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Bannwanderung Oberwürzbach mit historischen und geologischen Informationen

Erstmals führte die vhs-Nebenstelle Rohrbach/Hassel in Kooperation mit dem Heimatverein Oberwürzbach eine Bannwanderung mit historischen und geologischen Informationen durch. Dozent Walter Götz begann am Waschhaus

zunächst mit Informationen über den Streit zwischen Ommersheim und Oberwürzbach um die Grenze (1530-1560), ging dann auf die Bedeutung des Felsenbrunnens (Waschhaus) für die Wasserversorgung Oberwürzbachs ein, eigentlich das Spezialgebiet des erkrankten Alois Ohsiek. Erstaunlich war die Erwähnung, dass es schon 1922 Strom im Ort gab, in den dreißiger Jahren wurde eine Wasserleitung gebaut, auf der Rittersmühle erst in den fünfziger Jahren.

Dann führte die Wanderung weiter Richtung Laichweihertal, wo zunächst im Garten eines Bürgers einer der 29 Oberwürzbacher Westwall-Bunker (4100 im Saarland) besichtigt wurde. Die Geschichte um den Bau dieser Bunker ab 1937, besonders die rabiate Vorgehensweise der Nationalsozialisten, erregte die besondere Aufmerksamkeit der Teilnehmer. Eines Morgens erlebten Bürger, dass in ihrem Garten Bauarbeiten im Gange waren, ohne Vorwarnung, ohne Erlaubnis, Tag und Nacht. Baracken, die 2000 junge Bauarbeiter beherbergten, mit Werkstätten und Sozialräumen, begeisterten die seinerzeit 1200 Einwohner Oberwürzbach keineswegs. Man stelle sich die große Anzahl der jungen Männer vor und was in diesem Kontext im Ort passierte. Über die Bahnlinie am Griesweiher wurden die Materialen mühsam in Knochenarbeit beschafft.

Bannwanderung Oberwürzbach

Die nächste Station war der Eichertsfelsen, eine Höhle aus Buntsandstein, zugehörig zu den mächtigen Karlstalschichten, zu denen auch die Schindtalfelsen, die Lourdesgrotte sowie der St. Ingberter Stiefel gehören. Es ist nachgewiesen, dass diese Formation als Winterquartier, als Unterschlupf oder auch als Versteck diente, nicht aber dauerhaft besiedelt war. Walter Götz führte die Teilnehmer in den Felsen hinein, die staunten, wie weit man hineingehen konnte, nicht ohne dabei Gruselgeschichten zu erzählen, die damals die Runde machten. Dort fanden sich als Spuren menschlicher Besiedelung auch Pfeilspitzen. Auch in Richtung Hochscheid stieß man auf steinzeitliche Funde.

Bannwanderung Oberwürzbach

Der Verlauf der historischen Banngrenze (mit Grenzsteinen) brachte die Wanderer zur Weidenberghütte, wo ein gut erhaltener Dreibannstein mit Beschriftung steht, der die Territorien des Kloster Wadgassen (Nassau Saarbrücken), Hassel, (Herzogtum Pfalz- Zweibrücken) und Oberwürzbach (Grafschaft von der Leyen) abgrenzte. Jede Herrschaft hatte ihre Insignien hinterlassen. Gezeigt wurde der Grenzverlauf von 1768. Auf die Streitigkeiten zwischen dem Kloster Wadgassen, zu dem Reichenbrunn gehörte, und Hassel/ Zweibrücken wurde ebenso eingegangen. Der Weg führte danach von der Dolleich zum Hainbuchenbrunnen und zum Mittleren Kopf mit Besichtigung der Überreste des vermutlich keltischen Ringwalls. Auch hat man in unmittelbarer Nähe Mauerreste eines römischen Wachhauses gefunden. Unterhalb von Rotenkopf bis zum Schafskopf ging es weiter nach Reichenbrunn zur „Fels“. Dort wurde die Quellfassung des Würzbachs (Brunnenstube=Teil der historischen Wasserversorgung von Reichenbrunn) besichtigt.

Unterwegs wurde viel diskutiert, die einen interessierten die Bunker, andere die historischen bzw. geologischen Gegebenheiten. Alle, auch Ortsvorsteherin Lydia Schaar, waren sehr angetan von dem facettenreichen Programm. Alles wurde interessant vermittelt, viele Aspekte wurden berücksichtigt. „Man müsste die Tour wiederholen, denn nur wenige Oberwürzbacher waren dabei. Es wurden Orte gezeigt, die so mancher noch nie gesehen hatte.“

Ortsvorsteherin Lydia Schaar lobte Walter Götz vom Heimatverein, der viele Stunden dieses heimathistorisch interessante Ereignis vorbereitet und die Strecke abgegangen war. Er hatte auch vor ein paar Jahren mit dem Heimatverein die noch vorhandenen Grenzsteine erfasst und teilweise neu aufgerichtet.

Quellen: 800 Jahre Oberwürzbach (1181-1981), herausgegeben von der Stadt St. Ingbert, sowie aus Zeitzeugenberichten des Heimatmuseums Oberwürzbach

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