu der auch ein Call Center gehört, die Propaganda ist. Er zeigt die Arroganz mancher Mitarbeiter und die Verzweiflung der Leute, die mit leeren Händen wieder gehen. Es kommen Menschen zu Wort, die vergeblich auf Antworten warten.

Während auf dem Land der Stern des Präsidenten trotzdem hell strahlt, wissen die Teheraner Bescheid. Sie lassen sich von Ahmadinedschad nicht hereinlegen, manche äußern sogar unverhohlen Hass auf die Theokratie und Häme über deren idiotische Vorstellungen vom richtigen Leben.

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St. Ingberter Anzeiger ·
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