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Maurern wie die Römer

Neben dem normalen Museumsbesuch kann man im Europäischen Kulturpark auch Maurerarbeiten nach römischem Vorbild beobachten – zuschauen und Fragen stellen ausdrücklich erwünscht

Fast jeder kennt sie: die römischen Mauerfundamente – sichtbare Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, die überall in der Region zu finden sind. Und mittlerweile kann man sich an vielen Orten in Deutschland davon überzeugen, wie diese alten Mauern in ihrer Glanzzeit ausgesehen haben müssen. Wer hat sich nicht schon mal gefragt, wie diese Steinriesen überhaupt entstanden sind? Oder noch eher… wie sie gebaut wurden?!

Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim haben Besucher die Gelegenheit, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Hier gibt es eine kleine Gruppe fleißiger Arbeiter, die sich mit der originalgetreuen Teilrekonstruktion der Mauern im Hofareal der römischen Villa beschäftigt. Man sieht sie jeden morgen in den Park ziehen, mit Maurerkelle, Fäustel, Wasserwaage und Schnur.

Das besondere an diesen Maurern ist nicht ihr Werkzeug, sondern eher ihr Werk. Nach römischem Vorbild wenden sie Techniken an, die schon 2000 Jahre vor ihnen, an derselben Stelle, ein Mensch genutzt hat, um eine Mauer zu bauen. Bei der Arbeit wird bis ins kleinste Detail gedacht. Vom Legen einer Stickung im Fischgrätenmuster, über das Rechnen in Handbreit – dem römischen Maß der Handwerker, bis hin zu den richtigen Steinen aus dem Rubenheimer Kalkwerk und dem richtigen Mörtel, wird versucht, uralte Tradition wieder aufleben zu lassen. Vom Erfolg der Arbeit kann sich jeder tagtäglich überzeugen. Denn die Mauern wachsen und wachsen…

„Besucher, die bis an die Baustelle herankommen und sich für unsere Arbeit interessieren sind uns immer willkommen. So wird oftmals für viele Leute erst im persönlichen Gespräch mit uns die Bedeutung der Maurerarbeit hier richtig ersichtlich. “, so Peter Marschall, Chef der Arbeitsgruppe und erfahrener Maurer, der sich auf die römischen Maurertechniken spezialisiert hat. Noch bis zum ersten Frost, also rund drei bis vier Wochen in diesem Jahr, mauert er an der Westseite des Hofareals.

Wenn der Winter kommt, müssen die Arbeiten vorübergehend eingestellt werden. Dann wenden sich die Arbeiter einer besonderen Aufgabe zu. Sie bauen eine Groma – ein römisches Gerät zur Winkelvermessung, welches im Frühjahr bei Wiederaufnahme der Arbeiten mit genutzt werden soll. „Der Bau der Groma wird für uns ein interessantes Projekt und wir sind schon jetzt gespannt, wie das Gerät nächstes Jahr im täglichen Arbeitseinsatz funktioniert“, erklärt Marschall. Ein zweites Projekt, das diesen Winter umgesetzt werden soll ist der Bau eines Chorobates – dem römischen Vorgänger der heutigen Nivelliergeräte. „Ein Chorobates wurde genutzt um Höhenmessungen im Gelände zu machen, was vor allem bei den römischen Viadukten enorm wichtig war“, erklärt Marschall.

Der insgesamt sechs Meter lange Chorobates und die Groma werden im Frühjahr mit Sicherheit die Arbeit an den Mauern der Villa sehr interessant werden lassen. Bis es aber soweit ist, wartet noch jede Menge Arbeit auf Peter Marschall und seine Leute im Freigelände des Archäologieparks.

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1865–2017