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„Jedem Saarländer sein Kraftwerk?!“ Blockheizkraftwerke – Modellprojekte im Saarland

Die Energiewende stellt sehr hohe Anforderungen an die künftige Stromproduktion. Die Kraft-Wärme-Kopplung, d.h. die Nutzung der Abwärme, die bei der Stromerzeugung entsteht, bewirkt eine erhebliche Effizienzsteigerung.
So weit sind wir allerdings noch nicht, dass jeder sein eigenes Kraftwerk wirtschaftlich betreiben könnte.
Neu am Markt sind so genannte Mikro-BHKW. Ganz kleine Blockheizkraftwerke mit 1 kW elektrischer und ca. 3 kW thermischer Leistung, sowie einem zusätzlich integrierten Brennwertkessel zur Deckung des größeren Leistungsbedarfs.
Das Resümee der jüngsten Veranstaltung der Verbraucherzentrale des Saarlandes, der Arbeitskammer sowie des Vereins Energiewende Saarland lautet, dass die derzeit am Markt befindlichen BHKW für die Ein- und Zweifamilienhäuser wirtschaftlich noch uninteressant sind.
Prof. Keller von der VSE ging auf einen Feldtest ein, in dem die praktische Anwendung der kleinen Geräte untersucht wird, bevor diese in die Serienproduktion gehen. Im Mittelpunkt der Erläuterungen standen Herausforderungen wie Platzbedarf im Keller oder Vermeidung von Belastungen durch Erschütterungen. Jedem einzelnen Objekt ist individuelle Aufmerksamkeit zu widmen.

Anders stellt sich die Situation bei Mehrfamilienhäusern dar. Dort kommen etwas größere, praxisbewährte Mini-Blockheizkraftwerke zum Einsatz. Herr Skär hat im Auftrag der Stadtwerke Homburg erläutert, dass Eigentümer eines größeren Anwesens insbesondere durch Contracting von den hohen Investitionskosten aber auch von Wartungs- und Abrechnungsaufwand entlastet werden. Zumindest im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Homburg können sich Gebäudeeigentümer und Eigentümergemeinschaften an die Fa. DEMEC GmbH, die Tochtergesellschaft der Stadtwerke Homburg wenden, wenn Interesse besteht, ein gasbetriebenes BHKW zu installieren, betreiben und abzurechnen.

Auch die Stadtwerke St. Ingbert haben ein ökologisch sehr erfreuliches Projekt vorgestellt: Anwohner der Straßen Am Hasenbühl und In den Schwammwiesen können ihre alte Nachtspeicherheizung ausrangieren und sich an Nahwärmeversorgung anschließen lassen, erläuterte Thomas Klein. Da die Erzeugung der Nahwärme in St. Ingbert ebenfalls auf Kraft-Wärme-Kopplung beruht, ist dieser Ersatz der Nachtspeicherheizung als äußerst gute Effizienzsteigerung zu bewerten.

Nicola Saccà vom Umweltministerium des Saarlandes erläuterte, dass das Land solche ökologisch sehr sinnvollen Investitionen begleitend und in Ergänzung zur nicht auskömmlichen Bundesförderung über Zuschüsse zur Installation von Nahwärmeleitungen finanziell fördert. Dadurch sollen weitere Kommunen und Stadtwerke ermutigt werden, eine BHKW-Gemeinschaftsheizung zu errichten. Dies gilt nicht nur für Wohngebiete anstelle alter Nachtspeicherheizungen sondern auch in verdichteten Wohngebieten und insbesondere dort, wo man preislich günstige Abwärme aus Industrieunternehmen bekommen kann. „Hier sind weniger technische als vielmehr innovative organisatorische Konzepte zwischen dem Eigentümer von Wärmequellen und den Wärmeverbrauchern gefordert!“, erläutert Saccà.

Der Energieberater der Verbraucherzentrale Helmut Pertz berichtete von seinen Erfahrungen aus der Praxis: BHKW in größeren Objekten können ökologisch eine sehr sinnvolle Entscheidung sein. Leider treffen die Geräte in Mehrfamilienhäusern aber noch kaum auf Zustimmung, in gewerblich genutzten oder öffentlichen Gebäuden mit permanent hohem Wärmebedarf, z.B. in Schwimmbändern gibt es landesweit allerdings schon etliche stromerzeugende Heizzentralen.

Die Verbraucherzentrale hofft mit der dritten Veranstaltung dieser Art nochmals einen neuen Anstoß gegeben zu haben, die Kraft-Wärme-Kopplung im Saarland weiter zu verbreiten um peu a peu den Kraftwerkspark umzubauen und damit die Energiewende voranzutreiben.

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St. Ingberter Anzeiger ·
1865–2017