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Dr. Botho Petersen

Unabhängigkeit im Denken und Handeln fällt mir zu Botho Petersen ein. Er war der Citoyen, wie sich die Aufklärer im 18. Jahrhundert den Bürger der neuen Zeit vorgestellt hatten; nichts war ihm ferner als der Bourgeois, der selbstzufriedene Bürger. Seine vornehme Haltung in allen Fragen menschlicher Begegnung korrespondierte mit seinem wachen, politischen Temperament. Er ließ andere Menschen gelten, er maßte sich nicht an, über sie zu richten. Ich habe nie herabsetzende Worte über andere Menschen von ihm gehört. Auch Ironie war nicht seine Sache, aber sehr wohl Humor. Weil er sich selbst akzeptierte, konnte er andere akzeptieren. Er bezog sein Selbstwertgefühl nicht aus dem Vergleich mit anderen Menschen, weil er in sich ruhte. Der Tod war für ihn keine Bedrohung, er lebte ihm gelassen entgegen. Er starb, wie Abraham, „alt und lebenssatt“.
Dreieinhalb Jahrzehnte war Botho Petersen im Dienste Salems tätig. Seine Leidenschaft war Politik, sein politisches Temperament bestimmte seine Pädagogik. Schüler zu bewegen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, machte schon früh die Essenz seines Mentorats und seiner Lehrtätigkeit aus. Er zögerte nicht, seine Existenz in Salem zu gefährden, um das für Recht erkannte durchzusetzen. Er kannte keine Grenzen, wenn es darum ging, Menschen zu helfen.
Seit 1973 leitete er die Schüleraufnahme für alle Stufenschulen. Vielen Schülern ist die erste Begegnung mit Botho Petersen, der von den Schülern wegen seines lässigen Auftretens liebevoll „Schlackemann“ genannt wurde, unvergesslich geblieben.
Botho Petersen war der Weltbürger in der pädagogischen Provinz Salem, Hanseat von Geblüt und großbürgerlich geprägt. Gegen den Willen des Vaters, des Ersten Bürgemeisters von Hamburg, fühlte er sich zum Lehrer berufen und hat diesen Beruf mit ganzem Herzen ausgeübt. Mit Botho Petersen verließ uns einer, der einige Leiter, viele Mitarbeiter und viele Schüler Salems in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt hatte.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017