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Kinderschutz und Prävention im Saarpfalz-Kreis

Gewalt und Missbrauch gegen Kinder stehen aktuell wieder im Fokus der Medien. Die Arbeit der Jugendämter wird erneut hinterfragt. Landrat Dr. Theophil Gallo nimmt Stellung – aus Sicht des Saarpfalz-Kreises – zu den aktuellen Berichten der Medien.

Um es vorweg zu sagen: „Einen umfassenden Schutz für Kinder gegen elterliche Gewalt“, so der Landrat, „wird es wohl nicht geben, wir können nicht hinter die Fassaden schauen“. Aber: „Eine fachlich engagierte und qualifizierte, stringent auf Prävention und Früherkennung ausgerichtete Jugendhilfe, bietet eine gute Chance einer deutlichen Reduzierung“. Dabei sind alle gesellschaftlichen Kräfte gefragt: „Das Grundgesetz in Artikel 6 spricht nämlich in Kinderschutzfragen nicht von den Jugendämtern, sondern von der staatlichen Gemeinschaft, die verantwortlich für den Schutz und die Unversehrtheit der Kinder einzutreten hat, hier sind im Interesse der Kinder ALLE gefordert“.

Im Saarpfalz-Kreis wird dieser Auftrag sehr ernst genommen. Schon seit 2003 gibt es einen Handlungsleitfaden zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen bei Kindeswohlgefährdungen. In der Folge wurde mit den freien Jugendhilfeträgern, den Kindertagesstätten, den Vereinen und Verbänden und schließlich auch mit der Kinderklinik in Homburg eine Kinderschutzvereinbarung geschlossen und konkrete Handlungsschritte vereinbart. Aber auch das bietet keinen endgültigen Schutz: „Wir können ja nicht immer und zu jeder Tageszeit neben den Eltern stehen“, so Sozialdienstleiter Karl-Heinz Becker. „Das ist auch nicht die Aufgabe der Jugendämter. Vorrang hat die Unterstützung der Eltern in ihrem Erziehungsauftrag. Das schreibt das Grundgesetz und das Kinder- und Jugendhilferecht vor“, so Becker weiter.

Im Jahr 2015 wurden 132 Gefährdungsmitteilungen vom saarpfälzischen Jugendamt überprüft. Dabei wurde in 17 Fällen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt und in drei Fällen mussten vorläufige Schutzmaßnahmen getroffen werden. In der Mehrzahl der Verdachtsfälle auf Misshandlung und Vernachlässigung konnte durch Beratung und zum Teil längerfristige Jugendhilfeleistungen geholfen werden die Lebenssituation der Kinder in der Familie zu verbessern. Im Kinderschutz spielt deshalb die Präventionsarbeit eine primäre Rolle. Der Saarpfalz-Kreis hat mit seinen Maßnahmen bundesweit Anerkennung erfahren. Jugendamtsleiter Klaus Guido Ruffing wurde deshalb auch schon vor mehr als sechs Jahren als fachlicher Berater in das „Informationszentrum gegen Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch“ beim „Deutschen Jugendinstitut“ in München berufen. Der Saarpfalz-Kreis hatte bereits damals eine umfassende Qualifizierung von Mitarbeitern gestartet. Zum Kinderschutz wurden vier Fachkräfte zum Thema “Kindesmissbrauch“ weitergebildet, sechs Mitarbeiterinnen zur Fachkraft „Kinderschutz“ qualifiziert und Mitarbeiterinnen der „Familienhilfezentren“ als entwicklungspsychologische Fachkräfte geschult.

„Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ so Ruffing, „wir brauchen die engagierten Nachbarn, die Erzieherinnen in den Kitas, die Lehrer und die politisch Verantwortlichen vor Ort; wie zum Beispiel die Ortsvertrauensleute oder die Ortsvorsteher. Diese Menschen wissen oft schon sehr früh, was sich in ihrem Sozialraum, in der Nachbarschaft ereignet“. Aber auch Vorsicht ist geboten: „Einer möglichen Denunzierung aus persönlichen Motiven wollen wir, in aller Deutlichkeit, keinen Raum bieten“, so Landrat Gallo.

Zwischenzeitlich haben sich zwei auf den Saarpfalz-Kreis bezogene Netzwerke etabliert. Als Erstes ist das saarlandweite, vom Sozialministerium geförderte Netzwerk für Eltern zu nennen, das an den Standorten Homburg, Bexbach, Kirkel und als zweiter Arbeitskreis für Sankt Ingbert und den südlichen Saarpfalz-Kreis installiert wurde. Darüber hinaus gibt es das Netzwerk Kinderschutz auf Träger- und Leitungsebene, das auch bei der verantwortlichen Leitungsebene für Fragen des Kinderschutzes sensibilisiert. Alle Maßnahmen zusammen zeigen Wirkung, wie vom Institut für Sozialpädagogische Forschung, Mainz, belegt. „Der Saarpfalz-Kreis hat die wenigsten Eingriffe in die elterliche Sorge im Saarland und einen sehr hohen Anteil an Eltern, die sich sehr früh bei den Familienhilfezentren um Unterstützung in ihrem Erziehungsauftrag kümmern“, so Landrat Gallo.

Jugendamtsleiter Ruffing und Landrat Gallo wünschen sich eine schnellstmögliche Umsetzung des Familienhilfezentrums in Sankt Ingbert. „Das wird die Aufgaben des Kinderschutzes im Saarpfalz-Kreis weiter voranbringen“, ist sich Gallo sicher.

 

PM: Saarpfalz-Kreis

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