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Buntes Trendgeschirr aus Kunststoff: Verbraucherzentralen geben Tipps

Farbenfrohe Teller, Becher und Kochutensilien liegen im Trend. In modischen Mustern und Farben gibt es diese Gebrauchsgegenstände zunehmend auch aus Kunststoff. Häufig handelt es sich dabei um Melaminharze, also Kunststoffe, die aus den Grundbausteinen Melamin und Formaldehyd hergestellt werden und sehr hart und bruchsicher sind. Die Verbraucherzentralen geben Tipps für den richtigen Umgang mit diesem Material und fordern eine Kennzeichnungspflicht.

Für die Herstellung von Kindergeschirr sowie Campingprodukten haben Melaminharze eine lange Tradition. Neuerdings werden sie häufig bei normalem Geschirr und Kochutensilien verwendet und somit kommen Speisen nicht mehr nur im Urlaub, sondern im Alltag mit diesen Materialien in Kontakt. Nicht zuletzt deshalb hat eine Neubewertung von Melamin durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stattgefunden, welche die duldbare tägliche Aufnahme an Melamin von 0,5 auf 0,2 mg/kg Körpergewicht für den durchschnittlichen Erwachsenen gesenkt hat.

Eine EU-Verordnung regelt unter anderem, wie viel Melamin und Formaldehyd aus den Materialien höchstens auf das Lebensmittel übergehen dürfen. Für Formaldehyd gilt ein Wert von 15 mg/kg, für Melamin sind es dank einer Neuregelung in der EU statt vormals 30 mg/kg nur noch 2,5 mg/kg Lebensmittel. Allerdings darf Geschirr, das den neuen Bestimmungen nicht genügt, noch bis Ende 2012 in den Verkehr gebracht und Altbestände auch darüber hinaus noch verkauft werden. Insbesondere im vergangenen Jahr gab es Probleme mit dem Überschreiten der Migrationswerte bei Melamin-Küchenartikeln aus China, wie der jüngst veröffentlichte Jahresbericht des europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel deutlich macht.

„Die Fälle, bei denen erhöhte Übergangsraten von Formaldehyd oder Melamin aus dem Geschirr in Lebensmittel gemeldet wurden, nahmen deutlich zu und meist stammten diese Problemprodukte aus China“, so Barbara Schroeter von der Verbraucherzentrale Saarland. Die EU sah sich veranlasst, eine spezielle Verordnung mit Regelungen für den Import dieser Warengruppe aus China zu erlassen und den Migrationsgrenzwert deutlich zu senken.

Das wesentliche Problem liegt jedoch darin, dass es leicht zu einem fehlerhaften oder unsachgemäßem Gebrauch des robust wirkenden Geschirrs kommen kann. „Melamingeschirr ist ein Essgeschirr, aber kein Kochgeschirr“, so Schroeter. Gegen eine Verwendung melaminhaltiger Haushaltsgegenstände bei Temperaturen bis zu 70° C –  das entspricht den Bedingungen, die z.B. beim Einfüllen heißer Getränke oder Speisen in Tassen, Teller oder Schüsseln auftreten – ist nichts einzuwenden. Für derartige Anwendungen sind diese Gegenstände zugelassen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt aber vor einer Benutzung von Melamingeschirr in der Mikrowelle oder zum Kochen und Braten. Bei den dabei entstehenden Temperaturen können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd auf Lebensmittel übergehen. Formaldehyd belastet darüber hinaus die Raumluft. Hohe Temperaturen führen vor allem bei der Zubereitung von sauren Lebensmitteln zu einer Zersetzung des Materials, auch äußerlich erkennbar an einem Glanzverlust der Oberflächen. Kochlöffel und Pfannenwender aus Melamin sollten- zumal man ihre Herkunft nicht kennt- wirklich nur zum kurzen Umrühren benutzt werden und nicht über längere Zeit in Topf oder Pfanne verbleiben.

Ob Geschirr oder Küchenutensilien aus Melamin bestehen, ist leider nur zu erkennen, wenn die Hersteller freiwillig darauf hinweisen. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb eine genauere Kennzeichnungspflicht für Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Nur so können Verbraucher eine gezielte Auswahl treffen und im Falle von Warnungen oder Rückrufen richtig reagieren.

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