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Lesung in der Stadtbücherei: Hungerkünstler Grotesk und Makaber

Unter diesem Motto steht ein Abend der schönen Literatur, zu dem das Sankt Ingberter Literaturforum und die Stadtbücherei Sankt Ingbert einladen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Europäischen Jahres gegen Armut und gegen soziale Ausgrenzung statt. Die an diesem Abend vorgetragenen Texte sind nicht nur großartige Literatur, sondern sie enthalten auch sozialpolitische Anregungen. Um die Realität wiederzuspiegeln, greifen manche Schriftsteller zum Mittel der Übertreibung. Kafkas Text „Der Hungerkünstler“ ist eine Groteske. Die zum Vortrag kommende Satire von Jonathan Swift, bekannt als Verfasser von „Gullivers Reisen“, ist mehr als makaber. Der irische Autor (1667 – 1745) entfaltet darin – es handelt sich um eine fingierte Parlamentsrede – einen „moderaten Vorschlag“, wie mit den Kindern der Armen zu verfahren sei: damit sie der Gesellschaft nicht zur Last fallen.
Franz Kafka wird uns in der Schule als ein schwieriger, schwer verständlicher Autor präsentiert. „Eines unter vielen Verbrechen unserer Deutschlehrer“, wie Harald Köhl meint. Für ihn ist Kafka in vielen Texten ein Humorist und Komiker, der an Karl Valentin und Woody Allen denken lässt.
„Man versteht Kafka am besten, wenn man an der Sprachoberfläche seiner Texte bleibt und sich nicht verführen lässt zu tiefgründigem Interpretieren. Dann erwirbt man auch einen Sinn dafür, dass es sich bei ihm um einen der besten Stilisten in deutscher Sprache handelt. Seine Prosa ist klar und deutlich geschrieben, oft sind die Texte und die einzelnen Sätze kurz und knapp formuliert. Man vergleiche zum Kontrast nur viele der Texte Thomas Manns, die für die meisten von uns viel schwerer zu lesen sind.
Der ungarische Literaturtheoretiker Georg Lukacs, der in seinem Land politische Unterdrückung am eigenen Leib erfahren hat, meinte zum Beispiel: dass in Kafkas Roman „Der Prozess“ die Perversionen der modernen staatlichen Bürokratie auf unüberbietbare Weise zur Darstellung kommen. Ob es nun um die Bürokratie im Staatssozialismus oder in westlichen Demokratien handelt. Das soll (k)eine Empfehlung sein, Termine in unserem Rathaus und vor allem bei der ARGE nur noch mit dem Kafka-Buch in der Hand zu bestreiten.
Das Sankt Ingberter Literaturforum lädt zu dieser Veranstaltung in die Stadtbücherei Sankt Ingbert ein. Der Eintritt ist frei.
Info: Stadtbücherei Sankt Ingbert, Tel. 06894/9225 711

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017