Nachrichten

Dienstag, 17. Oktober 2017 · sonnig  sonnig bei 20 ℃ · Neuer Kreisvorstand gewähltMalschule Rita Walle zieht umKirmes in St. Ingbert – Familientag

Facebook Twitter Google+ Instagram RSS Feed

Brücken zu unseren französischen Nachbarn

Zahlreiche Gäste aus dem Saarland und dem benachbarten Lothringen konnten Karin Mostashiri und Jürgen Bost zu einer kurzweiligen Lesung unter dem Titel „Regards sur le voisin – Blick zum Nachbarn“ begrüßen.

Zu Gast waren Ronald Euler und Annette Philipp. Die Veranstaltung begann mit einem Gedenken an den kürzlich im Alter von 83 Jahren verstorbenen saarpfälzischen Mundartdichter Heinrich Kraus, der mit sensiblem Sprachgefühl Dutzende von Gedichtbänden füllte und auch als Dramatiker und Fernsehautor von sich reden machte.

In seiner Einführung ging Jürgen Bost, Sprecher des Literaturforums, auf die sich infolge der politischen Ereignisse und kriegerischen Wirren vielfach verschiebenden politischen und sprachlichen Grenzen in der Großregion ein und setzte sich nachdrücklich für den Erhalt der Regionalsprachen und die Pflege der Dialekte ein.

Zu diesem Plädoyer passte ganz hervorragend Ronald Euler aus Sarre-Union, der ebenso ausdrucksstark wie fulminant seine in „Ditsch“ verfassten Gedichte vortrug, die sich dem Auditorium ohne jedes Dolmetschen sofort erschlossen und die Herzen der Zuhörer gewannen. Ernste Texte wie zur Schlacht um Verdun oder zum tragischen Schicksal der Zwangsrekrutierten standen neben Erheiterndem aus der Familie und dem Alltagsleben. Sie belegten Ronald Eulers Rang als herausragender Vertreter eines zweisprachigen Elsass, wo neben dem Französischen und Hochdeutschen auch der buntfarbigen und kleinräumigen Welt der Dialekte Rechnung getragen wird.

Anders verhielt es sich bei Annette Philipp aus Forbach, deren Kindheit ebenso von der französischen wie der moselfränkischen Kultur geprägt wurde. Die promovierte Chemikerin und Lehrerin zeichnet sich durch viele künstlerische Begabungen vom Malen bis zum Orgelspielen aus und erregte Aufsehen mit ihrem ersten in Französisch verfassten Roman „Ombres Bleues – Blaue Schatten“.

Annette Philipps Werk, das in Auszügen vorgestellt und von Jürgen Bost übersetzt wurde, verknüpft die persönliche Geschichte ihrer Familie mit dem großen Weltgeschehen. Die Suche nach einem deutschen Maler, der mit ihrem Großvater befreundet war und mit den Initialen AW signierte, führt im Verlauf der Erzählung auch nach St. Ingbert und bereichert die Leser durch eine Fülle von Einblicken in die Kunst der deutschen Expressionisten und die dunkle Epoche, in der man ihre Malweise als „entartet“ diffamierte, ihre Werke vernichtete und hoffnungsvolle Lebensentwürfe jäh beendete.

Das Publikum zeigte sich von der Begegnung mit beiden Autoren tief beeindruckt und konnte gar nicht genug von ihren Werken hören. Zum Abschluss der Veranstaltung kündigte Jürgen Bost für Mittwoch, den 2. Dezember 2015, eine Lesung mit dem vielfach ausgezeichneten Schweizer Schriftsteller Ralph Dutli an, der für seine beiden bisher erschienenen Romane jeweils für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde.

 

PM: Jürgen Bost, ILF St. Ingbert

Kommentare

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Kommentar schreiben

Zu diesem Artikel können keine Kommentare mehr abgegeben werden.

St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017