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Hilfen für Kinder suchtkranker Eltern

Suchtmittelgebrauch ist ein weit verbreitetes, alle Schichten und nahezu alle Altersgruppen durchdringendes gesellschaftliches Phänomen. Verlieren Menschen die Kontrolle über ihr Konsumverhalten und werden sie süchtig, schädigen sie zumeist nicht nur sich selbst, sondern ziehen auch ihre Mitmenschen in Mitleidenschaft – vor allem in der Familie.

Insbesondere Kinder sind dann großen Belastungssituationen ausgesetzt und erleben ihre Eltern teilweise als unzuverlässig und unberechenbar. Kinder mit solchen Erfahrungen sind überall zu finden: in Kindertageseinrichtungen und Schulen, in Vereinen und in der Nachbarschaft, in der Jugendhilfe und in Freizeiteinrichtungen.

Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien stehen in signifikant höherer Gefahr, selbst im Laufe ihres Lebens ein Suchtverhalten auszuprägen als andere Kinder. Experten sprechen von einem bis zu 6fach höheren Risiko. Auch die Gefahr, an anderen psychischen Störungen wie Angst, Depression, Persönlichkeitsstörungen zu erkranken, ist deutlich erhöht. In Deutschland sind etwa 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche von der Suchterkrankung eines oder beider Elternteile betroffen, jedes 12. Kind lebt dauerhaft in einer suchtbelasteten Familie.

Entscheidend für die Entwicklung eigener Störungen der Kinder ist, wie lange, in welcher Form und wie häufig sie dem süchtigen Verhaltens der Eltern ausgesetzt sind. Daher ist es wichtig, den Kindern so früh wie möglich Hilfen zur Verfügung zu stellen, um präventiv wirksam zu sein und erste auftretende Störungen direkt behandeln zu können.

Hier setzt das Projekt „Wiesel – Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien “ an, das am 30. November im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es hat zum Ziel, Kindern und Jugendlichen in Gruppenangeboten Raum zu schaffen, sich in vertrauensvoller Umgebung mit Gleichbetroffenen über die Probleme im familiären Umfeld auszutauschen und so Entlastung zu erfahren. Eigene Wünsche und Bedürfnisse, die oft durch die Suchtdynamik des Elternhauses in den Hintergrund gedrängt wurden, sollen wahrgenommen und ausgedrückt werden. Kreativangebote und freizeitpädagogische Maßnahmen ergänzen und fördern das Gemeinschaftserleben in der Gruppe. „Wir wollen die Lebenskompetenzen der Kinder und Jugendlichen erweitern, um so die Entwicklung von Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung zu begünstigen“ betont Dr. Horst Arend, Leiter der Beratungsstelle „Die Brigg“ in Neunkirchen, unter deren Federführung das Projekt durchgeführt wird.

Aber auch die Eltern werden angesprochen. Beratungsgespräche sollen sie in ihrer elterlichen Rolle und Verantwortung stärken. Ohne Schuldgefühle zu provozieren soll ihre Wahrnehmungsfähigkeit für die Betroffenheit ihrer Kinder geschärft und die häufige Annahme, die Kinder bekämen von der Suchtverhalten der Eltern nichts mit, widerlegt werden.

Dritte Zielgruppe des Projektes sind Fachkräfte und Multiplikatoren aus Jugendhilfe und -arbeit, der Suchthilfe, Erziehungsberatungsstellen und anderen jugendspezifischen Anlaufstellenstellen. „Wiesel bietet Informations- und Fortbildungsveranstaltungen an und erstrebt die Bildung eines regionalen Netzwerkes von Personen und Institutionen, die mit betroffenen Familien bereits Kontakte haben. Die Zusammenarbeit der Hilfesysteme soll so transparenter gestaltet und optimiert werden“ erläutert Projektmitarbeiterin Corinna Oswald, die derzeit das erste Gruppenangebot für Kinder und Jugendliche vorbereitet. Start soll im Januar 2010 sein.

Das Projekt Wiesel sei eine gute Ergänzung bereits im Saarpfalz-Kreis bestehender Beratungs- und Präventionsangebote für Menschen mit Suchtproblemen erläuterte Landrat Clemens Lindemann. In Anwesenheit von Andreas Heinz, Leiter der Suchtberatung der Caritas im Saarpfalz-Kreis, und Kai Frisch als Vertreter der Präventionsfachstelle Praesent der Arbeiterwohlfahrt, betonte er den Kooperations- und Vernetzungsgedanken des Projektes. Es sei gelungen, in einem über die Kreisgrenze hinaus gehenden Zusammenwirken mit den Landkreisen Neunkirchen und St. Wendel die von der „Aktion Mensch“ gewährte Projektbezuschussung so zu ergänzen, dass das Projekt Wiesel bis Oktober 2011 erprobt werden könne. „Wir sehen in dem Projekt Wiesel eine sinnvolle Ergänzung anderer jugendhilfespezifischer Angebote des Saarpfalz-Kreises. Insofern passt es sehr gut zu unserer auf Prävention und die Gewährung früher Hilfen ausgerichteten Unterstützung für Kinder, Jugendliche und deren Eltern“, betonte Landrat Lindemann abschließend.

Interessierte wenden sich an:
Dipl.Psych. Corinna Oswald, Projekt Wiesel, Hüttenbergstr. 42, 66538 Neunkirchen, Tel: 06821 – 920940 (oder 920926).
Auskunft erteilen auch bei der Kreisverwaltung in Homburg Hans-Josef Daubaris, Telefon 06841/104-125 und Norbert Höchst, Telefon 06841/ 104-220.
Alle Anfragen werden vertraulich behandelt.

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St. Ingberter Anzeiger ·
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