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Kirchenkunst, Hexenhammer und Liebe im Mittelalter

Eine spannende Lesung in der Stadtbücherei: Wie lebten eigentlich Juden im Mittelalter? Dieser Frage geht Anja Sievers in ihrem Roman „Judenmadonna“ – erschienen im St. Ingberter Conte Verlag – nach. Im Rahmen des saarländischen „erlesen“-Festivals stellte sie ihr Buch in der Stadtbücherei St. Ingbert vor 

und entführte die zahlreichen Zuhörer in die Welt der mittelalterlichen Kirchenkunst im Elsass, der Madonnenmalerei und des Buchdrucks. Auch anschauliche Darstellungen der Inquisition und des Judenwahns fehlen nicht in ihrem hervorragend recherchierten Roman. Liebe und Tod – die ewigen Romanthemen – runden die Geschichte zu einem spannenden Gesamtwerk ab.

Bis auf den letzten Platz besetzt waren die Reihen in der Stadtbücherei St. Ingbert, als die Autorin Antje Sievers zu ihrer seit langem erwarteten spannenden Lesung im Rahmen des saarländischen „erLESEN“-Literaturfestivals in die Mittelstadt gekommen war. ILF-Sprecher Jürgen Bost und Rezensent Gerhard Sauder („ein faszinierender historischer Roman“) stellten dem Auditorium die aus Hamburg angereiste Publizistin und Schriftstellerin vor. Dann entführte die Autorin des 2020 erschienenen hervorragend recherchierten Romans „Judenmadonna“ – erschienen im St. Ingberter Conteverlag – ihre zahlreichen Zuhörer in die Welt der jüdischen Kultur im Elsass, die Gestaltung mittelalterlicher Kirchenkunst und fesselte sie mit der Darstellung einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte.

Der Roman lebt von der Fiktion, Martin Schongauers Hauptwerk „Madonna im Rosenhag“, 1473 vollendet und heute in der Dominikanerkirche zu Colmar zu bewundern, zeige die schöne aus dem elsässischen Bergheim stammende Jüdin Golda. Von ihrer Schönheit fasziniert, habe der Maler sie als Modell gewählt. Diese begeisternde Grundidee, so Sievers, sei ihr bei einem Badeurlaub in Tel Aviv gekommen. Doch Schongauer, wie die meisten seiner Zeitgenossen ein Judenfeind, ahnt nicht, dass seine Geliebte als Tochter eines jüdischen Rosshändlers geboren wurde. Als ihre Identität durch den Inquisitor Heinrich Institoris, den Verfasser des berüchtigten „Hexenhammers“, aufgedeckt zu werden droht, muss sie aus Colmar fliehen, und die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu.

Geschickt treibt Antje Sievers die Handlung durch rasche Ortswechsel und eine filmische Schnitttechnik voran. Mit großer Detailkenntnis wird das rituell geprägte Leben der Juden in den Dörfern geschildert. Sievers möchte das europäische Judentum nicht, wie es so oft geschieht, aus der Opferperspektive heraus darstellen, sondern betont die kulturellen Errungenschaften der einst von den Stämmen Israels begründeten Weltreligion, die zugleich auch Ausgangs- und Anknüpfungspunkt für Christentum und Islam ist.
Geschickte Perspektivwechsel integrieren mit historischer Akribie die verschiedenen Formen der Judenverfolgung im Elsass, die nicht zuletzt durch Buchdruck und Flugblätter angeheizt wurde, was einen Vergleich mit aktuellen sozialen Medien und kursierenden Verschwörungstheorien nahelegt.

Die Autorin begeisterte die Zuhörer mit dem Vortrag geschickt ausgewählter Passagen aus dem Roman und bot im Publikumsgespräch, das gar nicht abreißen wollte, interessante Einblicke in ihre schriftstellerische Arbeit. Noch lange nach der Lesung blieben die Besucher zusammen, in der Stadtbücherei fanden angeregte Unterhaltungen über das Buch statt.

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