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„Gesundheitsamt ist nicht handlungsunfähig“ – Stellungnahme

Aufgrund von sich mehrenden Nachfragen bezüglich der vakanten Stellen in der Leitung des Gesundheitsamtes des Saarpfalz-Kreises – und um missverständlichen Darstellungen vorzubeugen – nimmt die Kreisverwaltung mit Landrat Dr. Theophil Gallo an der Spitze wie folgt Stellung:

Wir befinden uns seit knapp zwei Jahren in einer Krise, in der Corona-Pandemie. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsamt konzentrieren sich seither auf die Bekämpfung dieser Pandemie – bis zu ihrer Belastungsgrenze. Wir befinden uns nicht in einer Krise, weil es derzeit zwei vakanten Stellen in der Leitung des Gesundheitsamtes gibt. Vielmehr ist es jetzt in der Corona-Pandemie die andere Krise, die sicher nicht unbemerkt schlummerte, nämlich der Fachkräftemangel auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), die jetzt schmerzlich spürbar hervortritt. In den letzten Jahren wurde schon immer wieder moniert und darauf hingewiesen, dass zunehmend weniger Mediziner für eine Tätigkeit etwa im ÖGD zu gewinnen sind, auch das Thema des Nachwuchses im Bereich der Hausärzte gehört in diesen Bereich. Ob es die Besoldungsstruktur ist, ob es bessere Verdienstmöglichkeiten in anderen Bereichen sind, mag dahinstehen. Es wird Aufgabe der Bundes- und Landespolitik sein, hier intensiv nachzusteuern. Das Thema Fachkräftemangel kommt überall an, auch im Gesundheitswesen. Dass dieses Thema im Rahmen einer pandemischen Entwicklung akut wird, verbessert die Situation leider nicht“, so Landrat Dr. Theophil Gallo

Wie bereits mitgeteilt wurde beschäftigt der Saarpfalz-Kreis seit 1. Januar keine Amtsärztin/Amtsarzt mehr. Es handelte sich hierbei ganz klar um ein jeweils ordnungsgemäßes, rechtzeitig angekündigtes Ausscheiden der Personen auf den leitenden Stellen und die folgerichtige Ausschreibung zur Wiederbesetzung dieser Stellen. Aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes werden hierzu keine weiteren Angaben gemacht.
Beide Stellen wurden bundesweit ausgeschrieben und zwar auf folgenden Kanälen: standardisiert auf Interamt.de, im Bundesärzteblatt (Print) mit Veröffentlichung auf der dazugehörigen Online-Plattform sowie zusätzlich über das Job-Portal der Bundesagentur für Arbeit. Zusätzlich wurden die Stellen regional ausgeschrieben: im Saarländischen Ärzteblatt mit Veröffentlichung auf der dazugehörigen Online-Plattform, in der Saarbrücker Zeitung und in der Rheinpfalz sowie im WOCHENSPIEGEL.

„Unbestritten ist es eine unangenehme Situation, dass wir auf dem Stellenmarkt bislang trotz intensiver Bemühungen nicht erfolgreich waren und noch keine Ärztinnen/Ärzte mit der erforderlichen Zusatzqualifikation gefunden haben. Das bedeutet aber nicht, dass unser Gesundheitsamt handlungsunfähig ist. Schon frühzeitig wurde eine Kooperation mit Neunkirchen in Erwägung gezogen, um auch den gesetzlichen Vorgaben der Leitung eines Gesundheitsamtes durch eine Amtsärztin/einen Amtsarzt entsprechen zu können, sollten die Stellen nicht rechtzeitig besetzt werden können. Diese Kooperation hat nun Bestand. Parallel wird versucht, durch Erwerb der erforderlichen Fachqualifikation in den eigenen Reihen der Ärzteschaft die geforderte Besetzung zu realisieren.“

Um die Belegschaft im Gesundheitsamt zu verdeutlichen: Beim Saarpfalz-Kreis arbeiten (Stand 1. Januar 2022) drei Ärztinnen/Ärzte, (1 x Vollzeit, 2 x Teilzeit) im amtsärztlichen Dienst, fünf Kinder- und Jugendärztinnen (1 x Vollzeit und 4 x Teilzeit) im kinder- und jugendärztlichen Dienst. Ab dem 1. Juli 2022 kommt eine weitere Jugendärztin (in Teilzeit) hinzu, sowie eine Zahnärztin (Teilzeit)

Das Gesundheitsamt verfügt derzeit über 47 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (21 Vollzeitkräfte und 26 Teilzeitkräfte) zuzüglich drei RKI-Containmentscouts (drei Vollzeitkräfte) und zwei Auszubildende zur Gesundheitsaufseherin/zum Gesundheitsaufseher). Darüber hinaus sind auch noch zehn Studentinnen/Studenten (überwiegend Medizinstudenten) im Wege einer kurzfristigen Beschäftigung im Einsatz.
Im Laufe der Pandemie hat sich die Verwaltung darauf konzentriert, das Gesundheitsamt personell aufzustocken, um die anfallende Arbeit im Gesundheitsamt bewältigen zu können. Dazu zählt nicht zuletzt auch die Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus anderen Fachbereichen und deren Einsatz beispielsweise in der Registratur, in der Kontaktnachverfolgung oder am Bürgertelefon. Dazu kamen bislang insgesamt 60 Soldatinnen und Soldaten, die im Rahmen der Amtshilfe im Gesundheitsamt unterstützten. Aktuell sind sechs Soldatinnen und Soldaten vor Ort.

Zum 1. Dezember hat eine Verwaltungsleiterin im Gesundheitsamt ihre Arbeit aufgenommen. Zudem untersteht das Gesundheitsamt seit dem 1. November dem Geschäftsbereich 3, Arbeit und Soziales, unter der Leitung von Dr. Ulrike Zawar.

„Die Personalsituation im Gesundheitsamt bleibt auch aufgrund immer wieder steigender Infektionszahlen nach wie vor sehr angespannt. Eine übermäßige Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsamt während der Pandemie wurde zu keinem Zeitpunkt angezweifelt und wir haben mit Maßnahmen versucht, einer Überbelastung gegenzusteuern: Sei es durch personelle Aufstockung, Struktur- und Prozessanalysen, Strukturanpassungen, und auch durch Supervisionen. Und das gesamte Team arbeitet nach wie vor sehr gewissenhaft bei der Bekämpfung der Pandemie mit und dafür kann ich nur danke sagen.“
Im Rahmen des ÖGD-Paktes werden von Seiten des Bundes zusätzliche Mittel zur personellen Stärkung der Gesundheitsämter zur Verfügung gestellt. Es wird im Zuge der Stellenplanberatungen für das Jahr 2022 die personelle Aufstockung im amtsärztlichen Dienst erörtert.

Die eingeschränkte Kontaktnachverfolgung, die weitestgehend auch in den anderen Gesundheitsämtern betrieben wird, ist durch die rasant steigenden COVID-19-Neuinfektionen im November zu begründen. Es konnten nicht mehr alle Fallbearbeitungen gewährleistet werden. Man ist dazu übergegangen, sich auf vulnerable Menschen und Indexpersonen aus Gemeinschaftseinrichtungen zu konzentrieren, speziell auf die Fallermittlung in Schulen und Kitas sowie Pflegeeinrichtungen. Die eingeschränkte Kontaktnachverfolgung steht nicht im Zusammenhang mit den oben genannten vakanten Stellen.

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