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Detlef Drewes ist Preisträger des 12. Siebenpfeiffer-Preises

Europa und einem freiheitlichen Menschenbild verpflichtet

Der freiberufliche Auslandskorrespondent Detlef Drewes erhält den diesjährigen Siebenpfeiffer-Preis der gleichnamigen Stiftung. Die Jury-Kommission des 12. Siebenpfeiffer-Preises 2012 sprach sich für den Journalisten aus, da er sich in der Tradition Philipp Jakob Siebenpfeiffers in seiner Arbeit durch ein freiheitliches Menschenbild und eine demokratisch-sozialen Grundüberzeugung auszeichnet.

Für die Jury betont Bernard Bernarding, stellvertretender Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung: „Detlef Drewes liefert nicht nur in umfassender Weise Berichte, Reportagen, Kommentare und Analysen über alle Aspekte der Europäischen Union, also über das abenteuerlich anmutende Ansinnen, die Interessen von 27 Staaten unter einen europäischen Hut zu bringen. Er hat die Grenzen seines Berufs noch ausgeweitet und bietet einen monatlichen Newsletter an sowie ein Info-Angebot im Netz speziell für Kinder, zudem bedient er sich moderner Kommunikationsmittel, auf denen er (auch) per Video die Welt der EU erklärt.“ Und weiter: „Mit seiner ausgeprägten Kompetenz, komplexe Sachverhalte in verständlicher Art zu erklären, macht sich Detlef Drewes tagtäglich im Sinne der europäischen Idee, die in der Tradition des Vormärz steht, verdient. Gerade das sperrige Thema Europa und dessen immense Zukunftsbedeutung bringt Detlef Drewes den Menschen in einer Form nah, von der einfache Leute ebenso profitieren können wie Akademiker.“

Landrat Clemens Lindemann, Vorsitzender der Stiftung, erläuterte die Geschichte und Hintergründe des Preises. Der Siebenpfeiffer-Preis wird an Journalisten verliehen, die durch Veröffentlichungen in Presse, Rundfunk und Fernsehen das demokratische Bewusstsein in unserer Zeit fördern. Zwar ist die Freiheit der Presse im Grundgesetz verankert, gleichwohl gibt es Tendenzen, die journalistische Unabhängigkeit einzuschränken oder gar zu untergraben. Journalistisches Engagement, das keine Rücksichten auf berufliche Karriere oder finanzielle Vorteile kennt, soll mit dem Preis ausgezeichnet werden. Siebenpfeiffers Forderung nach Pressefreiheit und sein persönliches Bekenntnis sind dabei Vorbild:

„Die Presse muß nothwendig frei sein, denn sie ist die Stimme aller, ihr Schweigen ist der Tod der Freiheit, jede Tyrannei, welche eine Idee morden will, beginnt damit, daß sie die Presse knebelt“
zitierte er Ende 1831 in seiner Zeitung „Der Bote aus Westen“ den französischen Dichter und Autor Alphonse de Lamartine.

Aus den Bewerbungen ermittelt eine Jury den Preisträger. Die Jury setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die von den Journalistenverbänden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland sowie Thüringen beziehungsweise der Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und politische Bildung ernannt werden, dem Publizisten Fred Oberhauser, sowie je einem Vertreter der Saarbrücker Zeitung und des Saarländischen Rundfunks sowie zwei Vertretern des Saarpfalz-Kreises.

Der Siebenpfeiffer-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird in einer öffentlichen Feier am 18. November im Homburger Forum verliehen.
Überdies regte die Jury-Kommission an, dem Projekt „Die Euros“ eine Anerkennung auszusprechen. Dieses online-Portal von Studierenden und jungen Absolventen unterschiedlicher Universitäten in Europa bietet Informationen und Reflexionen zu Europa und zur Politik der Europäischen Union. Im digitalen Dialog geht es um soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Fragen – aus Sicht und in der Aufmachung der jüngeren Generation. Zusätzlich zu diesem Medienprojekt verstehen sich „Die Euros“ auch als Netzwerk der Zivilgesellschaft, das die Bürgerbeteiligung und den Gemeinschaftssinn in Europa fördern will – ganz im Sinne Siebenpfeiffers und seiner Mitstreiter.

