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Otto Dix. Das druckgraphische Werk aus der Sammlung Karsch/Nierendorf Berlin


Otto Dix (1891 – 1969), einer der bedeutendsten deutschen Künstler die-ses Jahrhunderts, hat ein großes Oeuvre hinterlassen: Gemälde, Aquarel-le, Zeichnungen und ein druckgraphisches Werk, das allein mit 352 Titeln zu Buche schlägt.

Aus dem reichen Bestand der Sammlung Karsch/Nierendorf Berlin, die in ihrem Umfang wohl als einmalig gelten darf, wurde von der Berlinischen Galerie die Ausstellung für das Museum Sankt Ingbert zusammengestellt. Mit einer Auswahl von rund 150 Holzschnitten, Radierungen und Lithogra-phien präsentiert diese einen Werk umspannenden Querschnitt.

Im Zentrum stehen Radierungen aus der 50teiligen Folge „Der Krieg“, die Dix 1924 geschaffen hat. Mit der künstlerischen Bannung und Verdichtung der von ihm als Soldat an der Front durchlebten Schrecken befreite sich Dix von bedrückenden Bildern, die ihn verfolgten. „So ist es gewesen, ich habe es gesehen“, insistierte er auf der Tatsächlichkeit seiner Darstellun-gen, mit denen er die grauenhaften Verwüstungen des Krieges, die Zer-störungen der Natur und die furchtbare Verstümmelung der Menschen bezeugte.
Um den „Krieg“-Radierzyklus, ein Haupt- und Schlüsselwerk des Künst-lers, gruppieren sich Blätter, die von 1919 bis 1924 und von 1948 bis 1969 entstanden sind – in den Jahren, in denen sich Otto Dix der druckgraphi-schen Arbeit gewidmet hat. Begonnen hatte er 1919 mit Holzschnitten, 1920 wandte er sich auch der Radierung zu. Fast wörtlich übersetzte Dix Motive seiner Gemälde in die rein lineare Bildsprache seiner ersten Kalt-nadel- und Ätzradierungen. Mit Kriegskrüppel- und Dirnendarstellungen von illusionsloser Härte und drastischer Eindeutigkeit veranschaulichte er damals jene hässlichen und grausamen Seiten des Lebens, für die ihm der Krieg die Augen geöffnet hatte. Mit aggressiver Lust hielt er seinen Zeitgenossen ein – ins Groteske überzeichnetes – Spiegelbild vor. In gleichnishaften Bildern thematisierte er den naturgegebenen Gegensatz von ungeheuerlicher Vitalität und erschreckender Hinfälligkeit des Men-schen.
Nach dem II. Weltkrieg wird für Dix die Druckgraphik noch einmal zu ei-nem wichtigen Ausdrucksmittel, doch nimmt er weder technisch noch sti-listisch die in den zwanziger Jahren abgebrochene Arbeit wieder auf. Eine malerisch akzentuierte Lithographie und Farblithographie löst die Radie-rung ab. Das ehemals übergenau betonte, gegenständliche Detail fügt sich nun als expressive Chiffre in die Geschlossenheit der Komposition. Die Arbeiten werden versöhnlicher, beruhigter. Motive wie Landschaft und Stillleben kommen neu hinzu, doch nach wie vor gilt das Hauptinteresse von Dix dem Thema Mensch. In den letzten zwanzig Jahren seines Le-bens reist er alljährlich von seinem Wohnort am Bodensee nach Dresden, wo er in der Druckwerkstatt der Kunsthochschule lithographiert. Es ent-steht eine Reihe eindrucksvoller Portraits und Selbstbildnisse; auch setzt Dix sich nun mit biblischen Stoffen auseinander, in denen er menschliche Grundsituationen ins Bild- und Gleichnishafte übersetzt findet.

Zur Ausstellung wird ein Katalog (136 Seiten, 95 Abbildungen) angeboten.

Museum Sankt Ingbert
Am Markt 7
66386 St. Ingbert

Tel. 06894/13 352
Fax: 06894/13 530

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