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Damit Mädchen und Jungen gut aus den Kinderschuhen wachsen

An Schutzengel kann man glauben. Leider kann man sie aber nirgendwo buchen. Gerade deshalb ist Karl-Heinz Becker so wichtig. Als stellvertretender Amtsleiter und Leiter des Sozialen Dienstes bei der Kreisverwaltung in Homburg hat er zwar keine Flügel, dafür aber jede Menge Know-how, was für die rund 1 000 Kinder, die im Saarpfalz-Kreis jedes Jahr geboren werden, gut ist.

Dazu gehört es auch zu wissen, welche Rechte die Kinder haben und was ihnen an Hilfen durch das Jugendamt zusteht. Karl-Heinz Becker ist als Mitarbeiter des Jugendamtes jemand, der quasi die Kinderrechte unter dem Arm trägt.

Für Kinder gehören ganz praktische Sachen zum Alltag – so wie etwa das Spielen. „Wir sind froh, dass die Städte und Gemeinden im Saarpfalz-Kreis ausreichend Spielfläche für die Kinder zur Verfügung stellen und auch im Zusammenwirken mit den Schulen immer mehr Multifunktionsfelder errichtet werden konnten“, berichtet Klaus Guido Ruffing, Leiter des Jugendamtes. Und er nennt noch etwas, was häufig die Meisten als normal abhaken, aber das ist es leider längst nicht immer. Nämlich, die Selbstverständlichkeit des Rechtes auf Essen, Wohnung oder Kleidung. „Es gibt immer wieder Eltern, die in Notsituationen stecken – nach der Trennung, schwierigen Familienkrisen oder dem Tod des Partners. Häufig aber auch durch Arbeitslosigkeit. Die Eltern kommen dann einfach nicht mehr klar. Dabei sind ganz oft auch die Kinder die Leidtragenden. Hier hilft und unterstützt das Jugendamt.“

Fundament für alles, was Kindern und Jugendlichen zusteht, ist die UN-Kinderrechtskonvention, eine Art „Kinder-Grundgesetz“ mit 54 Artikeln. Die Mitar-beiterInnen des Jugendamtes kennen und wissen, wie wichtig diese Rechte für die Kinder sind. Das sollen keine frommen Wünsche sein, sondern sind eindeutig Rechte von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehört, dass Kinder entsprechend ihrem Alter beteiligt werden, mitreden können und dass auch auf sie und ihre Bedürfnisse eingegangen wird, sagt Ruffing. Längst sind die Kinderrechte den Kinderschuhen entwachsen. Schon seit 20 Jahren gilt die UN-Konvention in Deutschland. Genau an diesem runden Geburtstag erinnert das Jugendamt des Saarpfalz-Kreises.

Als Anwalt der Kinder hat das Jugendamt die Paragraphen fest im Blick: Von A wie Adoption bis Z wie Zuwanderung von Flüchtlingskindern. Das Jugendamt kümmert sich ganz individuell um die Situation jedes einzelnen Kindes. Der Schutz der Kinder wird dabei ganz groß geschrieben. „Gewalt gegen Kinder kann nicht akzeptiert werden. Körperliche Gewalt genauso wie seelische Gewalt“, betont der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Theophil Gallo. Er rät den Eltern, die ratlos und überfordert sind, sich vertrauensvoll an das Jugendamt zu wenden. „Unser Jugendamt ist die richtige Anlaufstelle. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dort arbeiten engagiert und kompetent, um Eltern zu unterstützen und Krisen zu bewältigen. Wichtig ist es, rechtzeitig zu verhindern, dass sich etwas zuspitzt.“ Der Leitsatz lautet: Kinder und Jugendliche haben das Recht darauf, ohne Gewalt zu leben und gesund zu bleiben.

Wenn Kinder leider nicht mehr in ihrer Familie bleiben können, gehört es auch zu den Rechten der Kinder, ein sehr gutes „zweites zu Hause“ zu bekommen. Auch das ist Aufgabe vom Jugendamt. „Von den Pflegeeltern oder Adoptiveltern machen wir uns vorher ein genaues Bild. Gerade, wenn es um eine „Ersatzfamilie“ geht, ist das eine Weichenstellung fürs Leben für beide Seiten – für das Kind und für die neue Familie.“ Das Jugendamt geht in diesen Situationen äußerst behutsam vor: gute Antennen für die oft versteckten Signale von Kindern und viel Erfahrung sind immer notwendig, wenn es darum geht, beste Bedingungen für Kinder erreichen zu wollen, so Karl-Heinz Becker. Immer mehr Flüchtlingskinder werden auch im Saarpfalz-Kreis betreut. Ziel ist es, den Kindern hier das zurückzugeben, was sie verloren haben: Verlässlichkeit, Geborgenheit und kindgerechtes Aufwachsen. Als Vormund kümmert sich Mischa Dusemond vom Kreisjugendamt um diese jungen Menschen.

„Wo es möglich ist, versuchen wir auch nochmals mit den Familien dieser jungen Menschen in Kontakt zu treten, weil oft ist es der Wunsch der Kinder, nochmals mit ihren Familien in Kontakt zu treten, und zu wissen, wie es ihren Angehörigen geht“, sagt Dusemond. Es gibt also viel zu tun für Kinder, um ihnen ein gesundes Aufwachsen in unserer Gesellschaft zu ermöglichen und kindgerechte Bedingungen zu schaffen. Die UN-Kinderkonvention war und ist für Kinder wichtig, wenn es um ihre Rechte geht. Es ist deshalb ein schöner Anlass, daran zu erinnern, dass es diese Konvention nun mehr seit 20 Jahren gibt.

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1865–2017