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Familienzusammenführung im EBV

Oder… Unter Bergleuten hilft man sich eben. Wie die Ortsvorsteherin von Niederwürzbach sich für das Bergbauerbe einsetzt!

Mit dem Bergbauerbe sieht es ja bekanntlichermaßen im Saarland eher stiefmütterlich aus. Leuchtturmprojekte wie die (ungeliebte) Ausstellung „Das Erbe“ oder bayrische Gemütlichkeit auf der Redener Alm konkurrieren mit einem futuristischen Kunstbau auf der Ensdorfer Halde, der, so spektakulär er ist, nur von wenigen mit dem Bergbau in Verbindung gebracht wird. Im Saarland denkt man halt gerne im Großen – entstanden aus? …Sie wissen schon. Die bodenständigen Bergleute vom EBV erinnern lieber anhand handfester und anfassbarer Technik an das, was das Saarland 250 Jahre lang (solange man nur den staatlich organisierten – (!) ja, das darf ruhig mal gesagt werden – Bergbau betrachtet) zu einem bescheidenen Reichtum führte.

Transport untertage wurde zuerst durch menschliche Muskelkraft, dann durch eine Pferdestärke und schließlich mittels Lokomotiven ermöglicht. Grubenloks vom Typ „Vollsicht“ der Maschinenfabrik „Ruhrtaler“ wurden im ganzen Saarland in den 1950er Jahren eingesetzt, es wurden zwanzig Exemplare der Vollsicht G 60 Z/V B-dm 665 gebaut, die sämtlich an saarländische Gruben ausgeliefert wurden. Gerade mal zwei sind heute noch erhalten geblieben, da Spielplätze sie vor der Verschrottung retteten (wie berichtet). Das Erlebnisbergwerk Velsen bemüht sich nun bekanntermaßen, wenigstens eine Lok dieses Typs wieder instandzusetzen, so daß sie auf dem Gleisgestänge des EBV in Velsen aus eigener Kraft ihre Runden drehen kann. Die zweite findet sich in einem kleinen Ensemble mit zwei Loren in einem Park in Niederwürzbach. Hier hatte die Ortsvorsteherin Petra Linz, die selbst aus dem Bergbau kommt, der Tradition Niederwürzbacher Bergleute in saarländischen Gruben ein Denkmal gesetzt.

Blutsbrüder: Die Ruhrtaler Vollsicht rechts aus Velsen und links aus Niederwürzbach

Es stellte sich nun heraus, daß den Bergleuten aus Velsen doch einige Teile rund um den Motor der Lok fehlten, welche aber bei der Niederwürzbacher Lok noch vorhanden waren. Und wie das so schön vom Bergbau immer gesagt wird: Im Bergbau hält man zusammen und hilft sich. Und so brauchte es nur einige Gespräche und es kam zum Familienzusammentreffen. Die Jungs vom EBV durften die Niederwürzbacher Lok am Wochenende vom Sockel holen und nach Velsen transportieren. Hier wird das eine oder andere noch brauchbare Teil des Innenlebens abgebaut, anschließend wird die Lok wieder herausgeputzt und auf ihren Platz zurückgeführt, an dem sie schon unsere ehemalige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer einweihen konnte.

Es ist ein Gewinn für beide Seiten: Mit Hilfe der Teile wird das EBV wieder eine Ruhrtaler Vollsicht fahrbereit restaurieren und so an das Bergbauerbe mit fassbaren Argumenten erinnern. Und die bergbauaffine Orstvorsteherin erhält nicht nur ihre frisch gestrichene Lok zurück auf den Denkmalsockel, nein sie kann auch mit der Tatsache punkten, daß ihre Lok nun wieder im Saarland stampfend Loren über Gleise zieht – beide Loks werden durch die „Organspende“ quasi Blutsbrüder – keine kann ohne die andere, sie existieren und erinnern quasi als eine Einheit an die Bergbautradition des Saarlands. Je mehr Teile beide Loks austauschen desto inniger wird die Verbundenheit (im Hintergrund erklingt leise Musik von Martin Böttcher während aus Velsen ein herzliches Glückauf nach Niederwürzbach erschallt!)

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2018