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Franziska Hauser – Grenzerfahrungen mehrerer Generationen

Mit der Bahn war sie auf Einladung des St. Ingberter Literaturforums (ILF) ins Saarland gereist und hatte auch noch Zeit gefunden, das Stadtzentrum zu erkunden.

In der Stadtbücherei freute sich Franziska Hauser sichtlich über die Einführung durch ILF-Sprecher Jürgen Bost: „Das war die schönste und genaueste Vorrede, die ich je hatte“. Und es gab in der Tat einiges über den Gast aus Berlin-Pankow zu berichten.

Franziska Hauser wurde 1975 als Tochter einer Puppenspielerin und eines Dokumentarfilmregisseurs und Enkelin des Schriftstellers Harald Hauser in Berlin Pankow geboren. Sie studierte Bühnenbild und freie Kunst, arbeitete aber auch als Ausstattungsassistentin oder jobbte als Scherzartikelverkäuferin. Sie begann Fotografie zu studieren und trat mit ihren Arbeiten in internationalen Ausstellungen hervor. 2015 erhielt sie für „Sommerdreieck“, ihr Romandebüt, bereits Preise und Nominierungen. 2018 gelangte sie mit ihrem zweiten Roman „Die Gewitterschwimmerin“ auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Ihn präsentierte sie anhand klug gewählter Textpassagenihrem hoch interessierten Publikum, das gar nicht genug erfahren konnte und auch lebhaft mit dem Gast aus Berlin-Pankow diskutierte.

„Die Gewitterschwimmerin“ ist ein Roman, der in zwei Erzählsträngen, die sich abwechselnd aufeinander zubewegen und wie Zahnräder ineinandergreifen, ihre Familiengeschichte abbildet. So steuert die packend geschriebene Geschichte (und der Leser) auf die ultimative Freilegung dunkler Geheimnisse und Wunden zu, die nie verheilt sind und von Generation zu Generation weitergegeben werden. „Ich musste von jedem die Einverständniserklärung einholen, damit mich keiner verklagt“, erklärte Hauser. Alle hätten schließlich der Veröffentlichung der Romanversion zugestimmt, die die tatsächliche Familiengeschichte von 1889 bis 2017 als Grundlage verwendet, jedoch ihrer eigenen Sichtweise entspricht.

Im Mittelpunkt des Textes steht mit Tamara die Geschichte einer Frau, die ihre Kindheit in der jungen DDR erlebt und in einem Privilegiertenhaushalt als Tochter eines Kaderehepaares aufwächst, das für den Kulturbund und andere Staatsorgane in viele Länder fährt, um Lesungen, Vorträge und Konferenzen zu besuchen. Hauser zeichnet in „Die Gewitterschwimmerin“ in kühler Sprache das Leben von vier Frauen nach. Das Werk reflektiert zudem eindrucksvoll ein komplettes Jahrhundert bewegter deutsch-deutscher Geschichte. Viel Anklang fanden im Zuhörerkreis Franziska Hausers fantasievolle Art, ihre Figuren zum Leben zu erwecken, sowie der Realismus ihrer Gestaltung, die vielschichtige und interessante Einblicke weit über eine Familiengeschichte hinaus erschließt.

Franziska Hauser hat sich nach ihrer Beschäftigung mit der Fotografie dem Schreiben gewidmet, womit sie über das bloße Abbild hinaus viele neue Räume eröffnet. Auch ihr St. Ingberter Auditorium zeigte sich begeistert und konnte gar nicht genug über das dargestellte Personal und ihre Sicht insbesondere über die Zeit der Wende erfahren. Zum Abschluss der Lesung dankte ILF-Sprecher Jürgen Bost der Autorin und allen Zuhörern und kündigte als nächste Veranstaltung des St. Ingberter Literaturforums eine Begegnung mit Daphne Schmelzer an, die ihren Titel „Rebellion und Liebe – das Leben der George Sand“ vorstellen wird.

 

J. Bost, ILF

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