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Jobcenter – Chancen für Alle

Landrat Dr. Theophil Gallo, Dr. Ulrike Zawar, Geschäftsbereichsleiterin für Arbeit und Soziales und Dietmar Schönberger, Leiter des Jobcenters, informierten bei einem Pressetermin über die aktuellen Aktivitäten des Jobcenters und gaben einen Ausblick auf das Jahr.

2016 kamen 2.600 Flüchtlingen (1.800 Erwerbsfähige und 800 Kinder) in die Zuständigkeit des Jobcenters des Saarpfalz-Kreises – eine große und besondere Herausforderung. Dabei waren die Sicherung des Lebensunterhaltes, Organisation und Koordination des Spracherwerbes, Finanzierung des Wohnraums, Orientierung in Gesellschaft und am Arbeitsmarkt sowie die Vorbereitung auf Arbeit und Ausbildung die primären Ziele.

Rund 1.000 Flüchtlinge sind in Sprachkurse des Jobcenters eingetreten, 187 in Sprachkurse des saarländischen Arbeitsministeriums und 600 Flüchtlinge in berufsvorbereitende Maßnahmen des Jobcenters. Hierzu wurden von den MitarbeiterInnen des Jobcenters und der Bildungs-und Beschäftigungsträger spezielle Konzepte entwickelt, wofür vom Bund zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt wurden. In einigen Fällen konnte eine direkte Integration in Arbeit und Ausbildung unterstützt werden. Insgesamt wurden 111 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen/Ausbildungen und 111 geringfügige Beschäftigungen aufgenommen.

Obwohl sich herausgestellt hat, dass viele Flüchtlinge einen deutlich höheren Unterstützungsbedarf haben, als ursprünglich angenommen, konnte durch spezielle Integrationsangebote und gelungene Konzepte des Jobcenters im letzten Jahr bereits ein guter Grundstock für die Integration in Arbeit und Ausbildung gelegt werden. Leider war das Angebot an Integrationssprachkursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nicht ausreichend, wodurch aktuell noch 600 Personen auf den Eintritt in einen Sprachkurs warten. 200 von ihnen haben jedoch bereits eine feste Zusage. Oftmals fehlen die entsprechenden Lehrkräfte, insbesondere weil zunehmend Alphabetisierungskurse benötigt werden, die eine besondere Qualifikation der Lehrkräfte erfordern. Weiterhin gestaltete sich die Koordination der Sprachkurse als sehr schwierig, da das Jobcenter hier nur bedingt Einfluss nehmen kann. Die vom saarländischen Arbeitsministerium finanzierten Sprachkurse und das Engagement vieler ehrenamtlicher Helfer erwiesen sich dabei als wichtige und wertvolle Unterstützung.

Die Arbeit mit Flüchtlingen hat die Integrationsarbeit mit den anderen Kunden des Jobcenters jedoch nicht beeinträchtigt. Die Arbeitslosigkeit bei Menschen ohne Flüchtlingshintergrund hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar besonders günstig entwickelt. Bei allen Zielgruppen des Arbeitsmarktes (Jugendliche, Ältere über 50, Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte) konnte die Zahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich deutlich gesenkt werden, sogar stärker als im Vorjahresvergleich 2015/2014.

Die Arbeitslosenquote liegt im Saarpfalz-Kreis mit 3,4% weiterhin vergleichsweise niedrig (Saarland: 4,9%). Diese Tendenz spiegelt sich in allen Gruppen wieder. So liegt die Arbeitslosenquote bei unter 25-Jährigen mit 2,4% noch 0,5 Prozentpunkte unter der des Saarlandes und die Quote bei den Älteren über 50 Jahren sogar um 1,3 Prozentpunkte darunter (2,7% zu 4,0%). Bei den ausländischen Arbeitslosen liegt die Quote im Saarpfalz-Kreis mit 18,7% knapp 1% unter der Vergleichsquote im Saarland.

