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Der „Name“ von Lebensmitteln

Bei vielen Verkehrsbezeichnungen muss nachgebessert werden
Die mit viel Phantasie von Herstellern gewählten Produktnamen sind häufig keine geeignete Einkaufshilfe. Verpackte Lebensmittel müssen deshalb eine sogenannte Verkehrsbezeichnung tragen. Laut Gesetz soll diese Bezeichnung Verbrauchern ermöglichen, die Art eines Lebensmittels zu erkennen und es von anderen zu unterscheiden. Doch auch die Verkehrsbezeichnung erfüllt diese Anforderungen häufig nicht. Hier müssen Hersteller und Gesetzgeber dringend nachbessern, wie eine aktuelle, nicht repräsentative Untersuchung der Verbraucherzentralen zeigt.
Die Verkehrsbezeichnung, der „offizielle“ Name eines Lebensmittels, ist ein wichtiges Kennzeichnungselement auf verpackten Lebensmitteln. Doch häufig führt sie eher ein Schattendasein. Bei einer nicht repräsentativen bundesweiten Marktuntersuchung der Verbraucherzentralen wurden 119 Produkte gezielt ausgesucht, deren Verkehrsbezeichnung nicht eindeutig, beschönigend oder schwer zu finden war. Bei rund zwei Dritteln davon war die Verkehrsbezeichnung nicht auf der Schauseite angebracht und erst nach intensiver Suche auffindbar, z.B. in einem Falz oder zwischen zu vielen Sprachen. Bei 14 % der Produkte wurden Verstöße gegen rechtliche Vorgaben zur Verkehrsbezeichnung festgestellt. Einige Produkte trugen gar keine Verkehrsbezeichnung bzw. keine in deutscher Sprache. Um die Suche zu vereinfachen, schreibt das Lebensmittelrecht derzeit zwar vor, die Verkehrsbezeichnung mit Mindesthaltbarkeitsdatum und Füllmengenangabe im selben Sichtfeld anzubringen. Doch bei 9 % der betrachteten Lebensmittel wurde diese gesetzliche Vorgabe nicht erfüllt.
Hat man die Verkehrsbezeichnung endlich gefunden, steht man vor der nächsten Hürde: Zu kleine Schrift (27 %), fehlende optische Hervorhebung (27 %) und schlechter Kontrast (8 %) erschweren die Lesbarkeit.
Doch selbst das Finden und Entziffern der Verkehrsbezeichnung ist noch keine Garantie für angemessene Information. Denn was soll man sich unter „Flüssiger Süßware“ vorstellen, was verbirgt sich hinter „Westernhacklets“? Der Knackpunkt: Nur für wenige Lebensmittel gibt es gesetzlich vorgeschriebene Verkehrsbezeichnungen wie etwa „Fruchtsaft“ oder „Milchschokolade“. Andernfalls sind allein die Hersteller für die Formulierung einer Verkehrsbezeichnung verantwortlich. Dazu ist entweder eine allgemein übliche Bezeichnung zu wählen, wie beispielsweise „Salami“, oder eine Beschreibung des Lebensmittels, wie etwa „Instant Nudelsuppe mit Schweinefleischaroma“.
Der gesetzlich definierte Zweck der Verkehrsbezeichnung als verlässliche Produktinformation steht für viele Hersteller aber ganz offensichtlich nicht im Vordergrund: Insgesamt 29 % der untersuchten Produkte trugen Verkehrsbezeichnungen, die nicht aussagekräftig oder eindeutig waren. Bei 44 % versprach die Verkehrsbezeichnung nach Auffassung der Verbraucherzentralen sogar mehr, als das Lebensmittel tatsächlich halten konnte. So verriet erst die Zutatenliste von „Nudeln mit Blattspinat“, dass letztendlich wohl mehr Salz, Zucker und Zwiebeln enthalten waren als der angepriesene Spinat, der gerade einmal 1 % der Zutaten ausmachte.
Damit die Verkehrsbezeichnung für Verbraucher tatsächlich eine Einkaufshilfe sein kann, müssen Gesetzgeber und Hersteller dringend nachbessern:
• Die Verkehrsbezeichnung gehört auf die Schauseite der Verpackung
und noch einmal vor die Zutatenliste.
• Für eine gute Lesbarkeit muss die Schrift ausreichend groß sein, in der Regel mindestens 3 mm, und es muss der Kontrast stimmen.
• Die Verkehrsbezeichnung muss der tatsächlichen Produktzusammensetzung entsprechen.
• Bei Nennung wertgebender Zutaten ist der zugehörige Gewichtsanteil deutlich in der Verkehrsbezeichnung anzugeben.
• Der Einsatz von Aroma muss bereits in der Verkehrsbezeichnung eindeutig erkennbar sein, beispielsweise durch Zusätze wie „aromatisiert“ oder „mit Aroma“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite ihrer Verbraucherzentrale.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017