Bisherige Preisträger

1987: Franz Alt
1989: Marie-Luise Scherer
1991: Siegbert Schefke und Aram Radomski
1994: Ralph Giordano
1997: Carola Stern
1999: Heribert Prantl
2001: Jürgen Leinemann
2003: Peter Scholl-Latour
2005: Heinrich Breloer und Horst Königstein
2007: Reporter ohne Grenzen
2010: Günter Wallraff

Die Preisverleihung 2012 findet am 18. November in Homburg statt.

Die Stiftung

Die Siebenpfeiffer-Stiftung wurde am 29. Januar 1989 auf Initiative des Saarpfalz-Kreises in Homburg gegründet. Stiftungsmitglieder sind neben dem Saarpfalz-Kreis die Landesverbände Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Thüringen im deutschen Journalistenverband (DJV), der Landkreis Bad Dürkheim, die Städte Homburg, Zweibrücken, Lahr, Neustadt an der Weinstraße und Rastatt.

Verwaltet wird die Stiftung durch einen elfköpfigen Vorstand, der auf fünf Jahre gewählt wird. Seit der Gründung 1989 bekleidet Landrat Clemens Lindemann das Amt des Vorsitzenden.
Die fünf Städte sind durch ihre Oberbürgermeister, die vier DJV-Landesverbände durch ihre Vorsitzenden und die Kreise durch die Landräte im Vorstand vertreten.

Erklärte Absicht der Siebenpfeiffer-Stiftung ist es nun, Menschen, die in ihrem Engagement für eine demokratische Gesellschaft nicht selten selbst persönliche Opfer und Risiken eingingen, in Erinnerung zu rufen und ihren Einsatz in unserem Bewusstsein fest zu verankern.

Zur Person Siebenpfeiffers

Als sich am 27. Mai 1832 nahezu 30.000 Menschen in Neustadt an der Haardt versammelten und auf das Hambacher Schloss zogen, um demokratische Grundrechte und Einheit demonstrativ einzufordern, spielte Philipp Jakob Siebenpfeiffer als Initiator und Hauptredner dieses „Hambacher Festes“ eine entscheidende Rolle.

Siebenpfeiffer, 1789, dem Jahr der Französischen Revolution also, im badischen Lahr geboren, war zu jener Zeit einer der führenden Köpfe der bürgerlich-liberalen Opposition und als solcher weit über die Grenzen des rheinbayerisch-pfälzischen Raumes hinaus bekannt.
Nach dem Studium in Freiburg war er zunächst Beamter in österreichischen und bayerischen Diensten, darunter von 1818 bis 1830 „Landcommissär“ im pfälzischen Homburg. Ab 1830 trat indes die kritische journalistische Tätigkeit in den Mittelpunkt: Resigniert und enttäuscht angesichts der Untätigkeit der Regierung gegenüber der wachsenden Notlage des Landes, entschloss er sich, mit journalistischen Mitteln gegen die Missstände anzugehen. Siebenpfeiffer gab unter anderem die Zeitschrift „Rheinbayern“ heraus. Darin griff er die politischen, wirtschaftlichen und auch sozialen Probleme auf und betonte die dringende Notwendigkeit von Reformen, ja, er forderte eine Revolution auf gesetzlichem, friedlichem Weg.
„Die Aufgab` ist, Stoff zu bieten, nicht zum Lesen, sondern zum Denken“, lautete das Leitmotiv seiner Zeitschrift. Mit dieser und weiteren Publikationen wie etwa dem „Boten im Westen“ erregte er weithin Aufsehen; bei der Obrigkeit stieß Siebenpfeiffers liberal-demokratisches Gedankengut allerdings auf wenig Gegenliebe.
Das bayerische Königshaus reagierte umgehend und versetzte ihn als Zuchthausdirektor nach Kaisheim. Siebenpfeiffer prozessierte unter wachsender Solidarisierung der Bevölkerung erfolgreich gegen diese Versetzung, intensivierte seinen oppositionellen Journalismus sogar.
Sein unerschrockenes Engagement hatte persönliche Repressalien zur Folge. Sie gipfelten – nach der Entlassung als „Landcommissär“ – in Prozessen in Landau, wo er mit den Rednern des Hambacher Festes sensationell freigesprochen wurde, und in Frankenthal, wo er von einem Zuchtpolizeigericht wegen Beamtenbeleidigung zur Höchststrafe von zwei Jahren verurteilt wurde.

Nach der Flucht aus dem Gefängnis fand Siebenpfeiffer Asyl in der Schweiz. In Bern arbeitete er als Professor für gerichtliches Verfahren, Polizeirecht und Staatswissenschaften. Siebenpfeiffer starb 1845.

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