Maßgeblich war hier neben den intensiven, individuellen Unterstützungen und Beratungen auch das differenzierte Maßnahmenangebot, das Menschen dort abholt, wo sie stehen und dann weiterentwickelt. Insgesamt haben rund 1.200 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beendet. Positiv wirkte sich auch aus, dass das Jobcenter mit seinen Integrationskonzepten in die Bundesprogramme Soziale Teilhabe und Langzeitarbeitslose einbezogen wurde und hier noch zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt wurden. „Es zeigt sich allerdings, dass trotz einer weiteren guten Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes im Saarpfalz-Kreis, es für Menschen mit mehreren Vermittlungshemmnissen und langer Arbeitslosigkeit immer schwieriger wird, einen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden“, bedauert Dietmar Schönberger, Leiter des Jobcenters. Landrat Dr. Theophil Gallo sieht dies in den sich immer schneller ändernden Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt begründet.

„Dennoch ist die Ausgangssituation für 2017 gut“, betont Schönberger, da ausreichend Haushaltsmittel vorhanden seien, um die strategischen Ansätze weiterzuführen und teilweise sogar noch auszubauen, so dass alle Kunden des Jobcenters ihre Chancen am Arbeitsmarkt wahrnehmen können. Insgesamt stehen 2017 hierfür mit über 8 Mio. Euro die erforderlichen Mittel zur Verfügung (38% mehr als 2016). Zusätzlich stehen für das „ESF-Bundesprogramm zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser Leistungsberechtigter“ rund 663.000 Euro und für das Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ 1.144.000 Euro zur Verfügung, wodurch sich ein Gesamtbudget zur Wiedereingliederung von 9.850.000 Euro ergibt.

2017 soll die Kooperation mit den Arbeitgebern noch intensiviert und ehrenamtliche Helfer über die Angebote des Jobcenters informiert werden. Jugendliche werden in besonderen Maßnahmen auf die Aufnahme einer Ausbildung vorbereitet, aber auch die öffentlich geförderte Beschäftigung für Menschen, die langfristig keine Chance am Arbeitsmarkt haben, steht weiterhin im Fokus. Im Jahr 2017 stehen im Bereich der öffentlich geförderten Beschäftigung 265 Plätze in Arbeitsgelegenheiten, 57 geförderte Arbeitsverhältnisse (FAV) und 80 Arbeitsplätze im Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ im Saarpfalz-Kreis zur Verfügung. Darüber hinaus wird es weitere besondere Angebote für Menschen mit vielschichtigen Problemen geben. “Es wichtig, diesen Menschen Chancen und Struktur zu geben, auch wenn es nicht der erste Arbeitsmarkt ist“, erklärt Schönberger.

Im 1. Halbjahr 2017 werden rund 700 Flüchtlinge ihren Sprachkurs beenden. „Die bisherige Erfahrung zeigt, dass viele das angestrebte Sprachniveau nicht erreichen bzw. selbst ein erfolgreicher Abschluss in der Regel nicht ausreicht, um beispielsweise eine Ausbildung zu beginnen“, so Schönberger. In Zusammenarbeit mit dem BAMF werden daher weitere Sprachkurse für die Menschen organisiert und koordiniert, die noch auf einen Integrationskurs warten. Flüchtlinge werden dadurch sprachlich weiterentwickelt und auf die Aufnahme einer Beschäftigung oder Ausbildung intensiv vorbereitet, wobei die Vermittlungsaktivitäten auch hier intensiviert werden. Jedem Flüchtling soll nach dem Sprachkurs ein passgenaues weiterführendes Angebot unterbreitet werden. Eine große Rolle spielt dabei zudem die Berufsorientierung für Flüchtlinge, da beispielsweise in den Heimatländern die duale Ausbildung nicht bekannt ist. „Gerade wenn es um die Anerkennung eines im Herkunftsland ausgeübten Berufes geht, aber auch um die Überwindung kultureller Unterschiede, wie beispielsweise bei dem Thema Pünktlichkeit, sind die Kammern wie IHK und HWK wichtige Kooperationspartner. So können entsprechende Qualifizierungs- und Fortbildungsmodule angeboten werden. Darüber sind wir sehr froh“, betont Dr. Ulrike Zawar, Geschäftsbereichsleiterin für Arbeit und Soziales. „Aufgrund der angespannten Situation ist es wichtig, Erfolge bei der Integration von Flüchtlingen zu zeigen. Darüber hinaus kann die Region davon nur profitieren“, so Gallo.

Titelbild:
Pressegespräch in der Kreisverwaltung zu den aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt

 

PM: Pressestelle SPK

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