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Dialog mit einem weltberühmten Mann

Lessing und das Drama der Toleranz: Über mangelnden Besuch konnte man sich in der Stadtbücherei nicht beklagen, als der in Zusammenarbeit der KEB Saarpfalz und dem St. Ingberter Literaturforum ILF lange vorbereitete literarische Abend

„Das Drama der Toleranz“ stattfand. KEB-Leiterin Gertrud Fickinger und ILF-Sprecher Jürgen Bost führten in die Thematik ein und stellten die Akteure bei dieser an Überraschungen reichen szenischen Lesung aus den Werken Gotthold Ephraim Lessings (1729 – 1781) vor: Den Abend gestalteten Thomas Kuhn, Lehrer für Deutsch, Latein und Ethik am Immanuel-Kant-Gymnasium in Pirmasens, und der Theologe und Pastoralreferent Stefan Schwarzmüller.

Lessing hat die öffentliche Wirkung von Literatur nachhaltig beeinflusst und gehört zu den großen Aufklärern. Seine Bühnenwerke sind bis heute auf den Theaterspielplänen zu finden. Allen voran „Nathan der Weise“. Dieses Schauspiel stellt die brennende Frage der Beziehung der Weltreligionen in den Mittelpunkt. Nicht umsonst wurde das Werk nach dem Zweiten Weltkrieg in vielen Theatern als erstes Stück nach dem Zusammenbruch gespielt.

Die „Ringparabel“, das Herzstück des Dramas, stellt eine der bekanntesten Passagen der Weltliteratur dar, sie reicht weit ins europäische Mittelalter zurück und wurde erstmals in jüdischen Kreisen Spaniens erzählt. Ihre Herausforderung an die drei großen monotheistischen Weltreligionen bedeutet weitaus mehr als „Toleranz“, verlangt wird vielmehr ein aktives Wetteifern um die Durchsetzung des Guten: „Begnügt euch doch damit ein Mensch zu sein!“, diese brandaktuelle Forderung erhob der Wolfenbütteler Bibliothekar Lessing bereits vor 250 Jahren und propagierte damit eine religionsübergreifende vernunftbasierte Humanität.

Kuhn trat mit weißer Perücke als der sich hinter Bücher zurückziehende Lessing auf, Schwarzmüller erlebte als unermüdlicher Fragesteller diesen weltberühmten Mann und versuchte, dem persönlichen Werdegang des Autors und der Entwicklung seines philosophischen Denkens auf die Spur zu kommen. Es wurden nicht nur Originaltexte vorgetragen, sondern die Protagonisten kommentierten, spielten, ordneten ein und hatten zur Freude des Publikums auch die eine oder andere Pointe parat. Im Mittelpunkt stand selbstverständlich die Ringparabel, deren Vorform sich bereits 1749 im Jugendwerk „Die Juden“ mit dem dort entschieden verfochtenen Postulat der religiösen und rassischen Toleranz nachweisen ließ.

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