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Fachtagung zum Thema Online-Spiele und Spielsucht im Internet

Mit ca. 80 Teilnehmern aus den Bereichen Jugendhilfe, Prävention und Suchtberatung beleuchtete die LMS zusammen mit dem Landesinstitut für Präventives Handeln (LPH) und der Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland in einer Fachtagung am 7. September 2012 den Themenkomplex Online-Spiele und Spielsucht.

Dr. Jörg Ukrow, Stellv. Direktor der LMS, unterstrich in seiner Einführung die zunehmende Bedeutung von Online-Spielen für die Aufsichtstätigkeit der Landesmedienanstalten, insbesondere im Bereich des Jugendschutzes. Er erläuterte zudem Zuständigkeiten, Rechtsrahmen und regulatorische Fragen bei der Aufsicht sowie den aktuellen Stand der Glücksspielregulierung. Alle befassten Stellen stünden vor neuen Herausforderungen sowohl im Bereich der Unterhaltungs- und Gewinnspiele aber auch angesichts der Werbung für Glücksspiele im Rundfunk und im Internet. Es sei daher ausdrücklich zu begrüßen, wenn Fachkräfte aus allen von diesen Fragen betroffenen Bereichen in einen Dialog einträten. „Angesichts unserer Zuständigkeit nicht nur für die Rundfunkaufsicht und den Jugendschutz in Telemedien sondern auch für Glücksspiel im Internet war es ein besonderes Anliegen der LMS, diesen Dialog zu initiieren und wir haben die Absicht, diesen auch hinsichtlich eines wirksamen Jugend- und Verbraucherschutzes fortzuführen.“

Für die Fachstelle Jugendschutz.net gab Thomas Günter einen Überblick über die Problematik von Online-Spielen hinsichtlich des Kinder- und Jugendschutzes:
Er stellte fest, dass Online-Spiele in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hätten und mittlerweile auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellten. Neben überwiegend unbedenklichen Spielen fänden sich auch vereinzelt Spiele mit Darstellungen von Gewalt und Pornografie, daneben seien vor allem Kostenfallen (Abschluss von Abos) und Kontaktrisiken (durch Kommunikation mit anderen Gamern im Spiel) zu finden.

Jugendschutz.net gehe bei Verstößen gegen Anbieter vor und leite Verfahren bei der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten ein. Gerade bei großen Spieleportalen mit zum Teil über 1.000 Spielen sei eine flächendeckende Kontrolle aber nicht möglich. Auch sei im Bereich der Online-Spiele eine weitgehende Internationalität zu beobachten, viele Dienste würden aus dem Ausland betrieben. Thomas Günter forderte: „Wir brauchen letztlich eine Kultur gemeinsamer Verantwortung. Anbieter müssen mehr tun, die Aufsicht muss Verstöße konsequent ahnden, Eltern brauchen praktische Hilfestellungen und Kinder und Jugendliche müssen einen kompetenten Umgang mit Risiken erlernen. Wünschenswert wäre auch, dass Anbieter von Online-Spielen ihre Inhalte altersdifferenziert programmieren und mit einer Alterskennzeichnung versehen würden.“

Dipl. Psych. Dr. Tobias Hayer, Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen, bearbeitete in seinem Vortrag das Themenfeld „Spielanreize und Suchtgefahren bei Online Glücksspielen“. Tobias Hayer stellte anhand empirischer Forschungsbefunde fest, dass kommerzielle Glücksspiele wie Rubbellotterien, Sportwetten oder das gewerbliche Automatenspiel ebenso zur Lebenswirklichkeit von Jugendlichen dazugehören wie selbstorganisierte Spiele um Geld (z. B. Poker). Darüber hinaus gewännen in dieser Altersgruppe zunehmend diejenigen Spielformen an Bedeutung, die über moderne Informations- und Kommunikationsmedien (z. B. Internet, Smart Phone) nachgefragt werden. „Das hohe Suchtpotential von internetbasierten Glücksspielen in Verbindung mit der Tatsache, dass Jugendliche ohnehin besonders gefährdet für glücksspielbezogene Fehlanpassungen sind, verweist auf die Notwendigkeit einer Erfolg versprechenden Präventionspraxis. Das Ziel einer effektiven Prävention ist dabei nur über die Umsetzung von verhältnis- und verhaltenspräventiven Maßnahmen in den einzelnen Bundesländern zu erreichen.“

In der abschließenden Diskussion griff der Leiter des LPH, Prof. Dr. Günter Dörr, die Anregungen der Fachvorträge auf und plädierte zusammen mit den Beteiligten für ein Zusammenwirken bei der Entwicklung geeigneter Maßnahmen in den Bereichen Prävention, Suchtberatung und Aufklärung. Diese könnten aber nur in einem abgestimmten Kontext mit Regulierung und Aufsicht erfolgreich geplant und umgesetzt werden. „Der unmittelbare Dialog der beteiligten Stellen ist dabei ebenso wichtig, wie die rasche Vermittlung der daraus gewonnenen Erkenntnisse an die in der alltäglichen Arbeit mit den Problemlagen vor Ort befassten Fachkräfte. Wir wollten deren Interesse an aktuellen Entwicklungen im Medienbereich und ihrem Anrecht auf Informationen aus erster Hand mit dieser Veranstaltung gerecht werden.“

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