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Bliesgau-Gemeinden und Forst wollen lokale Wertschöpfung fördern

Gemeinden als Partner des lokalen Handwerks. Christian Lejeune macht in Sachen Holz keiner etwas vor. In vierter Generation betreibt er ein Sägewerk im franz. Siersthal.

Auch in seinem Betrieb derzeit ein großes Problem: Mittlerweile ist weltweit Holz und weiteres Baumaterial Mangelware.

Lejeune hatte Besuch aus dem Bliesgau. Angeführt von Förster Helmut Wolf aus Blieskastel kamen Maria Vermeulen, Bürgermeisterin in Mandelbachtal, und Bernd Hertzler, ihr Blieskasteler Amtskollege, nach Siersthal. Der Gersheimer Bürgermeister war terminlich verhindert, aber immerhin war Tobias Schlicker mitgefahren, der sich als Förster um den Gemeindewald kümmert. Den Biosphärenzweckverband vertrat Holger Zeck.

„Bevor wir zu großen Aktionen aufrufen, wollen wir erst mal wissen, was auf dem regionalen Holzmarkt überhaupt möglich ist und wo unsere Grenzen sind“, fasste Maria Vermeulen das Ziel dieser Stippvisite im Bitcher Land zusammen. „Es gibt ganz sicher Ansatzpunkte, die wir als Gemeinden gemeinsam mit dem Forst und einem regionalen Sägewerk packen können“, ergänzte Bernd Hertzler.

Bürgermeisterin Maria Vermeulen und die Beigeordnete Silvia Becker beim Besuch eines Sägewerks im Bitcher Land.

Helmut Wolf und Christian Lejeune kennen einander. Wolf ist sicher, dass mit dem französischen Sägewerk ein idealer Partner im Boot wäre, um an einem Konzept für eine regionale Holzwirtschaft zu arbeiten. Und auch Lejeune hält die Idee für gut. Allerdings müssen einige Spielregeln beachtet werden, die der Markt nun einmal verlangt, so der Holzfachmann. 850 Kunden hat er auf der ganzen Welt, vom chinesischen Großabnehmer bis zum Lothringer Heimwerker. Etwa 25.000 Festmeter eigenes Holz verarbeitet er im Jahr, hinzu kommt eine erheblich größere Menge, die er zukauft. Schließlich übernimmt er Sägeaufträge für weitere Auftraggeber. Und hier ist der Punkt, an dem Helmut Wolf ansetzt. Wolf: „Wir wollen im Bliesgau unsere Holzernte gezielt den Handwerkern anbieten. Schreinern und Zimmereien. Wir können als Forst dann mit unserer Logistik den Transport ins Sägewerk organisieren, und wir können auch die Abholung des fertig geschnittenen Holzes und den Rücktransport in den Bliesgau anbieten.“

Christian Lejeune dämpft den Optimismus: „Wenn dann hundert Festmeter aus dem Bliesgau in meinen Betrieb kommen, und der eine Schreiner will Balken, der nächste Bretter und der dritte einen Bund Dachlatten, dann macht die Sache für uns keinen Sinn.“ Das System funktioniert nur, wenn die Bliesgau-Handwerker ihre Bestellungen organisieren und im handwerkerüblichen Rahmen bestellen. Der Forst wäre bereit, diese Koordination zu übernehmen. Dann hätte jeder Handwerker die Chance, lokal erzeugtes Holz zu vertretbaren Preisen zu erhalten.
Blieskastel verfügt über 2000 Hektar Wald, Mandelbachtal über 900 Hektar, so die beiden Bürgermeister. Im Herbst geht es los mit dem Einschlag. Bis dahin soll mit den Handwerkern ein Plan entwickelt werden, ob und wie man das lokale Holz verarbeiten kann.

Lejeune sieht die Pläne als realistisch, wenngleich er vor Eile warnt. „Der Markt ist leer. Wir beliefern mit Priorität unsere Stammkunden. Damit liegen wir zu bis in den Herbst. Wir können nicht mehr als arbeiten.“ Er, der sein Leben lang versucht hat, Kunden zu werben, immer neue Aufträge an Land zu ziehen, versteht die Welt nicht mehr und es tut ihm weh, Kunden wegzuschicken.

Aber mit ein wenig Planung und Koordination durch den Forst sollte es möglich sein, mit der Holzernte des kommenden Winters den hiesigen Handwerkern zu helfen.

Das Siersthaler Sägewerk ist in seinem Angebot sehr breit aufgestellt. Von dünnen Parkettbrettern für den US-Markt bis zu den klassischen Konstruktionshölzern für das Handwerk stellt das Werk ein breites Programm selbst her. Leimholz und Verbundwerkstoffe werden zugekauft. Schließlich fertigt Lejeune im Jahr rund 5000 Tonnen Holzpellets. Dazu kommt der Lohnschnitt, also die Verarbeitung von Holz, das der Kunde anliefert. „Das machen wir im ganz großen Stil“, so der Firmenchef.

Die Gemeinde Mandelbachtal wird in Kürze mit den holzverarbeitenden Unternehmen in der Gemeinde in Kontakt treten.

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